Meine Straße: Heßstraße

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Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen – die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute: Julia, 24, Kommunikationsdesignerin

Von der Heßstraße aus ist man vor allem schnell woanders: In der Schelling- und Barerstraße, bei den Pinakotheken, in den Universitäten, aber auch im Olympiapark oder auf dem Pathosgelände. Man verweilt in dieser Straße eigentlich nicht und sie hat nicht besonders viel zu bieten, aber was es gibt, ist dafür richtig gut. 

Direkt hinter unserem Studentenwohnheim ist der Maßmannpark, da ist immer unglaublich viel los und es sind die unterschiedlichsten Nationalitäten vertreten. Außerdem wird – glaube ich – jeder Sport gespielt, den es gibt, von Basketball über Tischtennis bis zu Slacklinen und schwedischem Schach. Und der Skatepark ist unter Skatern offenbar sehr beliebt, manchmal finden da nämlich Skate-Events statt. Oft stehen auch Kinder am Zaun zu unserem Wohnheimgarten und beobachten unsere freilaufenden Hühner. Einmal im Jahr, im Mai oder Juni, treffen sich lauter blonde Mädchen mit Blumenkränzen im Haar im Park und stellen einen kleinen Maibaum auf. Ich glaube, das sind tatsächlich Schwedinnen, die dann hier ihr Mittsommerfest feiern.

In dem israelischen Restaurant Eclipse will ich schon lange endlich den Vorspeisenteller essen gehen, der soll gut sein. An der Kreuzung zur Schleißheimer ist das Takumi, ein sehr gutes japanisches Restaurant, das vor allem auf Ramen-Suppen spezialisiert ist. Und direkt gegenüber ist das großartige Tätowierstudio Farbenpracht. Da arbeiten Miri und Andrik, die sind beide noch ziemlich jung. Andrik macht hauptsächlich alte Seemanns-Motive und Miri vor allem Sachen mit Witz. Ich habe viele Freunde, die sich bei den beiden nach und nach den ganzen Körper volltätowieren lassen. Ein Freund von mir hat sich dort gerade unter anderem ein Erdferkel in einer Walnussschale und Hahn und Schwein auf die Füße stechen lassen, ein alter Seemannsglücksbringer.

An der Ecke zur Augustenstraße gibt es den Fahrradladen Cycle-Klinik, die Jungs dort sind super nett und helfen immer schnell aus. Außerdem hat der Chaos Computer Club hier gleich um die Ecke seine Zentrale. Bei den wöchentlichen Wohnheim-Bar-Abenden sind sie gerngesehene Gäste.

Ganz hinten Richtung Pathos wird die Heßstraße zu einem Nicht-Ort. Noch bevor man das richtige Pathosgelände mit seinen Ateliers erreicht, kommt man über einen verwucherten Schleichweg an Brachflächen, leerstehenden Hallen und alten Mauerresten vorbei. Und einmal habe ich da auch provisorisch aufgebaute Zelte und brennende Mülltonnen gesehen. Ein ziemlich interessantes Gelände.

Text: mercedes-lauenstein - Foto: juri-gottschall

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