"Man könnte es versuchen"

Für vier Euro kann man in Berlin bis zu zwei Kilometer weit Taxi fahren noch. Denn der einzigartige Kurzstrecken-Tarif fällt wohl dem Berliner Großflughafen zum Opfer. Für den wird zusätzlich zum normalen Berliner Tarif ein neuer notwendig. Die alten Taxameter können aber nur zwei Tarife speichern. Die Kurzstrecke wird also womöglich heimatlos. Könnte München ihr nicht ein neues Zuhause bieten? Wir haben bei Frank Kuhle, dem Geschäftsführer der Taxizentrale München, nachgefragt.
dorothee-klee
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Illustration: Julia Schubert


jetzt.de: Herr Kuhle, wäre die Taxi-Kurzstrecke nichts für München, wo die Wege meist kürzer sind als im großen Berlin?
Frank Kuhle: Die Diskussion haben wir schon länger. Da gibt es genauso wie in Berlin Befürworter und Gegner. Der Tarif in Berlin gilt ja nur, wenn man ein vorbeifahrendes Taxi anhält und nicht, wenn man am Taxistand einsteigt oder es telefonisch bestellt. In Berlin haben sich viele Leute neben den Taxistand gestellt und ein vorbeifahrendes Taxi herangewunken, weil sie nur zwei Kilometer fahren wollten. Das hat zur Verärgerung der wartenden Kollegen geführt. Das Problem mit den alten Taxametern hätten wir in München allerdings nicht.
 
Das heißt, man könnte es mal versuchen?
Man könnte es versuchen. Aber das ist eine recht komplizierte Angelegenheit. Wir haben den Tarif erst vor einem Jahr erhöht und wollen die Bürger nicht laufend mit neuen Vorschlägen und Umstellungen verunsichern.
 
Aber über einen günstigeren Tarif würde sich doch jeder Kunde freuen!
Das wird sicher bei der nächsten Tariferhöhung wieder zur Debatte stehen.
 
Wie wäre es zumindest mit einem günstigen Kurzstrecken-Angebot für Schüler und Studenten?
Dann dürften wir aber nicht nur die eine Gruppe bevorzugen, sondern müssten auch weitergehen: Warum nicht auch Ermäßigung für die Senioren?
 
Es fahren doch sicherlich ohnehin mehr ältere Menschen Taxi. Könnten Sie sich eine solche Vergünstigung nicht vorstellen, um das Taxifahren für die junge Generation attraktiver zu machen?
Vorstellen kann ich mir viel. Die Frage ist nur: Wen bevorzuge ich? Ich könnte auch sagen, wir machen einen Sondertarif für Menschen mit Behinderung. Da sehe ich auch einen Sinn drin. Oder eben für Senioren oder Schüler. Dann wollen aber auch viele Firmen bevorzugt werden, weil sie ein großes Fahrtenvolumen haben. Außerdem steht im Tarif, dass wir Jedermann zu den gleichen Bedingungen befördern.
 
Also doch die Kurzstrecke für alle, so wie in Berlin?
Nur so wäre das meiner Meinung nach durchsetzbar.


Text: dorothee-klee - Foto: Robert Haas

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