Ein Super-Groupie erzählt: "Ich und rot werden?"

Der Film "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" mit Kostja Ullmann könnte eine gute deutsche Komödie werden. Wer aber die Wahrheit über Groupies wissen will, muss mit Pamela Des Barres reden.
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Illustration: Julia Schubert

Pamela Des Barres kennt sie alle: Mick Jagger, Jim Morrison und Frank Zappa. Das mittlerweile 60-jährige Supergroupie verbrachte mehr als die Hälfte ihres Lebens hinter Bühnen, in Tourbussen und in den Betten der Stars. In "Im Bett mit Rockgöttern" steht, wie das war - sie und andere Groupies packen aus. Mit jetzt.de plaudert Des Barres über lästige Models, schlaffe Penisse und Oralsex mit Elvis. Außerdem zitieren wir aus dem Buch jetzt.de: Frau DesBarres, sind Groupies ein Phänomen unserer Zeit? Des Barres: Ich glaube, Groupies hat es schon immer gegeben und wird es immer geben, so lange jemand auf eine Bühne tritt und andere begeistert. Das erste Groupie war Maria Magdalena, der erste Rockstar Jesus. Das Einzige, was sich über die Jahre änderte, war die Form der Bühne. Wenn wir Maria Magdalena beiseite lassen und Ihre Zeit als Groupie betrachten und das Jahr 2008 - gibt es da Unterschiede? Prinzipiell nicht, das Verlangen, jemand Besonderem nahe zu sein, ist das Gleiche, damals wie heute. Allerdings ist es mittlerweile weitaus schwieriger, ein echtes Groupie zu sein. Man muss viel mehr Sicherheitspersonal umgehen und hat mehr Konkurrenz. Für aufstrebende Schauspielerinnen und Models gilt es als hip, bei Bands rumzuhängen. Und die Models stören? Stören ist zu viel gesagt, sie sind nur aus anderen Gründen da. Ein echtes Groupie will so nah wie möglich an der Musik sein und Zeit mit denen verbringen, die ihnen so ein gutes Gefühl geben: den Musikern. Weibliche Möchtegern-Promis suchen nur deren Nähe, um dadurch ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Das hat wenig mit der Liebe zur Musik zu tun.

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Illustration: Julia Schubert

Frau Des Barres Fans gibt es ja immer, aber wie wird man zum erfolgreichen Groupie? Man muss erfinderisch sein und von langer Hand planen. Journalist zu sein oder bei einem Plattenlabel oder einer Radiostation arbeiten, hilft auf jeden Fall. Man kann auch eine eigene Band gründen. Am einfachsten ist natürlich, höllisch gut auszusehen und bei einem Konzert ausgiebig am Tourbus rumlungern. Da muss die Band schließlich irgendwann vorbeikommen. Gibt es keine besonderen Tricks? Am Bus rumlungern ist ja nicht so kompliziert. Die einfachsten Dinge funktionieren meistens am besten. Ich musste mich selten verrückter Tricks bedienen. Wir hatten es zu unseren Hoch-Zeiten aber auch einfacher. Früher gab es weniger Mädchen, die ernsthaft versuchten, Bands zu treffen. Man machte einfach der Security schöne Augen und schon war man backstage, wenn es sich nicht gerade um die Beatles handelte. Jimmy Page oder Mick Jagger beispielsweise kamen auf mich zu, nicht umgekehrt. Für mich und meine Freunde war es einfach das Normalste der Welt, bei Konzerten hinter der Bühne rumzuhängen. Was war der beste Moment als Groupie, was der peinlichste? Bei Konzerten auf und nicht vor der Bühne zu stehen war immer ein Highlight. Die Perspektive auf die vielen Gesichter und nur wenige Meter entfernt spielen die Rolling Stones, The Who oder The Doors – das war berauschend. Der Zustand, wenn einem die Energie der Band und die des Publikums entgegen schwappt, ist unbeschreiblich. Peinlich war nur ein Moment in meiner Vergangenheit: Jimmy Page ließ mich einmal vor einer Kneipe stehen und zog mit einer Dreizehnjährigen ab. Das war furchtbar. Wenn sie zurückblicken, gibt es etwas, das sie bereuen oder gar ändern würden? Man darf niemals etwas bereuen; das wäre verschwendete Zeit. Vielleicht hätte ich ein paar Drogen weniger nehmen sollen, dann hätte ich nicht so ein schlechtes Gedächtnis. Aber ich bin pragmatisch: Für so etwas habe ich meine Tagebücher. Apropos Tagebücher: War es schwierig, die Geschichten für ihr Buch aus den Erzählerinnen herauszukitzeln? Im Gegenteil, sie konnten es gar nicht erwarten, ihre Geschichten erzählen zu dürfen. Es sprudelte geradezu aus ihnen heraus. Ich bin so etwas wie die Groupie-Oma – der kann man einfach nichts abschlagen. Haben Sie eine Lieblingsgeschichte? Mit Abstand Tura Satanas Geschichte, wie sie Elvis Oralsex beibrachte - dicht gefolgt von Cynthia Plaster Casters Erlebnissen, als sie ihre Penisskulpturen fertigte. Jimmy Hendrix’ schlaffer Penis als er in das Gips getaucht wurde, bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Wurden sie nicht auch mal rot bei all den sexuellen Ausschweifungen der Erzählerinnen? Machen sie Witze? Ich und rot werden? Kam es für Sie jemals in Frage, ein konventionelles Leben zu führen? Das war für mich nie ein Entweder-Oder. Ich habe einen erwachsenen Sohn, der in Tokio lebt und war viele Jahre Hausfrau. Trotzdem war ich immer ein Groupie. Das Eine schließt das Andere nicht aus. Groupie bleibt man sein Leben lang und kann trotzdem den Abwasch machen und ein Kind großziehen. Die Strumpfhose von Kurt Cobain und der Schwanz von Iggy Pop: Auf der nächsten Seite liest du Anekdoten aus dem Buch


Zitate aus "Im Bett mit Rockgöttern": "Dianne blies ihm einen, er hatte eine echt lange Latte. Dann steckte er sie in das Alginat. (...) Jimi (Hendrix) blieb ziemlich lange in der Abgussform, aber er war sehr sanft, kooperativ und geduldig. Er fickte die Gussform, während wir warteten." Das Groupie Cynthia Plaster stellte in den 70ern Gipsabdrücke von Rockstar-Penissen her. "Elvis wurde als Liebhaber immer versierter, aber in einer wichtigen amourösen Kunst besaß er noch keinerlei Erfahrung. ‚Vier oder fünf Nächte später zeigte ich ihm, wie man es mit dem Mund macht.’ Tura grinst. ‚Das hatte er noch nie ausprobiert.’" Tura Satana "Spirit gaben ein Konzert, und ich bekam den Auftrag, Randy California zu interviewen. Ich hatte keine Ahnung, was ich fragen sollte. (...) Wir landeten zusammen in der Badewanne, und später saß ich in meiner Unterwäsche auf der Toilette und interviewte ihn für die ‚Sun’." Margaret Moser "Dann sagte er: ‚Lass uns schlafen gehen’, und wir gingen ins Bett und hatten Sex, vielleicht siebenmal. (...) Iggy (Pop) war einfach der helle Wahnsinn! Er hatte einen tollen Körper, wie jeder weiß, und wirklich einen riesigen Schwanz." Prinzessin Farhana "Jetzt streiche ich selbst verführerisch darüber, plötzlich wird mir klar, das ist BILLY IDOL. Billy Idol liegt in meinem Bett! Ich frage ihn, wie ist es denn so, Billy Idol zu sein? Und er sagt: ,Die wollen alle die Lippe sehen, und ich zeig ihnen die Lippe'. Dann führt er auch mir das überhebliche sexy Grinsen vor, das zu seinem Markenzeichen wurde." Patti Johnson "Die einzigen Rockstars, die ich kennenlernte, die auf abgefahrene Sachen standen, waren Guns N’Roses. Ich bekam mit, wie sie Orgien feierten. Einmal war ich bei Slash zu Hause, mit Duff, und ich sah Slash und Ron Jeremy mit mehreren Pornodarstellerinnen im Bett." Miss B. "Er (Kurt Cobain) trug Strumpfhosen, aus denen an bestimmten stellen stücke herausgeschnitten waren, hohe Absätze, Kleider, Perücken, Make-up: das volle Programm. Komischerweise war der Sex selbst sehr normal, nichts Ungewöhnliches." Miss B. "Wenn dich ein durchschnittlicher Anwaltstyp in einer Bar ansprechen und sagen würde: ‚Ich steh auf deine Titten. Kommst du mit aufs Klo, damit ich mir einen runterholen kann?’, dann würdest du dem Türsteher bescheid sagen. (...) In der Musikbranche wirst du so oft angestarrt und begrapscht, dass man das anders betrachtet. Ich bin es gewohnt, dass mich Leute fragen, ob sie mir an die Titten oder an den Arsch fassen dürfen, und ich fühle mich wohl dabei. Das ist, als würde mir jemand die Hand schütteln." Lexa und Sandra ***

Im Bett mit Rockgöttern ist im Heyne Verlag erschienen und kostet 9,95 Euro *** Bei diesem Text handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2007

Text: michele-loetzner - Foto: Randee St. Nicholas

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