"Wir sind motiviert und geben unser Bestes"

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„Dont be afraid babies – Wir geben nicht so schnell auf“, so verabschiedete sich FM4 von seinen Facebook-Fans. Nach einer Beanstandung der Medienbehörde KommAustria wird durch die FB-Tätigkeiten des Senders das Rundfunkgesetzes verletzt, da rechtlich und wirtschaftlich mit dem Netzwerk kooperiert werde. Mit einer Fanseite unterwürfen sich FM4 und die anderen ORF-Sender den Nutzungsbedingungen des Netzwerks und generierten zugleich Traffic, wovon Facebook wirtschaftlich profitiere. Diese vermeintliche Zusammenarbeit eines öffentlich-rechtlichen Senders mit einem privat geführten Großunternehmen verstößt nach Ansicht der Kontrollbehörde gegen die Prinzipien des österreichischen Rundfunkgesetzes.

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Illustration: Julia Schubert

 Die "verbotene" Facebook-Seite von FM4

Die Sender hingegen werfen der Behörde eine völlig überholte Auslegung des Gesetzes vor. Sie befürchten, dass sie ihre jungen Hörer ohne die Präsenz in sozialen Netzwerken nicht mehr erreichen können. "Das Facebook-Verbot ist so, als ob sie uns Farbfernsehen verbieten würden", schmimpfte Thomas Prantner gegenüber der Kronen-Zeitung, FM4 bebilderte sein Statement mit einer Meme-Aufforderung, die Behörde möge doch bitte ein Fax senden, wenn sie im Jahre 2012 angekommen sei.

Der Sender hat nun allerdings eine improvisierte Ausweichlösung gefunden. Seit Montag wird die Fanseite nicht mehr von FM4 selbst, sondern von drei passionierten Hörern geführt. Keine leichte Aufgabe für die drei, immerhin hat die Seite über 129000 Fans.

jetzt.de: Wer seid ihr?  
Michi: Also wir sind zwei Michis und ein Patrick. Ein Michi ist 25 und Student, Patrick ist 28, Student und Musiker. ich, der andere Michi, bin ebenfalls 25 und studiere in Wien.    

Wie seid ihr zu eurem Job gekommen? Ist FM4 auf euch zugekommen oder umgekehrt?
Bei mir war es so, dass ich jemand kenne, der bei FM4 arbeitet und ich ihn einfach gefragt habe, ob sie jemand brauchen, der die Seite übernimmt. Und so war das dann auch.    

Wie sind die ersten Tage verlaufen? Seid ihr überfordert?  
Nun, wir betreiben die Seite ja erst seit kurzem, und vorgestern gab es nach der Pause übers Wochenende das erste Lebenszeichen von uns, den neuen Betreibern der Seite. Bis jetzt haben alle durchwegs positiv auf uns reagiert. Natürlich brauchen wir auch eine gewisse Eingewöhnungsphase, aber ich hoffe, dass die Fans der Page es uns nachsehen, wenn nicht alles ganz ohne Probleme abläuft. Aber wir sind motiviert und geben unser Bestes, um alle weiterhin mit den notwendigen Informationen zu versorgen.    

Wie geht ihr bisher vor, teilt ihr euch die Arbeit auf? Haltet ihr den Kontakt zu FM4?
Zur Zeit ist es noch so, dass wir uns die Arbeit aufteilen - je nachdem, wer gerade Zeit hat. Wir müssen uns noch als Team einspielen, aber das wird schon werden. Die Informationen bekommen wir über die offizielle Homepage des Senders, über Presseaussendungen und natürlich hören wir auch selbst FM4.
   
Schafft ihr es zu dritt, die Seite wie bisher zu pflegen und auf Stand zu halten?  
Wir versuchen selbstverständlich das Angebot, so weit es uns möglich ist, in dem gewohnten Umfang aufrecht zu halten. Allerdings betreiben wir die Seite in unserer Freizeit, also kommt es hie und da zu Einschränkungen. Es kommen zum Beispiel immer wieder Fragen über gehörte Lieder, wie sie denn heißen. Ich kann da nur für mich sprechen, aber wenn ich Zeit habe, versuche ich auch diese Fragen zu beantworten - dass das leider nicht immer geht, muss den Fans aber klar sein.    

Ist das Ganze nur eine Übergangslösung oder wie geht es weiter?  
Fakt ist: die Facebook Seite darf nicht mehr von FM4 selbst betrieben werden. Wir sind Fans von FM4 und denken uns eben: die Seite hat beinahe 130.000 Likes. Warum sollen wir nicht für diese Leute da sein und ihnen - so weit wir können – weiterhelfen und sie über das Radioprogramm informieren? Wie es genau weiter geht, wissen wir aber selbst nicht.        

Glaubt ihr, dass das Verbot in höherer Instanz noch gekippt werden könnte?
Wenn dem so wäre, soll gleich das Gesetz dementsprechend formuliert und geändert werden, dass sämtliche Unklarheiten beseitigt sind. Warum soll eine öffentlich-rechtliche Anstalt wie der ORF, der auch FM4 betreibt, nicht via Facebook mit seinen Zuhörern und Zusehern kommunizieren dürfen?    

Könnt ihr die Entscheidung der Medienbehörde KommAustria denn auch in irgendeiner Form nachvollziehen? 
Es ist, wie schon gesagt, schade, dass die ehemaligen Betreiber des Facebook-Angebots die Seite so schnell und fluchtartig übergeben mussten. Aber es wäre doch schlichtweg schade, wenn diese Seite jetzt brach liegen würde, ohne dass Kommunikation mit denen stattfindet, die FM4 mögen. Die Entscheidung der Medienbehörde möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren, ich denke, dass schon alles gesagt wurde...

Text: quentin-lichtblau - Foto: Screenshot

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