Hinterzimmer der Nacht

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Im Zenith entlud sich die Spannung immer schon etwas vor dem eigentlichen Konzert. Zumindest bis vor ein paar Jahren. Damals war der Weg vom Backstage-Raum zur Bühne noch nicht abgehängt. Die Bands mussten eine lange Galerie abschreiten, die über den Köpfen der Besucher an der Wand der Halle entlangführte. Oft hatte das etwas vom Einlauf bei Boxkämpfen. Aufregend. Aber auch etwas falsch. Weil man die Bands zu früh sah. Weil dieser magische Moment der Entladung fehlte, wenn sie plötzlich auf der Bühne standen. Manchmal hatte das was von einem Fehlstart. Und nahm außerdem dem Backstage-Raum etwas von seinem Mysterium. Immerhin ist er ja sonst der letzte Raum vor der großen Show. Der Ort der Ruhe vor dem Sturm. Und des Exzesses danach. Die herrlichsten Gerüchte finden hier Platz – und die wunderbarsten Kapriolen:
 


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David Lee Roths unter drakonische finanzielle Strafen gestellte Regel etwa, dass in der Schale mit den Smarties keine braunen mehr liegen dürfen (er wollte sichergehen, dass die Veranstalter den Vertrag auch gelesen haben). Oder die Mengen an Blumen, die Elton John verlangt. P Diddy braucht angeblich 204 Handtücher, was angesichts der bestellten 20 Stück Seife angemessen erscheint. Uns hat interessiert, wie diese Räume abseits vom Hype aussehen. Also sind wir außerhalb der Geschäftszeiten hin. Ins Atomic Café zum Beispiel, wo die Größten an die Wand gekrakelt haben, als sie noch klein waren. Und im Vergleich dazu in die Olympiahalle, wo niemand krakelt, weil externe Veranstalter dort einen leeren Raum mieten – und einen leeren Raum zurückgeben müssen. In die überraschend kleine Kammer der Muffathalle auch. Und – natürlich – ins Backstage vom Backstage. Ein Blick in die Hinterzimmer der Nacht.

Text: jakob-biazza - Fotos: juri-gottschall

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