"Zauberer und Gnome interessieren uns nur marginal!"

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jetzt.de: Die düstere Hexe auf dem Cover eures Albums erinnert an die Fantasy-Metal-Bewegung. Vor 25 Jahren war so was schon mal ziemlich hip, auf Platten von Rainbow, Krokus oder Halloween. Chris Ross: Halloween, das ist doch diese deutsche Metal-Band mit dem Kürbis, oder? Genau, und die sangen auch immer von verzauberten Schlüsseln und alten Zauberern. Moment mal, wir sind keine Fantasy-Band. Uns geht es nicht darum, uns in ein Dungeon-and-Dragon-Parallel-Universum zu flüchten. Zum Beispiel unser Song „Forrest of Gnomes“: der heißt deshalb so, weil der Produzent meinte, das klinge ja wie ein Wald voller Gnome. Und „White Unicorn“ heißt so, weil unser Sänger Andrew im Fernsehen ein hübsches Model sah, das auf seinem T-Shirt ein weißes Einhorn hatte. Es war also eher Zufall.

Trotzdem das fantastische Cover. Damit hat es Folgendes auf sich: In einem alten Buchladen entdeckten wir ein Buch des Illustrators Frank Frazetta. Der hat zum Beispiel „Conan der Barbar“ entworfen. Manche seiner Bilder waren nicht so unser Ding: Typen mit Riesen-Muskeln und Schwertern und so. Eher der Style der Testosteron-Rocker von Manowar… Ja genau, Manowar mit ihren Muskelmonstern. Wir lieben sie für ihren Trash. Aber natürlich wollen wir absolut nicht in diese Richtung. Nein, aber ein paar Bilder von Frazetta waren einfach der Wahnsinn: düster und erhaben. Was gefällt euch daran? Naja, auch wenn ich Fantasy-Kitsch verabscheue, das Prinzip Fantastik gefällt mir. Ich lese leidenschaftlich den Autor Tom Robbins, der schreibt gehobene fantastische Literatur. Aus einem seiner Bücher, aus „Skinny Legs and all“ stammt auch der Name Wolfmother. Alle paar Kapitel heißt es immer: „This is the room of the wolfmother-wallpaper“. Und was ist die Wolfsmutter-Tapete? Keine Ahnung. Diese Überschrift leitet sehr schräge unheimliche Passagen ein. Plötzlich tritt das Übernatürliche – als das ganz Andere – in eine quasi-stabile Ordnung und stört diese. Und genau darum geht es uns auch mit unserer Musik. Wie funktioniert das genau? Ganz einfach: es gibt eine feste Songstruktur, Riff, Strophe, Refrain – und auf einmal entwickelt sich der Song in eine ganz andere Richtung. Wir machen etwas verrücktes, ein komisches Keyboard-Solo oder so. Auf diese Weise ist Fantastik wichtig für uns, Zauberer und Gnome interessieren uns nur marginal. Es geht um ein musikalisches Prinzip: Wir wollen ein Mittelding zwischen durchstrukturierten Songs und verrücktem Artrock machen. Beides für sich alleine ist totlangweilig. Wie wichtig ist für euch Psychedelik? Eure Songs wirken ziemlich trippig. Wir haben keinen Masterplan wie: wir sind eine Psychedelik-Band und spielen LSD-Rock. Wir machen einfach das, was uns gefällt. Und wenn es sich dann psychedelisch anhört, ist das ein eher zufälliger Effekt unseres Zusammenspiels.

Wenn man sich eure Musik anhört, drängen sich ziemlich stark Assoziationen mit 70er-Jahre Bands wie Led Zeppelin auf. Ist auch das ein Zufall? Ja wirklich, das ergab sich einfach so. Wir hatten bestimmt nicht vor, wie eine 70er Rock-Band zu klingen. Aber als wir anfingen zu spielen, entwickelte es sich in diese Richtung. Wir sind eine typische Jam-Band, wir improvisieren und daraus ergeben sich dann erst allmählich konkrete Songs. Das haben wir mit den ganzen 70er-Bands gemeinsam und vielleicht klingen wir auch deshalb so wie die. Also sind die 70er nicht die Blaupause für euch? Naja, ich finde es schon sehr wichtig, zu wissen, wo Musik herkommt. Dass etwa Air heute nicht viel anders machen als Pink Floyd vor 30 Jahren. Aber das gilt für alle Dekaden. Klar liebe ich Bowie, T Rex, Yes und King Crimson . Aber es gab auch eine Menge Scheiß damals. Wie heute halt auch. Die 70er nehmen nur etwa 20 % meines musikalischen Bewusstseins ein, nicht mehr. Früher hatte sich Pop mal die Aufgabe gesetzt, immer neu zu klingen. Aber nun gibt es schon seit ein paar Jahren mit den Strokes oder eben mit euch Bands, die eher nach Gestern als nach Morgen klingen… Ach weißt du, ich spielte mal ein Konzert mit jemanden, der forschte wirklich nach neuen Sounds. Er hatte eine Glasscheibe mit Mikro dran und presste aus seinem Mund Gleitmittel gegen diese. Zum Schluss zerbrach er die Scheibe auf seinem Kopf und überall rann ihm Blut runter. Das war neuer Sound. So etwas machen wir nicht. Wir wollen die Welt nicht ändern und auch Musik nicht neu erfinden. Hast du eine Idee, wieso die Leute eigentlich gerade so verrückt nach Wolfmother sind? Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht sind die Leute einfach gelangweilt von all den Casting-Shows, die bei uns „Pop Idol“ heißen und die wirklich nur den letzten Schrott hervorbringen. Diese Bands stehen dann dumm auf der Bühne und sind künstlich. Vielleicht mögen uns die Leute, weil wir wirklich hinter unserer Musik stehen und sie auch leben – und weil wir uns auch auf unseren Konzerten bewegen. Vielleicht ist es ja auch, weil die Leute von elektronischer Musik etwas angeödet sind, die ja in den letzten zehn Jahren sehr dominant war. Ihr steht hingegen für eine neue Authentizität. Kann sein. Auf der anderen Seite möchte ich unsere Musik nicht gegen elektronische Musik ausspielen. Ich zum Beispiel liebe elektronische Musik, ich persönlich bin unglaublich beeinflusst von eine Menge Dance-Zeug: von alten James Brown-Sachen, Jacko-Songs, Daft Punk, ja sogar von Minimal-House. Was vielleicht auch daran liegt, dass bei uns in Australien diese Musik nie so wirklich groß war und man tatsächlich noch Sachen entdecken konnte. Und ich glaube sogar, dass wir auch so eine Art Dance-Music machen. Wir zumindest tanzen den ganzen Tag zu unserer Musik. Ich würde eher sagen, ihr macht den allerreinsten Rock'n'Roll. Ja freilich. Aber es geht um die abstrakte Ebene der Musik. Wir lieben zum Beispiel monotone Wiederholungen, damm, dadamm, dadamm und so weiter, immer dasselbe Riff. Es kommt nur auf den Groove an. Und der ist bei uns nicht anders als bei gutem Techno. Kostproben von Wolfmother gibt es hier und natürlich auf myspace.com

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