Die Reifenflicker und der Pickl-Willi

Die Handschuhe sind wieder im Schrank und der letzte Schnee ist hoffentlich gefallen - höchste Zeit für den Radl-Frühjahrscheck! Doch wo bekommst du kostenlose Hilfe beim Reparieren und hübsche Helme? Münchens Fahrradläden von A bis Z.
kathrin-hollmer

Accessoires
Bei Stilrad (Pacellistr. 5) sollen Fahrräder und Fahrradfahrer vor allem gut aussehen. Neben den Rädern kann man dort deshalb hübsche Radl-Accessoires kaufen: Taschen, Körbe, Helme – sogar die passende Kleidung findet man in dem galerieartigen Laden. Für Taschen, besonders die aus Leder, lohnt sich auch ein Besuch bei Geheimrad (Schwanthalerstr. 147). Die wohl größte Auswahl an Helmen hat Zweirad Pickl (Frundsbergstr. 38) mit mehr als 500 Modellen.

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Illustration: Julia Schubert

Bei Geheimrad in der Schwanthalerstr. 147

Bikekitchen
Im Green City Loft (Goethestr. 34) und im Club 8below (Schützenstr. 8) zeigen die freiwilligen Fahrradschrauber der Bikekitchen München regelmäßig, wie man sein Fahrrad selbst repariert. Im Anschluss wird gefeiert. Kirstin Peter und Paulina Klaput brachten die Idee zur Selbsthilfe-Werkstatt aus Portland und Kanada mit. Ihre Nachhilfestunden sind kostenlos, Spenden aber sehr wilkommen.

Check-in
„In der Früh bringen, abends abholen“ – so lautet das Versprechen bei Joe's Garage (Elisabethplatz 2). „Bei uns gibt es keine Wartezeiten oder Anmeldung“, sagt Lars Albers. „Allerdings muss man die Räder wirklich pünktlich um 9 Uhr bringen. Tagsüber müssen wir schon mal die Leute heimschicken, weil uns der Platz ausgeht.“

Dienstältester
Zweirad Pickl ist der älteste Fahrradladen in München. Schon seit mehr als 100 Jahren werden dort Fahrräder repariert und verkauft.

E-Rad
In der Schweiz schon recht beliebt. Hierzulande müssen Händler noch Überzeugungsarbeit leisten. „Man kommt nicht verschwitzt in die Arbeit und hat es abends leichter, wenn man müde ist“, wirbt Gerhard Senger-Wimmer, Inhaber von Velo (Weißenburgerstr. 44), für das E-Rad.

Flohmarkt
Beim ersten Münchner Radlflohmarkt in der Tonhalle vor zwei Wochen hieß es ganz fix: Alles ausverkauft. Auf dem Flohmarkt im Olympiapark gibt es aber auch Stände, an denen man schöne, günstige Gebrauchträder ergattern kann.



Gutes tun
Dynamo (Haager Str. 11) ist nicht nur ein Fahrradladen mit Werkstatt. Der Verein Dynamo kümmert sich um die berufliche und soziale Integration von Langzeitarbeitslosen und lässt sie Räder reparieren und aus Alträdern Gebrauchträder recyceln. Im Laden werden diese dann verkauft. Auch für die Werkstatt R18 (Wallensteinplatz 2) arbeiten Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt bisher keine Chance hatten.

Hausbesuch
Für Faule und Gestresste: Manche Läden holen die Räder ab oder reparieren sie vor Ort, unter anderem doctor bike mit einer mobilen Fahrradwerkstatt im Hochdachbus und Laux in Milbertshofen.

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Illustration: Julia Schubert

Alles so schön bunt hier: Bei Urbike in der Amaliepassage kann man zwischen Trillionen möglicher Farbkombinationen fürs eigene Rad wählen.

„lch kann mich nicht entscheiden“
Diesen Satz hört Mike Glaser, Geschäftsführer von Urbike (Amalienpassage), mehrmals am Tag. Im Laden und online stellen sich die Kunden Rahmen, Gabel, Lenker und Vorbau aus mehr als 200 Farben zusammen. Sogar die Farben von Bremsbacken, Felgen und Ketten kann man wählen. Auch im Sortiment: bunte Schutzbleche, Sättel, Griffe, Reifen, Lichter und Wandaufhänger.

Jedermann
„Bremsbeläge wechseln, Platten flicken, Sattel und Lenker verstellen kann jeder problemlos selbst. Wenn man Kurbel oder Ritzelpaket wechseln oder die Schaltung einstellen muss, sollte man sich erst einmal helfen lassen. Profis sollte man fragen, wenn man bei der Federgabel das Öl wechseln muss, bei Elektro-Problemen am E-Bike oder wenn man schweißen muss“, sagt Kirstin Peter von Bikekitchen München.

Kucken
Bei Stilrad kann man nicht direkt kaufen, sondern nur bestellen. „Unsere Modelle werden nach Kundenwunsch gefertigt, nur so können wir sicher gehen, dass der Kunde auch das Fahrrad bekommt, das zu hundert Prozent zu ihm passt“, sagt Geschäftsführer Michael Vogt. Die Modelle kosten in der Regel zwischen 600 und 1300 Euro. Es gibt auch ein vergoldetes Exemplar für 8500 Euro zu kaufen. Beziehungsweise zu kucken.

Licht
Die schönste Auswahl hat Geheimrad. Wetterfest, mit Akku oder USB-Ladegerät – und selbstverständlich in allen Farben des Regenbogens.



Masse
Große Ketten haben natürlich nicht den Charme von kleinen Werkstätten, bei denen die Mitarbeiter ihre Kunden beim Vornamen kennen, dafür findet man sie an jeder Ecke. Die größten Fahrradladenketten in München sind Rabe Bike mit vier sowie doctor bike, Radlbauer und Zimmermann mit jeweils drei Filialen in der Stadt.

Notfallset
Eine Miniausrüstung zum Reparieren für unterwegs kann man sich in jedem Fahrradgeschäft zusammenstellen. Michael Strunck vom Fahrradkurierdienst TransPedal empfiehlt: „Viele Kuriere führen ein Miniset mit Fahrradersatzschlauch, Luftpumpe und Werkzeug mit.“

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Illustration: Julia Schubert

Nicht für Notfälle, eher für Radl-Liebhaber. 

Oldtimer
Richtig retro geht es bei Druxs (Tegernseer Landstr. 22) zu. Seit 2011 werden dort Vintage-Rennräder mit Rahmenschaltung bis Ende der achtziger Jahre restauriert und individuelle Rennräder angefertigt.

Putzen
Seit März müssen die Münchner ihre Radl nicht mehr selbst waschen. Die Pedalhelden – übrigens auch verantwortlich für die Bierbikes – haben in der Nähe vom Viktualienmarkt eine Fahrrad-Wasch-Anlage eröffnet. Bei 8,70 Euro pro Radlwäsche lohnt es sich aber eigentlich, selbst Lappen und Eimer in die Hand zu nehmen.

Quietschen
Nach dem Winter oder allen längeren Pausen sollte man die wichtigsten Funktionen am Rad überprüfen. Gerhard Senger-Wimmer, Inhaber von Velo am Ostbahnhof: „Dazu gehört, die Luft zu überprüfen, zu schauen, ob die Kette rostig ist und die Bremsen und das Licht noch funktionieren. Wenn etwas davon kaputt ist, kommt man am besten in den Laden. Das sollte man sowieso ein Mal im Jahr - wie beim Zahnarzt.“

Radl-Joe
„Fahrradpflege und Außergewöhnliches“ steht auf dem Schaufenster. Joe's Garage – stadtbekannt als „Radl-Joe“ – darf als urigstes Fahrradgeschäft Münchens bezeichnet werden. Der Laden in Schwabing sieht aus wie das Gebraucht-räderparadies schlechthin. Beim Radl-Joe kann man aber keine Räder kaufen, sondern es wird ausschließlich repariert.

Schön zu wissen
Der Name „Joe’s Garage“ stammt von der gleichnamigen Rockoper von Frank Zappa.



Teststrecke
In der Stadt Probe zu fahren macht eigentlich mehr Spaß – außer bei schlechtem Wetter. Dann kann man auf die Indoor-Teststrecke beim Radlbauer ausweichen (zum Beispiel in der Pasinger Filiale, Stockacherstr. 5) und testen, wie sich die Räder auf verschiedenen Bodenbelägen und mit unterschiedlichen Steigungen fahren lassen.

Uhrzeit
Wann man am besten in den Laden kommt, ist abhängig von Wetter und Saison, aber auch von der Tageszeit. Ralf Helm, Werkstattleiter von Dynamo München, empfiehlt: „Vormittags ist es ruhiger. Und natürlich, wenn es regnet. Auch wenn es in München viele ganzjährige Radler gibt, sind die Wartezeiten von Frühjahr bis Herbst länger.“

Verschleiß
Wenn man viel mit dem Radl unterwegs ist, muss man manches Teil häufiger ersetzen. „Die häufigsten Verschleißteile bei unseren Fahrradkurieren sind Mantel, Schläuche und Bremsbacken“, sagt Michael Strunck von TransPedal.

Willi
Der Foxl der Familie Pickl vom gleichnamigen Fahrradladen ist im ganzen Viertel bekannt. Der Hund geht allein spazieren, bis ihn die Bewohner nach Hause schicken. Dann geht Willi auf Kommando heim.

X-mal
...müssen Reifen geflickt werden. „Die meisten Kunden kommen mit einem Platten zu uns in den Laden“, sagt Gerhard Senger-Wimmer von Velo.

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Illustration: Julia Schubert

Frauen achten beim Fahrradkauf vor allem auf die Optik, Männern ist auch die Technik wichtig, hat Eduard Krömer festgestellt. 
 
Y-Chromosom
Wie beim Autokauf gilt auch im Fahrradladen: Am Klischee ist was dran. „Frauen achten mehr darauf, ob die Farben zu ihrem Typ passen und ob sie gerade in Mode sind. Männer auch, aber neben der Optik schauen sie mehr auf die Technik“, berichtet Eduard Krömer, Inhaber von Geheimrad.

Ziehen
An manchen Automaten zieht man keine Zigaretten oder Kaugummis, sondern Fahrradschläuche. Im kleinsten Fahrradladen Münchens, einem Fahrraschlauchautomaten von Schwalbe (Trappentreustr. 10), bekommt man verschiedene Varianten für 7,50 Euro. Seit 2005 stehen die umgebauten Zigarettenautomaten in ganz Deutschland. Den Weg zum nächsten Automaten weist eine App.

Text: kathrin-hollmer - Fotos: Juri Gottschall

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