Es krächzte der Klabauter

Am 21. Februar 1962 sendete der Bayerische Rundfunk das erste Pumuckl-Hörspiel. Zum Geburtstag huldigen nun selbst erwachsene Menschen dem rothaarigen Kobold. Unsere Autorin findet, dass vieles an ihm nervt.
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Illustration: Julia Schubert


Der Pumuckl
Pumuckl ist egoistisch, ungeduldig und hysterisch. Er wiederholt sich ständig und buhlt penetrant um Meister Eders Aufmerksamkeit. Sympathisch ist das alles nicht. Wenn man ehrlich ist, erinnert Pumuckl eher an die anstrengenden Kinder, die uns den Babysitter-Job zur Hölle gemacht haben. Wobei denen in der Regel der Dünkel fehlte, mit dem der Klabauter auf Heinzelmännchen und Katzen herabblickt.
 
Die Stimme
Das Charakteristische ist zugleich das Anstrengendste am Pumuckl. Denn Hans Clarins kreischiges Krächzen finden die einen lustig, anderen dagegen beschert es Instant-Migräne. Und warum, bitte, muss Pumuckl dauernd „singen“?
 
Das Bayern-Bild
Vom Bergsteigen in Lederhosen über Leberkäse bis hin zum zitherlastigen Soundtrack – in der Fernsehserie geht es demonstrativ zünftig zu. Dabei wird übertrieben bis zum Overkill. Manche Nebenrollen scheinen sich pfeilgrad aus dem Komödienstadel in Meister Eders Werkstatt verirrt zu haben. Mehr Spaß macht Bayern dagegen in den ersten Hörspielfolgen: Hier wurde noch unverstellt geflucht.
 
Die Bewegung
Pumuckl zu animieren war keine gute Idee. Kam der „Ur-Kobold“, den Barbara von Johnson für Bücher und Plattencover entwarf, noch ziemlich wild daher, verlor die Figur in Filmen und Fernsehserie viel von ihrem Charme. Sie wurde immer eindimensionaler und glatter. Der Merchandise-Pumuckl von heute hat endgültig keine Ecken und Kanten mehr.
 
Der Humor
Pumuckl ist eher zum Kichern als zum Lachen. Er sagt „tätete“, wenn er „täte“ meint, und „Klopatra“ statt „Kleopatra“. „Katzen und Ratzen, die muss man tratzen“, reimt er. Dann zwickt er noch jemanden und macht sich unsichtbar. Klamaukiger Humor, aus dem man herauswächst. Zumindest sollte man das.
 
Die Pädagogik
Meister Eder nervt, weil er so anstrengend pädagogisch ist. Dauernd belehrt er den Pumuckl. Geduldig wie langatmig erklärt er ihm, was man anzieht, was man tut und was man lässt. Hinterfragt wird das nie. Hauptsache, Pumuckl hört auf mit dem Schmarrn und ist brav.
 
Die Wiederholung
Mit einem Kobold als Protagonisten sollte es unendliches Potenzial für gute Handlung geben. Tatsächlich passiert: immer das Gleiche. Pumuckl fordert Aufmerksamkeit, Meister Eder erzieht dagegen. Pumuckl schmollt, Eder ist verstimmt. Am Ende haben sie sich lieb. In der Zwischenzeit schaut jemand vorbei, gelegentlich ändert sich die Kulisse. Erzählt wird alles sehr entschleunigt.
 
Der Rest
Auch wenn man den Klabauter mag, die Musicalversion hätte es sicher nicht gebraucht. Und das lahme „Pumuckl-Magazin“ ist leider genauso überflüssig wie die koboldinspirierte Kalbsleberwurst von Vinzenz Murr. Das maximale Nerv-Potenzial lassen jedoch zwei andere Auswüchse vermuten: Die CD „Pumuckl tanzt!“, die 1996 „16 Dance-Songs des kleinen frechen Kobolds“ auf den Markt brachte, und „Der Flöten-Pumuckl“. Dieses Notenheft kann immerhin ein bis drei Kinder mit Sopran-Blockflöten mobilisieren.
 
Das Konservative
Die Pumuckl-Welt ist sehr von gestern. Damit bedient sie wie viele Kindheitsserien die Sehnsucht nach einer heilen Welt, die wir ja gern in der Vergangenheit vermuten. Hier ist man noch konservativ verheiratet oder respektabler Handwerksmeister, man sammelt Briefmarken und geht in die Wirtschaft. Menschen mit Migrationshintergrund gibt es nicht. Alle sind aufgeräumt, aber es ist auch eng. Und eigentlich zu piefig für eine Traumwelt.
 
Die Menschen
Viele halten es für eine gute Idee, sich als Pumuckl zu verkleiden: Das Internet ist voll von Kostüm-Angeboten und leider auch Fotos, die beweisen, dass Männer, Frauen und Kinder darin ähnlich doof aussehen. Der Läufer Dietmar Mücke bestreitet in dieser Kostümierung trotzdem Marathons – immerhin für einen guten Zweck.

Text: therese-meitinger - Foto: dpa

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