Wir sind Gamer - Computerspieler demonstrieren in Köln, Karlsruhe und Berlin

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Was ist die Idee von „Wir sind Gamer“? Wir wollen zeigen, wer wir Spieler eigentlich sind: Es gibt in Deutschland rund drei Millionen Menschen, die Games spielen und dass wir nicht diejenigen sind, als die wir in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Wir sind nicht die verwahrlosten Klischee-Zocker, die Zuhause vor dem Rechner vergammeln. Spieler stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten und werden in der breiten Öffentlichkeit zumeist unterschätzt. Dann erzähl mal: Wer bist du? Ich bin 19 Jahre alt, mache eine Ausbildung zum Fachinformatiker, komme ursprünglich aus Rostock und wohne seit zwei Jahren in Karlsruhe.

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Und wer steckt hinter „Wir sind Gamer“? Die Ursprungsinitiative geht auf das Independent Friday Night Game zurück. Als das Intel Friday Night Game wenige Tage vorher abgesagt wurde, haben wir hier in Karlsruhe ein unabhängiges Game veranstaltet, um zu zeigen: Wir lassen uns von der Politik unseren Spaß am eSport nicht verderben. Es ging dabei darum, dass ein Spiel der E-Sportbundesliga erst in Stuttgart und Nürnberg und dann auch noch in Karlsruhe abgesagt wurde. Genau. Und wir haben an dem Abend, an dem das Spiel hätte stattfinden sollen, auf dem Marktplatz in Karlsruhe demonstriert und eine Kundgebung abgehalten. Dann sind wir zur Schwarzwald-Halle weiter gezogen, wo das Friday-Night-Game hätte stattfinden sollen. Dort haben wir uns eine Bühne aufgebaut und haben dann selber gezockt und den Zuschauern ein Show-Match präsentiert. Verstehe. Das Problem war, dass genau an dem Tag unserer Demo die Innenministerkonferenz den Beschluss gefasst hat, gewalthaltige Computerspiele verbieten zu wollen. Da haben wir uns natürlich gesagt: Dann gehen wir halt noch mal auf die Straße. So entstand die Idee zur „Wir sind Gamer“-Demo? Und weil wir beim letzten Mal festgestellt hatten, dass viele nicht kommen konnten, weil Karlsruhe zu weit weg ist, wird diesmal direkt in drei Städten demonstriert: in Karlsruhe, Berlin und Köln. Was passiert dann dort genau? Wir wollen zeigen, wer wir wirklich sind. Um uns zum Beispiel von dem großen Gerede über die so genannten Killerspiele zu distanzieren, wird in Berlin Killerschach gespielt ... ... bitte? Sagen wir es mal so: Schach ist auch eine Form von Völkermord und wir zeigen das. Es wird ein Schachspiel in Lebensgröße aufgebaut und die einzelnen Mitspieler spielen richtig, d.h. sie setzen Schach im richtigen Leben um – mit Kunstblut und Schwertern aus Pappmache. Was passiert in Karlsruhe? In Karlsruhe zeigen wir Retro-Games, damit die Leute sehen, dass es auch vor dreißig Jahren schon vermeintlich brutale Spiele gab. Wenn du dir Pacman zum Beispiel anschaust, muss man sagen: Das ist ein Drogenabhängiger, der Pillen schluckt und andere frisst. Ein krasses Killerspiel also (lacht). Und in Köln? Da werden wir mit Tastaturen aufmarschieren. So wie im Schützenverein, wir zeigen halt unsere Waffen und dass es lächerlich ist zu behaupten, dass man damit Menschen töten könnte. Und vielleicht sieht die Öffentlichkeit dann mal, dass ziemlich viel Müll über Gamer verbreitet wird. Gibt es eine parteipolitische Bindung bei Euren Demos? Überhaupt nicht. In Berlin werden wir von der Piratenpartei unterstützt, in Karlsruhe machen die JuLis mit, also die Jungen Liberalen, und vielleicht auch die Grünen. Hier wird auch Jörg Tauss sprechen, das ist der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete, der vor kurzem zu den Piraten übergetreten ist. Aber grundsätzlich wollen wir nur anregen, sich über die Parteien zu informieren, eben wie die zu unserem Thema stehen. Mit wie vielen Teilnehmern rechnest du? Realistisch gesehen würde ich sagen, dass wir 1000 bis 2000 Gamer pro Stadt mobilisieren können. Ich hoffe aber auf mehr, auf insgesamt 10.000 Demonstranten. Und was passiert nach der Demo? Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen, nur soviel: Wir werden eine riesengroße Überraschung auf der Demo präsentieren. Mehr über die Demos unter Wir sind Gamer! Mehr zum Thema auf jetzt.de: Das jetzt.de-Gespräch mit Peter Schleußer, der die Online-Petition gegen ein Verbot von Action-Spielen gestartet hat.

Text: dirk-vongehlen - Foto: Wir sind Gamer

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