Meine Straße: Kapuzinerstraße

Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen. Die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute: Jörg, 30, PR-Berater
mercedes-lauenstein

Die Kapuzinerstraße liegt direkt an der Grenze zwischen Glockenbachviertel und Schlachthofviertel. Mir kommt es so vor, als habe sie durch dieses Mittendrinsein etwas sehr Unberührtes. Auch vom Krieg wurde die Ecke hier weitestgehend verschont und man sieht noch sehr viel alte Bausubstanz.
 
Obwohl ich kein Fleisch esse, muss ich unbedingt die Speis-Girls erwähnen, das sind die zwei Metzgerschwestern Rosi und Moni. Die winken mir aus ihrer Metzgerei immer so herzlich zu und nehmen außerdem oft meine Pakete an. Gerade ist ein Tätowierer in die Kapuzinerstraße gezogen und da hat Moni sich dann tätowieren lassen, zusammen mit „Madame Butterfly“ aus dem Kiosk nebenan. Die heißt so, weil sie gerne Schmetterlinge im Schaufenster hängen hat. Beim Tätowierer hat sie sich dann natürlich auch Schmetterlinge tätowieren lassen, den ganzen Arm runter.
 

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Illustration: Julia Schubert



Gleich gegenüber von Madame Butterfly ist in einem ehemaligen Toilettenpavillon am Baldeplatz ein sehr hübscher Blumenladen, der auch sonntags geöffnet hat. Er heißt „Sonja’s Blumen“ und wird geführt von einem Mann. Ich habe dort noch nie eine Frau gesehen und frage mich deshalb immer: Wer ist wohl diese Sonja?
 
Das Domori ist eine der ältesten Eisdielen Münchens. Das Eis wird dort bis heute selbst gemacht und ist so unglaublich gut, dass die Schlange an warmen Tagen bis vor meine Haustür reicht. Zu der Eisdiele gehört außerdem auch noch ein kleines Café mit eigener Konditorei. Da kann man schön sitzen, guten Kaffee trinken und tollen Kuchen nach Kilogramm und lauter selbstgezogene Bonbons und Lollis kaufen.
 
Gleich am Kapuzinerplatz gibt es einen guten Trödelladen, der, glaube ich, ganz viele Wohnungsauflösungen macht und daher immer die unterschiedlichsten Sachen im Angebot hat. Im Enrico Palazzo, eine nach dem Opernsänger im Film „Die nackte Kanone“ benannte Bar, kann man von Mittwoch bis Samstag ab 19 Uhr gut was trinken, vor allem die selbstausgedachten Cocktails des Wirts Heiko. Der ist überhaupt ein ziemlich interessanter Typ: Morgens geht er in den Wald, um Kräuter zu sammeln, abends gibt es dann zum Beispiel einen Latschenkiefercocktail. Und in seiner Freizeit schraubt er an alten Autos rum.
 
An der Ecke Kapuzinerstraße/Geyerstraße ist natürlich die Eckkneipe Geyerwally. Und meine Stammtisch-Spezln treffe ich regelmäßig in der Hühnerbraterei im Lindwurmstüberl. Unbedingt auch mal die Dachterrasse des ungewöhnlich aussehenden Nachkriegsbaus besuchen.
 
Zum Essen ist außerdem Mimmo e Co toll. Der Chef hat früher im Passeparola in Schwabing Pizza gebacken und nun seinen eigenen Laden eröffnet. Er geht immer von Tisch zu Tisch und grüßt alle herzlich. Eine italienische Familie, vielleicht seine eigene, das weiß ich leider nicht, hat auch einen eigenen Tisch dort und immer kommen und gehen dort die italienischen Freunde ein und aus. Einige Läden weiter hat gerade ein Falafel-Laden eröffnet: Make Falafel not war. Der sieht frisch und vielversprechend aus. Den werde ich bald ausprobieren.


Text: mercedes-lauenstein - Foto: juri-gottschall

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