Zum Geburtstag ein Lied

Das Free Music Archive hat einen Komponistenwettbewerb ausgerufen, weil "Happy Birthday to you" noch bis 2030 urheberrechtlich geschützt ist. Wir haben mit dem Gewinner über den perfekten Geburtstagssong gesprochen
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„Happy Birthday to you“ ist das bekannteste englischsprachige Lied der Welt, wahrscheinlich wird es jeden Tag mehrere tausend Mal gesungen. Die Melodie haben zwei Grundschullehrerinnen im späten 19. Jahrhundert komponiert. Seit 1935 ist das Lied urheberrechtlich geschützt, 1998 hat Time Warner die Rechte gekauft. Eine lukrative Investition. Man sagt, das Lied bringe zwei Millionen an Lizenzgebühren für Verwendungen in Filmen, Werbung und Fernsehsendungen. Weil die Verwendung frühestens im Jahr 2030 lizenzfrei wird, hat die Organisation Free Music Archive zu einem Wettbewerb aufgerufen. Komponisten sollten einen Ersatz-Gratulationssong komponieren, der künftig umsonst abgespielt werden darf. Der kalifornische Musiker Monk Turner hat mit seiner Kollegin Fascinoma den „Happy Birthday Song Contest“ gewonnen.

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Illustration: Julia Schubert

jetzt.de: Monk, was haben deine Freunde an deinem Geburtstag gesungen?

Monk Turner: Sie haben ehrlich gesagt gar nichts gesungen. Mein Geburtstag fiel auf einen Samstag und wir haben ein ganzes Wochenende zusammen verbracht. Das war mehr ein gemeinsames Rumhängen, Freunde sehen und Spaß haben als eine Geburtstagsfeier für mich.

Okay, andere Frage: Was werden sie in zehn Jahren singen?

Wenn sie dann nicht mein Geburtstagslied singen, bekommen sie einen Arschtritt!

Warum habt ihr an dem Wettbewerb teilgenommen?

Ich habe von drei Seiten davon gehört und dachte, es könnte Spaß machen, das auszuprobieren. Außerdem hatten Alanna und ich eineinhalb Jahre lang keine Musik zusammen geschrieben; wir dachten, das könnte uns ein bisschen inspirieren. Und nicht zuletzt bin ich ein Unterstützer freier Kultur. Ich habe das Gefühl, dass die Art und Weise, auf die die Leute Musik konsumieren, in unserer heutigen Welt digitaler Technologien ganz anders ist als in den guten alten Zeiten.

Wie bringst du denn deine Musik unter die Leute?

Nur über digitale Wege. Bandcamp, Free Music Archive, Archive.org, Last.fm, YouTube, SoundCloud und natürlich durch irgendwelche anderen Menschen, die meine Musik posten. Ich könnte natürlich auch ein paar CDs pressen und mein Zeug auf iTunes verkaufen. Aber wenn jemand meine Musik umsonst will, kann er sie haben. Das letzte, was kleinere, unbekanntere Künstler wollen, ist doch eine Barriere, die die Leute davon abhält, ihre Sachen zu hören.

Womit verdienst du dann dein Geld?

Meine Musik ist für nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben. Geld verdiene ich damit, indem ich sie lizensiere. Ich bekomme Geld, wenn sie in Filmen, im Fernsehen, in der Werbung oder auf Webseiten benutzt wird. Außer dem komponiere ich für andere, ich produziere und unterrichte Musik. Meine eigene Musik ist also nur ein Standbein. Mit all den anderen Quellen komme ich ganz gut durch.

Noch mal zu eurem neuen Geburtstagslied: Happy Birthday ist eines der bekanntesten Lieder der Welt. Wie hat es sich angefühlt, als ihr euch hingesetzt habt, um so eine musikalische Berühmtheit zu ersetzen.

Alanna (Fascinomas richtiger Name, Anm. d. Red.) und ich haben einfach Spaß gehabt und herumprobiert. Wir wussten, dass es ein lustiges und leicht zu singendes Lied werden musste – mit einer einfachen Melodie, nicht mehr als drei Akkorden und unter 45 Sekunden lang. Es war überraschend einfach, wir haben uns nur drei Mal getroffen, dann stand der Song. Die ersten beiden Male haben wir alle Instrumente und den Gesang aufgenommen, eine Woche später haben wir die Melodie noch ein bisschen vereinfacht und zusätzliche Stimmen aufgenommen. Diese Version haben wir dann eingereicht, und als wir hörten, dass wir gewonnen haben, haben wir den Mix noch ein bisschen bereinigt und Instrumentalversionen produziert.

Ein neues Happy Birthday musste, wie du schon sagst, einfach zu merken sein. Wie schreibt man ein Lied, an das sich jeder erinnert und das jeder mag?

Das wüsste jeder Künstler gerne. Um diesem Ziel näher zu kommen, muss man glaube ich sehr viel gute Musik hören und analysieren. Ein Musikstudium hilft natürlich auch. Ich persönlich glaube, dass sich seit Bach in der Tonalität westlicher Musik nicht viel geändert hat. Die meisten Veränderungen haben damit zu tun, die Regeln zu brechen und zu biegen, die Bach in seinen 15 Inventionen vorgegeben hat. Ich glaube, gute Musik entsteht aus einer Mischung aus Regeln befolgen und überraschungen einstreuen.

 

In "Happy Birthday" und den meisten Geburtstagsliedern, die beim Contest eingereicht wurden, gibt es eine Stelle, an der man den Namen des Geburtstagskindes einbauen kann. Warum nicht in eurem?

Lustig, dass du das erwähnst. Alanna will das noch einbauen. Das wäre dann so etwas wie "It's your birthday Christian! Happy Birthday... Christian!"

 

Die Lieder wurden ja von einer Jury bewertet. Weißt du, warum ihnen euer Lied so gut gefallen hat?

Diese Information wird ziemlich geheim gehalten. Ich habe aber zugesteckt bekommen, das Laurence Lessig unser Lied mag. Das hat mir den Tag ziemlich versüßt, weil ich seine Bücher liebe und sehr viel Respekt vor ihm habe. Allerdings habe ich auch ein Interview mit Jurymitglied Ken Freedman gehört, der nicht so viel über unser Lied zu sagen hatte. Ich nehme an, es war nicht sein Favorit.

 

Wie haben dir die Lieder deiner Konkurrenten gefallen?

Alanna und ich haben uns die meisten angehört. Das soll jetzt nicht abfällig klingen, aber ich hatte das Gefühl, dass etwa 100 der eingereichten Lieder Müll waren. Die übrigen 39 hatten die richtigen Eckwerte, und zehn davon hätten uns leicht schlagen können. Ich mag das Lied, das die Blank Tapes eingereicht haben, sehr und bin froh, dass sie mit uns da oben gelandet sind. Go, California!

 

Glaubst du, dass euer Geburtstagslied euch jetzt total berühmt machen wird?

Nicht wirklich. Die meisten Leute sprechen bislang eher über das Lied und nicht über seine Komponisten. Ich glaube auch nicht, dass sehr viele Leute wissen, wer "Happy Birthday to you" geschrieben hat.

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