"Wir wollen einen grünen New Deal!"

Greenpeace-Aktivisten befestigten am Montag ein Protestbanner am Deutsche Bank-Turm in Frankfurt am Main. Ein Interview mit Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid über die Aktion und Forderungen an die Politik.
marie-piltz

[b]jetzt.de: Sie haben heute ein Protestbanner mit dem Slogan „Wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet!“ an einem der Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt angebracht. Wie haben Sie das gemacht?[/b] [b]Karsten Smid:[/b] Wir haben acht Aktivisten oben, die dort in den frühen Morgenstunden das Banner ausgerollt haben. Um viertel nach sechs sind sie über die Kante gegangen und haben dann so gegen sieben Uhr das Banner aufgehängt. Ich selbst stehe seitdem am Fuß der Türme. Das Banner hängt zur Stunde noch (Anm. d. Redaktion: Montag, 12 Uhr) und ist weithin über Frankfurt zu sehen.

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Illustration: Julia Schubert

[b]Die Zwillingstürme stehen mitten im Finanzzentrum von Frankfurt. Kann man denn da so ohne weiteres hochklettern?[/b] Naja, das ist ein bisschen unser Betriebsgeheimnis, wie wir das genau gemacht haben (lacht). Aber so viel darf verraten werden: Hier ist momentan eine Baustelle. Am Gebäude werden Bauarbeiten vorgenommen und das hat uns den Weg ein wenig erleichtert. [b]Wie waren denn bisher die Reaktionen auf Ihre Aktion?[/b] Wir haben hier sehr viel positiven Zuspruch von den Menschen in Frankfurt bekommen. Die sagen, Greenpeace hat Recht: Das ist ein Wahnsinn, dass ihr um jeden Cent kämpfen müsst und wenn Banken Milliarden fordern, werden sofort die Kassen geöffnet. [b]Und was sagt die Deutsche Bank zu ihrer neuen Außenwerbung?[/b] Anfangs gab es das Gerücht, dass die Deutsche Bank uns auf eine Schadenersatz-Zahlung von 500.000 Euro verklagen und Strafantrag stellen würde. Aber das scheint erstmal vom Tisch zu sein, bislang wurde noch kein Antrag gestellt und man lässt uns gewähren. Aber die Feuerwehr und Höhensicherung sind seit Stunden vor Ort. [b]Mit dem Banner wollen Sie die Bundesregierung zu mehr finanziellem Engagement für den Klimaschutz bewegen. Welche Forderungen erheben Sie konkret?[/b] Zurzeit ist es wichtig, dass die Mitgliedsstaaten der EU beim Frühjahrsgipfel, der in den nächsten Tagen stattfindet, finanzielle Zusagen für den Klimaschutz geben. Europa zögert zu sehr damit, für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern Geld auszugeben. Konkret fordern wir 35 Milliarden Euro pro Jahr von den Ländern der EU, sieben Milliarden von Deutschland, die Merkel bewilligend zusagen soll. [b]Wie kommen Sie auf diese Beträge?[/b] Weltweit werden nach unseren Berechnungen von den Industriestaaten jährlich 110 Milliarden Euro für den Klimaschutz benötigt. 30 Milliarden für die Rettung der Urwälder und je 40 Milliarden für Anpassungsmaßnahmen, das heißt die Erhöhung von Deichen, und den Technologie-Transfer, also Investitionen in erneuerbare Energien in Entwicklungsländern. Wir sagen, dass Finanz- und Klimakrise nur gemeinsam zu lösen sind und dafür sind zunächst massive Investitionen für den Klimaschutz nötig. Wir wollen einen grünen New Deal. [b]Warum haben Sie ausgerechnet diese Form des Protests gewählt?[/b] Für uns sind die Deutsche Bank und Frankfurt als Bankenmetropole ein Symbol dafür, dass etwas grundsätzlich schief läuft: Es werden Milliarden ohne mit der Wimper zu zucken an Banken gezahlt und gleichzeitig wird beim Klimaschutz gezaudert. Aber wenn etwas systemrelevant ist, dann ist es doch das Klima. Wir müssen jetzt anfangen, damit es ein faires und glaubwürdiges Klimaabkommen gibt. Wenn jetzt kein Geld kommt, dann scheitert auch die ganze Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen. [b]Sie haben eine ähnliche Aktion kürzlich bereits in München und Brüssel veranstaltet. Hat die Politik seitdem schon auf Ihre Forderungen reagiert?[/b] Nein, bisher gab es leider keine Reaktionen. Dies ist nun bereits die vierte Aktion, Ende Februar haben wir auch eine in Berlin gestartet, als Merkel die europäischen Staatschefs zum Finanztreffen eingeladen hatte. Aber bislang zögert die Politik und das ist auch unsere Kritik: Dass einfach keine verbindlichen Zusagen an Entwicklungsländer gegeben werden. Daran krankt die zukünftige Klimazusammenarbeit. [b]„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“ - in den 80ern wurde diese Indianer-Weisheit zum Sinnspruch der Umweltbewegung. Haben Sie mit Ihrem Banner ein neues Motto für die heutige Klimaschutz-Bewegung geschaffen?[/b] Das ist ein Grundsatzspruch, da steckt viel Wahrheit drin. Aber wir verbinden das auch mit sehr konkreten Forderungen. Deutschland muss eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen. Und darauf bezogen passt der Spruch eben sehr gut. [i]Foto:(c) Bert Bostelmann / Greenpeace [/i]

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