„Wir sind eben nicht typisch norwegisch“

Ein unaussprechlicher Bandname muss kein Hindernis sein. Führt aber auch nicht automatisch zu medialer Liebe, und erst recht nicht zu Sympathien im eigenen Land. Ein Interview mit Kakkmaddafakka-Sänger Axel Vindenes.
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Axel, in der neuen Kakkmaddafakka-Single „No Song” - offensichtlich ein Lied über eure Erfahrungen mit der Medienbranche -, singst du: „I used to be a yes-man, but now I’m a no-man.” Was genau meinst du damit?
Ich war Neuem gegenüber immer offen, habe zu fast allem, was mir und uns als Band angeboten wurde, sofort „ja” gesagt. Und genau das habe ich mir abgewöhnt. Ich habe gelernt, auszusortieren und zu entscheiden, was wirklich gut für mich und uns ist, und was nicht. Es ist nicht leicht, aber wenn man es schafft, „ja“ zu den richtigen und „nein“ zu den falschen Dingen zu sagen, hat man ein wirklich viel leichteres Leben.

Wozu hättet ihr als Band denn in den vergangenen Jahren besser „nein“ sagen sollen?
Wir haben in der Vergangenheit den Fehler gemacht, dass wir viel zu oft aufgetreten sind – und das auch noch viel zu oft umsonst. Wir dachten, wenn wir einfach überall auftauchen, wenn die Leute und sehen, kennen und schätzen lernen, werden wir früher oder später auch anständig dafür belohnt. Das hat leider nicht geklappt (lacht).  

In „No Song” singst du: „I don’t have to prove anything to you or your magazine or your fancy blog.” Denkst du, ihr hättet es grundsätzlich auch ohne die digitalen Medien geschafft, als Band erfolgreich zu werden?
Nein, definitiv nicht! Für uns war das Internet enorm hilfreich, weil wir unsere Musik somit verbreiten konnten. Wir haben durch das Internet viele Fans gewonnen, sind bekannt geworden und letztendlich an einen Plattenvertrag gekommen. Im Song „No Song“ geht es auch nicht um alle digitalen Medien, sondern nur um die norwegischen. Genauer: die in Oslo.  

Was ist mit denen?
Wir haben ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihnen.  

Warum denn?
Ich weiß auch nicht, wie es dazu kam. Ich glaube, sie mögen uns schlichtweg nicht. Sie spielen uns nicht im Radio, schreiben nicht über uns, besprechen unsere Platten nicht.  

Sollten die norwegischen Medien nicht eigentlich stolz auf eine norwegische Band mit internationalem Erfolg sein?
Tja, sind sie aber nicht. Ich habe denen sogar schon persönlich unsere Songs geschickt – wieder nichts! Das nervt echt.

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Illustration: Julia Schubert

Nicht so die "Down-to-earth-Typen": Die Jungs von Kakkmaddafakka

Liegt vielleicht am Bandnamen, der nicht in jedes Medienformat passt.
Es liegt an uns als Personen. Wir sind eben nicht typisch norwegisch.  

Was unterscheidet euch von typischen Norwegern? Allein, dass wir aus Bergen kommen (lacht). Aber vor allem, dass wir uns nicht besonders norwegisch verhalten. In Norwegen ist man nicht unbedingt cool, wenn man aus der Masse heraus sticht, also sich anders kleidet oder benimmt, als die meisten es tun. Der typische Norweger ist eher bescheiden, zurückhaltend, in sich gekehrt. Ein Down-to-earth-Typ eben. Also nicht wirklich wie wir.  

Haben die Medien in Norwegen schon mal versucht, euch norwegischer zu machen?
Sobald wir in Oslo sind, kommen die Leute zu uns und wollen uns diktieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Sie wollen uns sagen, was cool und was uncool ist, nur weil sie irgendeinen, ihrer Meinung nach supercoolen Blog haben.  

Natürlich geht es auf eurem neuen Album nicht nur um Medien. Ein anderes großes Thema sind Mädchen. Du hast einmal gesagt: Je erfolgreicher man wird, umso mehr Mädchen mögen einen – und umso mehr Probleme hat man. Wie sieht’s denn gerade aus? Immer noch der alte Playboy?
(lacht) Ich persönlich bin seit acht Jahren mit demselben Mädchen zusammen und froh, dass ich meine Freundin getroffen habe, bevor es mit Kakkmaddafakka richtig los ging. Denn so konnten wir uns gleichzeitig kennenlernen. Es wäre anders gewesen, wenn ich sie jetzt treffen würde. Dann wüsste sie schon relativ viel über mich, ich aber noch gar nichts über sie. Womöglich hätte sie längst entschieden, was sie an mir mag und was nicht.  

Wenn es in deinem Leben nur dieses eine Mädchen gibt – woher nimmst du die Geschichten von den vielen anderen, die du in deinen Songs besingst?
Ich lasse mich von den Jungs in der Band und von Freunden inspirieren. Wenn bei denen mal wieder etwas passiert, wenn jemand ein Mädchen kennenlernt, gerade frisch verliebt ist, wenn es Gerüchte gibt, neuen Klatsch und Tratsch, oder wenn sich jemand trennt, bin ich immer sehr dankbar, weil ich dann wieder etwas habe, worüber ich schreiben kann. Wenn ich schon nicht über meine eigenen Mädchengeschichten schreibe, dann wenigsten über welche, die auch wirklich passiert sind. Ich wechsele beim Schreiben einfach die Perspektive.    

Wie viele Sex-Drugs-Rock’n’Roll-Klischees erfüllen Kakkmaddafakka denn so?
Kommt ganz darauf an.  

Worauf?
Auf den Tag (lacht) Grundsätzlich muss man sagen, dass es heute deutlich schwieriger für Bands ist, dieses Sex-Drugs-Rock’n’Roll-Ding durchzuziehen, als, sagen wir, in den 80er und 90er Jahren. Man verdient mit dem, was wir machen, ja keine Millionen mehr.  

Die braucht man für einen wilden Lebensstil ja auch nicht zwingend.
Stimmt. Ich meine: klar sind wir jung, feiern gerne, haben Sex. Und klar, wir umgeben uns gerne mit Mädchen – deswegen sind wir doch in einer Band! Wir feiern bestimmt auch mehr als einige andere Bands – aber wir sind auch nicht Guns N’Roses. Wir können nicht jeden Tag trinken und uns komplett verausgaben, das geht einfach nicht. Dann könnten wir weder gute Konzerte spielen, noch vernünftige Interviews geben. Wir müssen schon auf uns aufpassen, und das machen wir auch. Das gehört ja auch zu den Dingen, die wir in den letzten Jahren gelernt haben: gut zu sich selbst zu sein. 

„Six Months Is A Long Time“ von Kakkmaddafakka erscheint am 28. Juni.

Text: erik-brandt-hoege - Bild: Mario

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