Meine Straße: Volkartstraße

Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Heute erzählt Cara Mia, 18, Schülerin von schönen Ecken, guten Läden und schrulligen Typen.
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Die Volkartstraße ist etwas verwirrend. In der Mitte wird sie einfach vom Ring durchschnitten und man kommt nur noch zu Fuß weiter. Eine Hälfte der Straße endet an der Winthirstraße und die andere nahe des Leonrodplatzes. In der wohne ich. Als ich zum ersten Mal von der U-Bahn nach Hause gelaufen bin und plötzlich am Ring stand und die Straße nicht mehr weiterging, dachte ich kurz, es gibt mein Haus nicht mehr.

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Illustration: Julia Schubert


Cara Mia in der Volkartstraße.

Ich mag die Straße, weil sie etwas Alleenhaftes hat, mit all den Bäumen am Straßenrand. Die Autos fahren hier langsam und es herrscht eine vertraute und uneitle Atmosphäre. Ein bisschen wie in einem kleineren Ort. Gleich an der nächsten Straßenecke gibt es einen Typen, der eigentlich immer, wenn ich vorbeigehe, dasteht und eine dicke Zigarre raucht. Man riecht ihn schon von weitem. Und sein Schnurrbart ist schon ganz gelb vom Rauch. Ich frage mich, was er wohl sonst so macht.

Von meiner Wohnung aus bin ich schnell im Olympiapark und am Nymphenburger Kanal zum Joggen. Direkt gegenüber von meinem Haus ist in einem winzigen Wohnhaus eine kleine Sparkasse. Es gibt wenig Besseres, als eine Bank vor der Haustür zu haben. Früher gab es gleich nebenan noch eine Drogerie, einen Schlecker, das war perfekt. Aber jetzt ist da leider eine Psychotherapiepraxis drin. Mein Lieblingsbäcker ist der Neulinger, den gibt’s gleich zwei Mal. Die backen ihr Brot selbst und haben tolle Kuchen, zum Beispiel einen sehr guten Käsefladen. Meine Mutter liebt den Laden, weil alles bio ist, und wenn sie mal zu Besuch ist, kauft sie sofort für mich dort ein.

Am Anfang des Monats, wenn ich noch ein bisschen reicher bin, hole ich mir meine Pizza bei Il Trullo. Ich liebe dort auch das Risotto Mare. Sehr gut ist auch der Türke Pardi auf der anderen Seite des Rings. Da esse ich am liebsten die Vorspeisen. Außerdem gibt es da noch einen alteingesessenen, sehr guten Muffinladen, in dem lauter verrückte Bilder und Figuren rumhängen sollen. Aber den habe ich noch nie ausprobiert.

Die beste Kneipe in der Nähe ist der Malzraum, auch wenn der streng genommen nicht mehr in der Volkartstraße, sondern in der Artilleriestraße liegt. Da gibt es gute Tapas und außerdem eine wechselnde Tageskarte. Und wenn man Wein bestellt, kriegt man Wasser dazu, das finde ich immer ein gutes Zeichen. Oft gibt es auch Live-Musik. Und die Bedienungen sind sehr nett. Einmal hatten mein Freund und ich nach der Wiesn Lust auf Campari-O, den wir uns aber zu Hause mischen wollten, und dann hat uns eine Bedienung für nicht besonders viel Geld eine Flasche Campari zum Mitnehmen verkauft. Das war super.

Text: mercedes-lauenstein - Foto: juri-gottschall

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