Meine Straße (7): Baaderstraße

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Kin Ming, 35, Werber

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert


Für mich ist die Baaderstraße die beste Straße der ganzen Innenstadt. Ich mag, dass ich hier die gleiche Distanz zur U- wie zur S-Bahn habe, mit der ich zum Flughafen komme. Ich mag die Nähe zum Marienplatz und zur Isar und fühle mich trotzdem weit genug vom Gärtnerplatz weg, so dass mich die ganze Aufregung dort nicht weiter nervt. Anders als an vielen anderen Ecken in diesem Viertel finde ich außerdem, dass hier eine sehr angenehme, gemächliche Form der Aufwertung stattfindet. Die Leute gehen aus ihren Wohnungen oder Geschäften nicht raus, weil sie vertrieben werden, sie gehen aus Altersgründen. Inge zum Beispiel, die Betreiberin der Boazn Inges Karotte, die hat einfach gesagt: "Jetzt ist's gut." Nun ist eine Klavierschule drin. Solche Geschichten gibt es hier einige. Am liebsten sitze ich eigentlich Kalbsschnitzel essend auf der Terrasse der Königsquelle. Und da sitze ich dann und beobachte die Leute. Wer zum Beispiel garantiert immer vorbeikommt ist ein humpelnder schwarzer Mops.
 
Sehr Empfehlenswert ist auch der Inder hier, Ganga. Und ein weiteres gutes Schnitzel kriegt man bei der Burg Pappenheim. Die Baaderstraße ist etwas seltsam geschnitten, an der Fraunhoferstraße könnte sie eigentlich zu Ende sein, aber dann hat sie dahinten noch so einen stiefmütterlichen Wurmfortsatz, in den sich Fremde, die zu Besuch kommen, aus der U-Bahn heraus manchmal verirren, und in dem aber eigentlich fast nichts mehr ist außer einem Hotel. Sie hat daher keinen richtigen Anfang und irgendwie auch kein richtiges Ende, denn auch zur Isartorseite mündet sie so ungnädig in der Rumfordstraße. Konsequent ist immerhin, dass sie mit einem Hotel beginnt und mit einem Hotel aufhört.

Text: mercedes-lauenstein - Foto: Juri Gottschall

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