Zapfenstreich für Flaschenbier - auf dem Kiez gibt's draußen nur Dosen

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Wie reagieren Ihre Kunden darauf, dass sie nach 20 Uhr nur noch Dosenbier kriegen? Manche nehmen das gut an, gerade solche Kunden, die schon früher an Dosen gewöhnt waren. Die meisten sind aber natürlich an Flaschen gewöhnt, und da ist das schon eine Umstellung. Vor allem jüngere Kunden haben da ihre Schwierigkeiten – gerade erst habe ich mit einer jungen Frau diskutiert, die sagte, sie würde nie aus einer Dose trinken, außerdem tue die auch weh, wenn man sie auf den Kopf kriegt. Klar, habe ich gesagt, aber man kriegt davon keine schweren Schnittverletzungen. Wenn ich Flaschenbier von anderswo auf den Kiez mitbringe, ist das aber okay? Ja, unsere Regelung bezieht sich nur auf den Außenverkauf von Bier ab 20 Uhr. Was ist mit Wein oder Wodka? Wein wird nach wie vor in Glasflaschen verkauft. Genauso Spirituosen – da gibt es zu Glas einfach noch kaum eine Alternative. Zwei Schnapssorten biete ich schon in PET-Flaschen an. Trotzdem: Bierflaschen kommen auf der Straße einfach am häufigsten vor und werden oft als Waffe eingesetzt. Deshalb beschränken wir uns auf Bierflaschen.

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Illustration: Julia Schubert

Wie kam es zu dieser Aktion? Im Herbst hatte mich ein Reporter einer Hamburger Tageszeitung gefragt, was ich davon halte, dass ich hier bald nichts mehr verkaufen dürfe. Das stimmte zwar nicht, aber so erfuhr ich, dass die Hamburger Innen- und die Sozialbehörde planen, etwas gegen die zunehmende Gewalt auf dem Kiez zu unternehmen. In die Bürgerschaft wurde sogar der Antrag eingereicht, den Verkauf von Alkohol ab 20 Uhr in ganz Hamburg zu verbieten. Prinzipiell finde ich, dass die vorhandenen Gesetze ausreichen. Die müssten nur stärker vollzogen werden. Wie lässt sich prüfen, ob der Verkaufsstopp etwas bringt? Unsere Messlatte sind die Verletztenzahlen. Die dürften jetzt deutlich nach unten gehen. Und wenn nicht? Dann wird wohl ein öffentliches Konsumverbot für alkoholische Getränke auf St. Pauli erlassen, spätestens zur Fußball-Europameisterschaft.

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