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Ein Gemeinschaftsbüro in Köln. Man muss bei „Ich und die anderen“ klingeln. Carolin Kebekus empfängt in kariertem Hemd und Jeans - und sieht auch sonst sehr anders aus als auf der Bühne. Natürlicher. Weniger prollig. Das zeigt, dass die 35-jährige Komikerin nicht nur einfach so ziemlich witzig ist - sie ist vor allem sehr wandlungsfähig. Sie geht in dem auf, was sie tut. Auch bei Brettspielen. Meine erste Sechs kommentiert sie mit einem scharfen „Neiiin!!!“.

Womit bist du zuletzt gescheitert?
(überlegt lange) Jetzt beruflich oder persönlich?

Was du lieber erzählst.
(überlegt noch mal lange) Das letzte Mal vermutlich auf der Bühne. Wobei „gescheitert“ da jetzt auch etwas hoch hängt: Ich war unangekündigt in einer kleinen Mix-Show, um neue Ideen auszuprobieren. Und die Leute waren erst mal total frenetisch. So: „Oh, mein Gott, Carolin Kebekus, sie ist es wirklich! Wie krass! Und sie fängt an, etwas zu erzählen. Und es ist … es ist gar nicht so lustig …“ Schrecklich!

Man erlebt das nicht oft, dass jemand eine Szene noch mal derart durchleidet. Carolin Kebekus’ Gesicht, ihre Stimme, ihr ganzer Körper fallen beim Erzählen wieder in sich zusammen. Meine zweite Sechs richtet sie ruckartig wieder auf: „Das ist doch gezinkt hier!“

Und was war der prägendste Rückschlag?
Ich habe mal vier Tage am Stück beim „Quatsch Comedy Club“ gespielt, und es hat nichts funktioniert. Gar nichts. Fünf Shows an vier Tagen - und es war immer komplett scheiße. Immer, immer, immer!

Von welcher Zeit reden wir da?
Ungefähr sieben Jahre müsste das her sein. Und ich habe danach bei meiner Agentur angerufen und gesagt: „Ihr könnt alle Stand-up-Auftritte absagen! Weil ich das nie wieder mache! Ich studiere jetzt wahrscheinlich oder so.“

Hier wirft auch sie ihre erste Sechs. Das „Haha!“, das darauf folgt, ist ein bisschen gequiekt.

Und dann?
Dann wurde ich fürchterlich überredet, weiterzumachen. Und dann ist das eben wie beim Vom-Pferd-Fallen: schnell wieder drauf.

Hast du ein Muster, wie du dich nach Rückschlägen verhältst?
Ah, du meinst, ob ich direkt bei mir gucke oder bei anderen?

Zum Beispiel.
Das kommt total drauf an. Auf der Bühne bin ich nun mal leider für alles ganz alleine verantwortlich. Sonst bin ich schon mal dafür zu haben, zu sagen: „Vielleicht hat da ja auch jemand anderes was verbockt?! Kann doch auch sein!“

Jetzt brauche ich eine Vier, um sie zu schlagen. Sie saugt scharf Luft ein. Und ich würfle: eine Vier. Eine strengere Frage also:

In deinen Programmen gibt es ja ein paar wiederkehrende Gegner: die Bigotterie der katholischen Kirche zum Beispiel. Aber auch Simone Thomalla. Ganz schön einfache Ziele, oder?
Ich weiß, was du meinst. Ich begebe mich da nicht auf dünnes Eis. Aber ich gehe ja auch nicht auf die Bühne und sage: „Achtung, hier kommt weltverbesserndes Kabarett!“ Deswegen, ja, hast du recht.
Na und?

Für so wenig Anspruch benutzt du in Interviews aber ganz schön oft Begriffe wie „hinterfragen“ und „untersuchen“ für deine Arbeit. Ist das also nicht doch eine Aufgabe von Comedy?
Nein. Aber Comedy ist eine Kunstform. Und jede Form von Kunst bringt die Wahrnehmung des Künstlers nach außen. Ich sage, wie ich Dinge sehe. Das beinhaltet natürlich, dass ich Dinge hinterfrage. Ach Moment, ich kann dich ja rausschmeißen.

Sie tut das untermalt von einem Düdüdüdelüdüdüdü-Gesang.

Und jetzt darf ich echt Promo machen?!
Ja.
Dann mach ich Promo für die nächste „PussyTerror TV“-Sendung am 21. November - WDR, 21.45 Uhr.

Sie sagt das nicht einfach. Es steigert sich von niedlichem Nuscheln bis zum prolligen Fußball-Novämmbaaa! Und weil das ein ungewöhnlich schnelles Spiel ist, schlage ich im Nachhall gleich noch eine Figur.

Nervt es nicht, dauernd vor den Feminismus-Karren gespannt zu werden?
Überhaupt nicht! Zumal ich ja auch nicht von irgendwelchen Verbänden angefragt werde. Denen bin ich wohl tendenziell zu vulgär.

Aber hast du nicht das Gefühl, immer noch zuerst als Frau und dann als Komikerin wahrgenommen zu werden?
Ja, vielleicht. Aber das nervt mich auch nicht wirklich.

Die zwei anderen Themen, die in quasi allen Texten zu dir auftauchen, sind der kirchenkritische Song „Dunk den Herrn“ und eine Helene-Fischer-Parodie. Wer reagiert am heftigsten: Fischer-Ultras, Maskulisten oder Katholiken?

Heftiges Jauchzen: Sie hat eine Figur geschlagen. Dann muss sie aus dem Nebenzimmer einen Zettel holen, auf dem zu Bewerbendes steht. Profi!

Die Tour-Termine für 2015 sind alle ausverkauft. Aber es gibt noch Karten für die Auftritte im kommenden Jahr. Die Termine stehen auf meiner Homepage! Und zu deiner Frage: Ich fand es ziemlich faszinierend, wie ich beschimpft wurde, nachdem ich bei der „Anstalt“ im ZDF ein Programm über Feminismus gespielt habe. Ellenlange Briefe, was ich für eine ungebumste Nutte sei. Wahnsinn! Und interessanterweise kippt der Ton sowohl bei den Fischer-Fans als auch bei hatenden Katholiken irgendwann tendenziell ins Rechtsradikale.

Spannung: Wir haben beide die letzte Figur vors Haus gezogen.

Gibt es Themen, die du nicht anrühren würdest?
Themen, von denen ich keine Ahnung habe. Sonst nichts. Wenn ich zu etwas eine Haltung habe und einen guten Dreh finde, rede ich auch drüber.

Und damit hat sie das entscheidende Würfelglück und gewinnt - unter großem Jubel. Eh klar.