Die Neuen am Tresen

Nicht immer Helles und Spezi: Seit einiger Zeit stehen auffällige Flaschen in den Bar-Kühlschränken der Stadt. Eine Verkostung
kathrin-hollmer
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Illustration: Julia Schubert



Pa-Li

Das sagen die Erfinder: Die Pa-Li (für Pachmayr-Limonade) war ab den 50ern bis in die 70er Jahre eine der bekanntesten Limonaden in Oberbayern. Der Münchner Familienbetrieb verkauft jetzt nur noch in München und füllt immer noch nach dem alten Originalrezept ab – seit Kurzem wieder in Retro-Optik und in den alten Flaschen aus den 70ern. Peter Pachmayr: „Nach jahrelangem Gebrauch haben die Flaschen natürlich Kratzspuren, die abgenutzte Patina macht aber auch den Charme der alten Flaschen aus.“
Das sagt der Trinker: „Bionade ist doch voll Mainstream.“ Der typische Pa-Li-Trinker war bis vor Kurzem vielleicht noch selbst Bionade-Fan. Seit die aber jeder trinkt, ist sie ihm nicht mehr hip genug.
So schmeckt’s: Weniger süß als die Orangenlimos, die man kennt oder an die man sich von früher erinnert. Die Pa-Li ist nicht so knallig orange wie Fanta, hat weniger Kohlensäure und schmeckt nicht so künstlich wie die meisten Limonaden.
Das will die Flasche sagen: Jetzt wird’s patriotisch. „In München erfunden, in München abgefüllt“ steht auf der 0,2-Liter-Flasche direkt neben dem „Otto Pachmayr 1867“-Logo. Der „Pa-Li-Kopf“ ist von einer Werbeanzeige für Orangensirup aus den frühen 50er Jahren inspiriert.
Man könnte auch sagen: Die Pa-Li ist der bayerische Club Mate. Was der Matetee in Berlin ist, könnte die Pa-Li in München werden. Im manchen Bars, zum Beispiel im Padres in der Blumenstraße oder der Bar Cabane in der Theresienstraße wird die Limo auch schon mit Wodka oder Gin gemixt.
Warum es das braucht: Weil die Pa-Li die echte Heimatlimonade ist und das nostalgische Fläschchen Kindheitserinnerungen weckt – dabei ist es eigentlich egal, an welche Limo.
So schmeckt's warm: Wie Kinderpunsch mit Orangengeschmack und Sprudel. Durchaus interessant.
Auf keinen Fall tun: mit Cola verunreinigen.
Hier zu kaufen: In Cafés und Bars wie dem Atomic Café, Café Glockenspiel, Café Kosmos, Ksar, München 72, Padres und Edmoses für etwa 2,50 Euro. Im Pachmayr-Laden in der Theresienstraße, bei Getränke Lorenz oder bei Feinkost Käfer für etwa 50 Cent pro 0,2-Liter-Flasche.


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Illustration: Julia Schubert



Aqua Monaco

Das sagen die Erfinder: „In München wird tolles Bier gebraut, da muss es auch tolles Wasser geben“, sagt Florian Breimesser. Er hat sich gewundert, dass es keine spezielle Münchner Mineralwassermarke gibt. Mit vier Freunden aus München wollte er das ändern. Seit Herbst 2011 füllen sie natürliches Mineralwasser aus der Münchner Schotterebene direkt am Quellort ab und verkaufen es in 0,33-Liter-Flaschen in Bars und Cafés.
Das sagt der Trinker: „Im Abgang schmeckt man noch die feine Gletschernote.“ Wer Aqua Monaco trinkt, muss aber kein Getränkesnob sein. Beliebt ist es auch bei Autofahrern, die an der Bar auch eine hübsche Flasche in der Hand halten und mit Strohhalm austrinken wollen.
So schmeckt’s: Die rote Variante mit weniger Kohlensäure schmeckt, als hätte man ein Glas Mineralwasser drei Tage stehen lassen und dann wieder davon getrunken. Keine gute Idee. Die blaue Sorte trinkt sich schon besser, wie ein gutes, wenig saures Mineralwasser. Florians Erklärung: „Das liegt daran, dass es vor 10 000 Jahren reinstes Gletscherwasser war und in der Schotterebene durch eine 150 Meter dicke Geröllschicht vor Verunreinigungen geschützt ist. Daher weist es einen ungewöhnlich niedrigen Nitratwert auf und ist im Gegensatz zu vielen Mineralwässern mit einem pH-Wert von mehr als 7 nicht sauer.“
Das will die Flasche sagen: Sie erzählt die Geschichte des Wassers – man muss am Tisch ja Gesprächsstoff haben. Also: Am Ende der letzten Eiszeit sickerte das Schmelzwasser durch das karbonatreiche Gestein der Münchner Schotterebene, wo es heute aus 150 Metern Tiefe gewonnen wird. Weil das noch nicht genug Münchner Lebensgefühl vermittelt, sorgen unter anderem Dirndl-Ausschnitte, eine Ziehharmonika und die Münchner Skyline für Lokalkolorit. Die Etiketten mit Fotos und Grafiken wechseln alle zwei bis vier Monate. Dieser Umstand liefert noch mehr Gesprächsstoff für Glockenbacher Grafikdesigner und soll den Flaschen Sammelcharakter verleihen.
Man könnte auch sagen: Das Designwasser für Geizige. Im Feinkostladen kostet eine 0,33-Liter-Flasche Aqua Monaco 1,50 Euro. Zum Vergleich: Das goldgefilterte „Gize“ aus Kanada kostet 15 Euro pro 0,75-Liter-Flasche, das Gletscherwasser „Voss“ aus Norwegen 4 Euro pro 0,8-Liter-Flasche.
Warum es das braucht: Weil nicht nur ein Wein Geschichte braucht, sondern auch Wasser. In diesem Fall kann man neben dem historischen Hintergrund mit dieser Anekdote angeben: Aus dem Wasser aus der Münchner Schotterebene werden die Münchner Biere gebraut.
So schmeckt’s warm: Immer noch nach Wasser.
Auf keinen Fall tun: Eine Aspirin darin auflösen. Funktioniert natürlich wunderbar, bringt aber nur hochgezogene Augenbrauen ein.
Hier zu kaufen: Zum Beispiel im Hey Luigi, der 089 Bar, im Nage und Sauge und in der Rubybar. In der Gastronomie kostet eine 0,33-Liter-Flasche etwa 2,80 Euro, bei Feinkost Käfer 1,50 Euro.



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Illustration: Julia Schubert



Crew Ale

Das sagen die Erfinder: Mario Hanel und Timm Schnigula sind nach ihrem BWL-Studium durch die USA und Australien gereist und haben obergärige Biere kennengelernt. In Deutschland sind solche Sorten noch nicht angekommen, darum haben die beiden begonnen, in ihrer WG-Küche zu experimentieren. „Die Tendenz bei deutschen Bieren geht hin zu leichten Sorten, das führt dazu, dass wir nur noch geschmackliches Einheitsbier trinken“, sagt Timm. Das Brauen haben sie sich vor allem mit Hilfe des Internets und Büchern beigebracht. Nach einem halben Jahr war das Rezept fertig. Von einem befreundeten Braumeister haben sie 15 000 Flaschen brauen lassen, die sie seit Dezember verkaufen. Für das Crew Ale werden nur natürliche Rohstoffe verwendet.
Das sagt der Trinker: „Becks ist doch kein Bier!“ Crew-Ale-Trinker mögen beim Bier zwar Abwechslung, trotzdem trinken sie nicht alles und setzen vorsichtshalber auf Münchner Herkunft.
So schmeckt’s: Wie eine Mischung aus Weiß- und Starkbier, fruchtig und herb zugleich. Das kommt von den fünf verschiedenen Hopfensorten, verrät Mario: „Wir haben Hopfen aus Neuseeland, den USA und Deutschland verarbeitet – und das Crew Ale enthält drei Mal so viel Hopfen wie das hopfenhaltigste deutsche Bier.“
Man könnte auch sagen: Die Fritz Kola für Biertrinker oder die lässige Münchner Alternative zum Corona. Timm hat den Eindruck, „dass Frauen das Crew Ale besonders gern mögen. Das muss an der Mischung aus fruchtig und herb liegen, die ja auch das Erfolgsgeheimnis des Aperol Sprizz ist“, sagt Timm.
Warum es das braucht: fürs Fernweh. Pale Ale lernen viele in England, Australien oder den USA kennen, in Deutschland gibt es bisher keines, das in großem Stil für die Gastronomie gebraut wird.
Das will die Flasche sagen: Das naturtrübe Crew Ale wird in braunen, modernen Flaschen verkauft. Mit Schnickschnack ist aber spätestens hier Schluss: Das Etikett vermittelt Handarbeit, die Rede ist von der „Ale-Werkstatt“ und „handwerklichem“ Brauen.
So schmeckt’s warm: Ein aufgewärmtes dunkles Bier soll ja bei Erkältung helfen. Das Crew Ale schmeckt warm tatsächlich wie Erkältungstee mit Hustensaft. Lieber frisch aus dem Kühlschrank trinken.
Auf keinen Fall tun: Wie ein Radler gegen den Durst trinken. Dass das Crew Ale stolze 5,6 Prozent Alkoholgehalt hat, schmeckt man nicht.
Hier zu kaufen: bisher in zehn Kneipen, vor allem im Glockenbachviertel. Zum Beispiel im Café Pini, in der Aroma Kaffeebar, im Ruffini und in einzelnen Getränkemärkten. In der Gastronomie kostet eine Flasche etwa 3,30 Euro, eine Kiste mit 24 Flaschen aus dem Getränkemarkt 24,90 Euro.

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