Muslimischer Bataclan-Überlebender nennt Jesse Hughes “verdammt gefährlich”

Er empfiehlt dem Eagles-of-Death-Metal-Sänger mehr Rock’n’Roll-Haltung.

Wir erinnern uns: Bei Terroranschlägen in Paris im November 2015 haben die Eagles of Death Metal im Bataclan-Theater gespielt. Terroristen drangen in den Saal ein und töteten 89 Menschen. Eine Tragödie für die Anwesenden. Für das Land. Für die Welt.

Wir erinnern uns weiter: Frontmann Jesse Hughes hat kürzlich dem Taki-Magazine ein Interview gegeben, indem er ziemlich viel spekuliert – und ein Muslim und Fan, der das Konzert ebenfalls überlebte, wehrt sich nun öffentlich gegen die Mutmaßungen des Sängers.

Jesse Hughes bekommt in dem Interview reichlich Gelegenheit, sich darüber auszubreiten, wie er den Abend erlebte. Vorgestellt wird er in der Einleitung so: "Jesse Hughes hat erkannt, dass der Islam das Problem ist, und dass politische Korrektheit uns umbringt."

Die Wahrnehmungen des 44-Jährigen sind so: Einer der Bataclan-Mitarbeiter habe seinen tätowierten Buddy  angestarrt, erzählt er ("Ich schob das auf den arabischen Neid"), und arabisches Geld sei "schädlich", weil damit manipulative Hollywood-Filme finanziert würden.

Hughes: für Waffen, für Trump

Zudem habe er während das Anschlags "Muslime auf den Straßen feiern" sehen. Nur die französische Polizei sei nicht so "naiv" wie die "reichen weißen Kinder", die liberal erzogen wurden, aber sich im Ernstfall nicht verteidigen könnten. Hughes befürwortet Waffenbesitz und ist Anhänger von Donald Trump. In dem Gespräch mit dem Taki Magazine zeigt sich Hughes überzeugt davon, dass unter dem Security-Personal Eingeweihte waren, die darüberhinaus womöglich arabische Gäste vorwarnen wollten (das hatte er schon im März behauptet).

Ein Riesenproblem sei zudem, so Hughes, die Political Correctness. "Zwei Muslima wussten, dass sie nicht kontrolliert werden würden, weil sie traditionell gekleidet waren", behauptet er.

Ein Überlebender von Bataclan gibt Hughes jetzt Kontra. Er heißt Ismael El Iraki, ist Muslim und begeistert sich für Musik. Für die von den Eagles of Death Metal seit Hughes Interview nicht mehr. Am 24. Mai veröffentlichte die französische Huffington Post seinen offenen Brief an Jesse Hughes – und aus dem spricht starke Enttäuschung.

 

"Du wirktest immer wie ein Außenseiter, wie ein Rebell, aber jetzt wissen wir, dass Du das nicht bist", schreibt Iraki. Hughes habe "mit seiner Dummheit" bewiesen, dass er "verdammt gefährlich" sei.

 

Das Interview öffne eine "scheußliche Wunde". Besonders ärgere ihn Hughes Verdacht, dass eine angeblich eingeweihte Security arabisch aussehende Besucher habe verschonen wollen. Ziemlicher Quatsch, so Iraki, denn "ich könnte nicht stärker nach einem Muslim aussehen". In dem Facebook-Posting zu dem Artikel ist er in der Konzertmenge zu sehen.

"Ein verdammter Held"

 

Am stärksten schmerze ihn aber, dass Hughes eine Sache völlig verkenne: Viele Konzertbesucher hätten ihr Überleben der Attacke einem Muslim zu verdanken: "Sein Name ist Didi und er öffnete die linke Haupttür, aus der die meisten flohen", schreibt Iraki – und was noch dazukomme: "Nachdem er schon in Sicherheit war, auf der Straße, GING ER WIEDER HINEIN." Um weiteren Menschen zu helfen.

 

Nun habe Hughes mit seinen fremdenfeindlichen Einlassungen einen Mann beleidigt, der "ein verdammter Held" sei. Nicht der Islam sei das Problem, schreibt Iraki: "Andere auf Vorurteile zu reduzieren, das ist das Problem." 

 

Muslime und Araber seien genauso betroffen vom Terror wie Hughes selbst. "Rock'n'Roll ist Liebe. LIEBE. Schau Dich an: Du bist ein Verbreiter des Hasses geworden, Bruder", schreibt Iraki. Der Tipp des enttäuschten Eagles-of-Death-Metal-Fans an Hughes lautet daher: "Kehr' zurück zum ursprünglichen Geist des Rock’n’Roll." Irakis Protest wurde auf Facebook innerhalb eines Tages mehr als 400 Mal geteilt.

 

fran

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