Ein bisschen Glitzer, Glitzer

Zur Fashion Week schauen alle nach Berlin. Was aber passiert modisch eigentlich Spannendes in München? Zeit für einen Überblick von A bis Z
juliane-frisse


Ayzit Bostan
Die Münchnerin mit Wurzeln in Anatolien entwirft puristische, aber raffiniert geschnittene Mode. Ihr „I Love“-Sweatshirt ist inzwischen schon so etwas wie ein modischer Klassiker.

Bloggen
Tätigkeit, zu der sich viele modisch interessierte Menschen hinreißen lassen. Man kann gar nicht so schnell weiterklicken, wie sich die Szene wandelt. Zu Münchens derzeit interessantesten Modeblogs zählen „Sofranni Finesse“, „Wind Cries Amy“ und „Mode Kunst Leben“.

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Illustration: Julia Schubert



Ça va?
Das Franzosenviertel wird gewöhnlich in Haidhausen verortet. Modisch betrachtet dehnt es sich aber von der nördlichen Maxvorstadt nach Schwabing aus: Dort gibt es irritierend viele Boutiquen mit französischem Namen, etwa Nia (Türkenstr. 35) samt Ableger Nia Chaussures (Barer Str. 55), Lili et Milou (Kurfürstenplatz 8), La Bretagne (Kaiserstr. 37) oder Chouchou Voyeur (Türkenstr. 52).

Daisy
Modeschöpfer Rudolf Moshammer wurde selten ohne seinen Yorkshire-Terrier-gesichtet. Insgesamt gab es vier Hundedamen namens „Daisy“ an Mosis Seite.

Experimentierfreude, nicht vorhandene
Wenn man so etwas wie den Stil der Stadt definieren will, dann ist München stets adrett, frisch gewaschen und dabei sehr modisch, allerdings ohne Trendextreme. Auf Münchens Straßen sieht man daher wenig Modemut, dafür glücklicherweise auch wenig Katastrophen.

Frischfleisch
Sie mögen München, sie lieben Fleisch, folgerichtig haben Moritz Fischer und Hannes Volland ihr Label „Eat Meat Minga“ genannt. Gegenüber Menschen, die Fleisch nicht gleichermaßen schätzen, sind sie aber tolerant: Das Model, das die „Eat Meat Minga“-Shirts im Lookbook präsentiert, ist angeblich Vegetarierin.


Gärtnerplatz
Jungdesigner-Spotting olé: Rund um den Gärtnerplatz befindet sich das Revier von Patrick Mohr. Herrn Mohr erkennt man an seiner hageren Gestalt, die meist in exzentrische Kleidung gehüllt ist. Und an einem sehr auffälligen Schnäuzer.

H&M
Modisches Gesetz: Die Haupteinkaufsstraße einer Stadt ist da, wo H&M ist. Um die Achse vom Stachus zum Marienplatz eindeutig als solche zu kennzeichnen, hätte es allerdings nicht vier Filialen auf wenigen 100 Metern gebraucht.

I really don’t know
Diffuses Gefühl aller, die eigentlich erwachsen werden sollten. Der Satz wird deshalb gerne auf den Jutebeuteln der Münchner Designerin Miriam Schaaf spazieren getragen.

Julia Stegner
Münchens einzig wahres Topmodel. Stegner wurde als 14-Jährige auf dem Oktoberfest entdeckt. Verschont uns bislang freundlicherweise mit Nachfolgerinnensuche im TV, Kinderbüchern und CDs.

Kostümbibliothek
Hermine von Parish hat ihr Leben lang alles über Kostümgeschichte gesammelt. Im Wohnhaus der 1998 Verstorbenen (Kemnatenstr. 50) kann man in der Sammlung stöbern.

Luxusmeile
Egal ob Chanel oder Dior, für dekadent teure Mode ist man in der Maximilianstraße auf jeden Fall richtig. Wer sich das nicht leisten kann, setzt einfach sein intellektuellstmögliches Gesicht auf und studiert den Spielplan der Kammerspiele.


Messen
In Berlin wird geguckt, in München wird gekauft: Dank der neuen Sneakermesse „Breeze“ ist inzwischen auch was für junge Menschen dabei.

Nähen und stricken
Münchens modische Selbermacher treffen sich auf der Knit Nite. Mit der „Cut“ haben sie sogar ihre eigene Münchner Zeitschrift.

Olympia
Das Dirndl ist gar nicht traditionell münchnerisch. Das Marketing für die Sommerspiele 1972 steht im Verdacht, diese Verbindung geschaffen zu haben. Damals entwarfen Otl Aicher und André Courrèges für die Olympia-Hostessen eine Uniform aus himmelblauem Dirndl, weißer Bluse und weißer Schürze.

Profi
Die Modeszene von Morgen lernt an der Meisterschule für Mode, an der AMD und an der Esmod.

Quotenberliner
Manchmal hängt Patrick Mohr auch nicht am Gärtnerplatz ab. Im Augenblick ist er Münchens würdige Vertretung auf der Fashion Week in Berlin.

Radlstyle
Seit Fahrräder zum modischen Accessoire erhoben wurden, darf man sich Gedanken darüber machen, ob Socken- und Rahmenfarbe miteinander harmonieren. Inspiration kann man sich am Freitag Abend bei der „Radl&Fashion Show“ in der Reithalle (Heßstraße 132) holen.


Second Hand
Schnösel sagen Vintage. Wer wühlen mag, geht zum Kleidermarkt (Tal 30). Klein und fein ist die Auswahl bei Vertigo Vintage (Corneliusstr. 19).

Tüll
Dazu noch Taft und ein bisschen Glitzer Glitzer. So ungefähr muss man sich die Dirndl von Lola Paltinger vorstellen. Die Münchner Schickeria zeigt sich bevorzugt in Paltinger-Tracht auf der Wiesn.

Unterführung
Das Maximiliansforum in der Passage unter der Kreuzung Maximilianstraße/Karl-Scharnagel-Ring wird modisch immer wieder mit Spannendem bespielt. Vor Kurzem erst hat Miriam Schaaf hier ihre neue Kollektion präsentiert.

Vogue
Die Deutungshoheit über Trends liegt auf jeden Fall auch in München. Die Redaktionen der deutschen Vogue, Elle, InStyle und diverser anderer Modezeitschriften befinden sich hier in der Stadt.

Who, Christoph
Heißt eigentlich Christoph Schaller und ist mit gerade mal 21 Jahren schon ein ziemlich erfolgreicher Modefotograf.

X 7
Am 25. und am 27. Juli präsentieren die Entwurfsklassen der Meisterschule für Mode bei der x7-Schau ihre Kollektionen in den Postgaragen (Deroystr. 3-5).

Yo Ragazzi
Die Flottenheimer-Jungs sind mit ihrem Laden an den Gärtnerplatz umgezogen. Dort verkaufen sie nicht mehr nur schicke Streetwear, sondern auch Frozen Yoghurt in der integrierten Yo Ragazzi-Bar.

Zeitschriftennachschub
Nicht an jedem Kiosk kann man sich mit „i-D“, „Numéro“oder „Harper’s Bazaar“ eindecken. Eine große Auswahl an internationalen Modemagazinen gibt es außer in den Pressegeschäften am Haupt- und am Ostbahnhof auch bei Soda Books (Rumfordstr. 3)


Text: juliane-frisse - Illustration: Katharina Bitzl

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