Meine Straße: Kurfürstenstraße

Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute: Francesco, 27, Journalist.
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Ich bin schon lange mit dieser Straße verbandelt. Früher hat nämlich mein Bruder in meiner heutigen Wohnung gewohnt, da war ich oft zu Besuch. Als er auszog, rückte ich nach. Und obwohl ich zwischenzeitlich sogar einige Jahre in Berlin war, bin ich auch danach wieder in dieselbe Wohnung zurückgekehrt.

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Illustration: Julia Schubert


Francesco in der Kurfürstenstraße
 
Sehr oft findet man mich im Telos, einem von außen etwas verstaubt aussehenden Bistro, das an dem Endstück der Kurfürstenstraße liegt, das auf die Adalbertstraße trifft. Dort gibt es sehr klassische Speisen, nichts Besonderes, eine kleine Karte, aber sehr lecker. Meistens esse ich die Leber, aber eigentlich ist jedes Gericht super. Gleich daneben ist die Max-Emmanuel-Brauerei, da gibt es sehr gute Käsespätzle. Und der Biergarten ist echt schön.
 
Meine Getränke kaufe ich, vor allem nachts, im Kurfürstenstüberl, das einen eigenen Getränkemarkt hat. Bis spät abends kann man dort durch eine Hintertür in der Kneipe noch Getränke zu Ladenpreisen kaufen. An Sommerabenden holen sich dort alle durstigen jungen Menschen von der Kunstakademie ihr Bier.
 
An der Ecke zur Georgenstraße verläuft offiziell die Grenze zwischen Schwabing und der Maxvorstadt. Da mag ich das Sobicocoa, dort gibt es gute Pasta, viele Leute lieben es aber auch dafür, dass man dort auf Decken und Kissen direkt im Schaufenster rumfläzen kann.
 
Im Le Florida trinke ich manchmal ein Bier, aber auch nur, weil da ein Freund von mir arbeitet. Es gibt nämlich in der Kurfürstenstraße noch sehr viele andere, ältere Läden, in denen man gut etwas trinken kann. Sympathische kleine Stüberl oder Boazn wie das schon genannte Kurfürstenstüberl, die Rheinpfalz oder Valentins Vodkabar. Da stehen immer viele nette, angeheiterte, erwachsene Menschen auf der Straße rum und rauchen und unterhalten sich. Das Ristorantino ist außerdem ein großartiges sardisches Restaurant, in dem man wirklich alles sorglos bestellen kann und immer wohlgesättigt und glücklich wieder auf die Straße geht.
 
Es gibt in der Kurfürstenstraße außerdem eine große Dichte an Antiquitätenläden und Galerien, in die ich aber ehrlich gesagt nicht oft gehe. Ich hole höchstens direkt gegenüber bei der Galerie Stefan Vogdt mal meine Amazon-Pakete ab.
 
Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich übrigens den geheimen Verbindungshof zwischen der Kurfürstenstraße und der Nordendstraße entdeckt, ungefähr auf der Höhe des Kurfürstenstüberls. Eine große Verbesserung meiner Lebensqualität, denn jetzt komme ich viel schneller zur Tram. Manchmal biege ich allerdings zu früh ab und laufe in einen falschen Hof und dann lachen mich die Leute, die vor dem Stüberl stehen, aus.

Text: mercedes-lauenstein - Foto: juri-gottschall

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