Bisher tauchen in holländischen Lesebüchern und Rechenaufgaben immer Elternpaare mit Mutter und Vater auf. Das soll sich ändern, die gesellschaftliche Wirklichkeit soll auch in den Schulbüchenr auftauchen. Frans Grijzenhout leitet den Verlag Noordhoff Uitgeverij. Er kündigte diese Woche an, dass bald die ersten digitalen Lernmedien erscheinen würden, in denen homosexuelle Eltern auftauchen. 2011 werden dann wohl die ersten Schulbücher für die Grundschulen gedruckt. Ganz verwunderlich ist es nicht, dass der Vorstoß aus Holland kommt. Schließlich war das Land das erste der Welt, das die Homo-Ehe zugelassen hat. jetzt.de: Herr Grijzenhout, warum erscheint das erste Schulbuch, in dem homosexuelle Eltern auftauchen, erst jetzt - und nicht schon früher? Frans Grijzenhout: Das ist nicht ganz richtig. Homosexualität kommt schon länger vor, aber bisher eben nur in Biologie-Büchern beispielsweise. Was wir jetzt vorhaben, geht weiter: Wir wollen, das auch in Rechenaufgaben, auf Bildern oder in den Texten homosexuelle Eltern auftauchen. Warum? Weil sich die Gesellschaft verändert - und diese Entwicklungen spiegeln sich in den Lehrmitteln. Das ist gut so: Schulbücher sind ein Abbild der Gesellschaft und heute gehören zwei Männer Hand in Hand zum Straßenbild einfach dazu.

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Ein schwules in Hamburg vor dem Beginn des Christopher Street Day im vergangenen Jahr: In den Niederlanden kommen in Schulbüchern künftig auch homosexuelle Eltern vor. Der Bürgermeister von Amsterdam, Eberhard van der Laan, fordert sogar, Unterrichtsstunden speziell über Homosexualität zu geben. Ja, von ihm stammt auch die Idee, die wir als Schulbuchverlag aufgegriffen haben. Im Vorfeld der „Gay Pride“ - der Parade für Lesben und Schwule in Amsterdam - wurde darüber diskutiert, was man tun kann, damit Homosexuelle nicht mehr als außergewöhnlich angesehen werden. Werden sie denn noch als außergewöhnlich angesehen? Oder anders gefragt: Ist Holland bereit für schwule Eltern in Schulbüchern? Homosexualität ist in der niederländischen Gesellschaft allgemein akzeptiert. Allerdings ist das Thema nicht unumstritten. Wie reagieren Eltern, Kinder, Lehrer oder Politiker? Ein Zusammenschluss von christlichen Schulen hat sich in einem Leserbrief kritisch geäußert. Aber sonst finden die allermeisten Eltern und Kinder die Idee gut. Was wollen Sie mit den neuen Büchern erreichen? Wir wollen, dass zwei Väter oder zwei Mütter genauso auftauchen wie das bisherige Familienbild. Wir hoffen, dass im Unterricht dann Gespräche darüber entstehen. Wie ist es am Muttertag, wenn man zwei Mütter hat? Natürlich muss man das den Kindern erklären. In der Vergangenheit haben in den Niederlanden die Angriffe auf Homosexuelle zugenommen. Können die Schulbücher dagegen etwas ausrichten? Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, dass es ein Beitrag ist zur Normalisierung. Die Kinder wachsen dann damit auf.

Text: benjamin-duerr - Foto: dpa