"Wir zeigen nicht jeden Schwarzfahrer an"

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jetzt.de: Was ändert sich denn nun im Umgang mit Schwarzfahrern? Es ist nicht so, dass wir ab sofort jede Person anzeigen, die ohne Ticket fährt. Es bleibt zunächst bei einer Geldstrafe. Erst nach dem dritten Vorgang innerhalb von drei Monaten wird ein Strafantrag gestellt, wenn der Fahrgast keine plausible Erklärung für seine bisherigen Vergehen hat. Auch die Strafgebühr von 40 Euro bleibt dieselbe. Was sich ändert ist, dass der Schwarzfahrer nun für die zwei vorherigen Verstöße ebenfalls bestraft wird. Er bekommt also drei Strafanträge auf einmal ins Haus.

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Illustration: Julia Schubert

Was versprechen Sie sich denn davon? Es soll grundsätzlich ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass das Fahren ohne Ticket verboten ist und nicht auf die leichte Schulter genommen wird. Wir versuchen ja, durch unsere Plakate zusätzlich für Aufklärung sorgen. Allein der Aufwand, jedes Vergehen zur Anzeige zu bringen, wäre ja immens. Das würde dann auch für die Sachbearbeiter bei der Bundespolizei einen riesigen Aufwand bedeuten, um die Anzeigenflut in den Griff zu bekommen. Also gibt es keine sofortige Anzeige bei einem ersten Vergehen? Grundsätzlich nicht. Es gibt natürlich Ausnahmen. Ein Klassiker ist beispielsweise, wenn sich jemand im Zug-WC einsperrt oder bei der Fahrscheinkontrolle flüchtet. Da gibt es sofort eine Anzeige. Nach Informationen des Magazins Focus brachte die Bahn bis Ende Juni bereits fast 40 000 solcher Vergehen zur Anzeige – im gesamten Vorjahr waren es zirka 50 000. Warum hat sich diese Zahl so drastisch erhöht? Uns sind die Gründe dafür auch nicht bekannt. Es ist uns weiterhin wichtig, dass möglichst viele Personen, die sich nicht an die Regeln halten zu erwischen. Liegt der Anstieg daran, dass die Bahn ihre Kontrollen verstärkt hat? Wir haben unsere eigenen Erfahrungswerte und wissen auch, wie wir bessere Kontrollen durchführen. Wir überwachen nicht stärker und haben nichts an unserem Kontrollsystem geändert. Wichtig sind sie aber mehr denn je. Der Bahn liegt natürlich etwas daran, möglichst viele Schwarzfahrer zu erwischen. Denn der Schaden für die Deutsche Bahn ist erheblich. Wie hoch ist dieser Schaden im Jahr? Allein im letzten Jahr hatten wir dadurch eine Summe, die im dreistelligen Millionenbereich liegt. Das ist schon ein enormer Betrag der uns da Jahr für Jahr verloren geht. Dass wir da jetzt strikter herangehen wollen, ist nur ein logischer Schritt.

Text: sebastian-sittner - Foto: ddp

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