Zwei sind nicht zu bremsen

Sarah und Martin drehen einen Dokumentarfilm über ihr Idol, finanziert durch seine Fans. Wie das geht, erklären sie im Interview.
tim-rittmann

jetzt.de: Ihr finanziert eure Doku durch Kleckerbeträge von Fans. Wer 10 Euro spendet, kriegt eine persönliche Postkarte vom Dreh aus Rom. Wie kommt ihr da überhaupt zum Filmemachen?
Martin: Das ist ein Fulltimejob, auch, weil wir versuchen, täglich mit den Fans zu interagieren, über Facebook oder unsere Website. Aber regelmäßige Updates gehören zu einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne. Außerdem kommen wir durch die Fans an viele Infos. Wir wissen sofort, was es Neues gibt im Bud Spencer-Universum. Denn die Fans besitzen ein enormes Fachwissen, das wir wiederum für unsere Recherche nutzen.

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Illustration: Julia Schubert



Wie viel Geld konntet ihr so bisher einnehmen?
Sarah: Bei unserer ersten Kampagne haben wir 4300 Euro erzielt und mit der aktuellen, mit der wir ein Interview in Frankreich finanzieren wollen, bisher 2335 Euro.
Martin: Ohne die Hilfe der Fans wären wir verloren. Mein Auto, das Budmobil, mit dem wir in ganz Europa unterwegs waren, war kaputt. Die Reparatur hätte einige tausend Euro gekostet. Aber wir haben über unseren Verteiler einen Mechaniker gefunden, der uns in 40-stündiger Arbeit den Wagen gratis repariert hat. Wir übernachten auch immer nur bei Fans. So sind wir vom Süden Österreichs bis nach Norddeutschland gekommen, und von Ostdeutschland bis nach Holland.
Sarah: Zur Zeit verdient niemand an dem Projekt, nicht einmal wir. Alles läuft über Motivation und Enthusiasmus.

Wie, ihr verdient nicht daran? Wie haltet ihr euch dann über Wasser?
Sarah: Alle paar Wochen nehmen wir einen Nebenjob an. Im Winter haben wir Christbäume verkauft, in bitterer Kälte, und jeder, der einen Baum gekauft hat, bekam zugleich einen Budspencermovie-Weihnachtsflyer dazu. Martin, Du hast ja über Bud Spencer deine Magisterarbeit verfasst...
Martin: Ja, und jetzt schreibe ich die zweite über ihn. Wenn man drei Jahre lang zu einem Thema recherchiert, dann staut sich ein enormes Wissen an. Und es gibt ganz wenig wissenschaftliche Lektüre zu Bud Spencer.

Du bist dann also der erste Budspencerologe?
Martin: So ungefähr. Wir werden auch gerade von verschiedenen Universitäten aus Deutschland und der Schweiz eingeladen. Einerseits, um zu erzählen, wie man Fan-Communities einbaut. Zum anderen, um über die Filme an sich zu referieren.

Sind die klamaukigen Kloppereien für eine filmwissenschaftliche Betrachtung nicht zu banal?
Martin: Nein, die Filme sind sehr vielschichtig. Wusstest du, dass die deutschen Filme 30 Prozent mehr Sprechanteil besitzen? Manchmal bewegen sich die Münder nicht, obwohl die Protagonisten sprechen.

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Illustration: Julia Schubert



Ihr habt auch lange versucht, ein Interview mit Bud Spencer zu bekommen, seid aber die ganze Zeit am Widerstand seiner Sekretärin gescheitert, die ihn gut abschirmt. Nun hat es doch geklappt. Wie war's denn?
Sarah: Es war toll. Da widmet man sein ganzes Leben Bud Spencer, oder Carlo Pedersoli, wie er mit richtigem Namen heißt. Man meint, diesen Mensch in- und auswendig zu kennen, und als wir ihm dann in Rom gegenüber standen, haben wir kaum eine Frage rausgekriegt. Aber er ist sehr nett und offen. Er hat Martins Abschlussarbeit behalten und in den Schrank gestellt. Dann hat er uns ein Lied vorgesungen, das er bald herausbringen will.

Ihr steckt eure Nasen ganz schön tief in das Leben eines anderen. Seid ihr auch auf Details gestoßen, die ihr lieber nicht hättet wissen wollen?
Martin: Ganz im Gegenteil. Man sucht die ganze Zeit die dunklen Seiten von Bud Spencer, die Doku will ja auch kritisch sein. Aber die dunklen Seiten von Bud Spencer sind wirklich schwierig zu finden. Ich kenne, naja, fast keine.

Habt ihr mit ihm auch über seine Kandidatur für die alte Berlusconi-Partei Forza Italia gesprochen?
Martin: Ja, und das kommt auch in unseren Film vor. Das war ein großes Fressen für die Medien, obwohl es sich nur um eine total unbedeutende Regionalwahl handelte. Alle dachten: Bud Spencer ist rechts, weil er für Silvio Berlusconi antritt. Die Wahrheit ist jedoch: Bud Spencer war immer schon links bis liberal und in seinen jungen Jahren sogar Kommunist.
Sarah: Bud hat sich im Wahlkampf für die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt. Gerade das kam bei Forza Italia gar nicht so gut an. Aber so ist eben Bud Spencer. Sein Lebensmotto lautet ja auch "Futtetenne", das ist neapolitanischer Dialekt und heißt so viel wie „Scheiss drauf".

A propos. Carlo Pedersoli wird nachgesagt, er sei schlampig, habe als Spitzenathlet mehr geraucht als trainiert und als Schauspieler seine Texte nicht gekonnt. Taugt der Mensch Carlo Pedersoli da überhaupt als Vorbild?
Martin: Ein Vorbild muss auch Ecken und Kanten haben. Und schlampig bin ich selber. Am Wichtigsten ist, dass man sich was traut, dass man sich eben nicht scheut, die Türen, die sich im Leben öffnen, zu durchschreiten. Carlo hat sich nie gescheut. Und wäre Carlo nicht so wie er ist, hätte es Bud Spencer nie gegeben.


Text: tim-rittmann - Fotos: budspencermovie.com

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