Party, outgesourct

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Eigentlich ist der eigene Geburtstag ein freudiger Tag. Es ist ja nicht verkehrt, einmal im Jahr alle Freunde zu sich einzuladen und ordentlich zu feiern. Genau deshalb wird er aber meist auch der anstrengendste Tag im Jahr: Mehrere Ausflüge zum Supermarkt und am Ende hat man doch den O-Saft vergessen, erst kommt niemand, dann klingeln um halb eins die Nachbarn, weil ihnen die Musik zu laut ist, am nächsten Morgen gibt einem der Blick in die versiffte Küche den Rest. Wer darauf keine Lust mehr hat, kann den ganzen Stress auch auslagern. Wir stellen dir dafür die Bars und Kneipen der Stadt vor, in denen deine nächste Geburtstagsparty bestens aufgehoben ist.

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Illustration: Julia Schubert



Johannis Café
Johannisplatz 15, Haidhausen
Wo bin ich? Tagsüber verspeist Oma hier beim Kaffeekränzchen ihre Käsesahne, abends schaut der Enkel auf ein Bier vorbei – und wird zwischen Bergpanorama in Öl, Papstfoto und schweren rosa Gardinen erst einmal um 50 Jahre zurückgeworfen. Am Ende taugt’s ihm gerade wegen dieser Kitsch-Watschn.
Wie läuft’s ab? Für geschlossene Gesellschaften kann der Raum am Dienstag gemietet werden, ansonsten werden Tische reserviert. Wer deftige Hausmannskost mag, kann seine Freunde im Johannis Café mit Schnitzel, Leberkas oder Fleischpflanzerl bekochen lassen, sollte aber zuvor Bescheid geben, wie viele Gäste kommen. Musik gibt’s entweder aus der Musicbox oder von der mitgebrachten CD.
Kapazität: für 40 bis 50 Freunde.
Wer hier feiert, lacht gerne über Karl Valentin
und geht danach ins Ampere.



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Illustration: Julia Schubert



Café Kosmos
Dachauerstr. 7, Hauptbahnhof
Wo bin ich? Über das Café Kosmos sagen manche, es würde genauso gut nach Berlin passen. Dabei ist es einfach eine der nettesten Kneipen in München. Irgendwo zwischen Fünfzigerjahre-Wohnzimmer und besetztem Haus, wetzen im Kosmos am Wochenende unzählige Nachtschwärmer an der Bar entlang, um im ersten Stock eine freie Sitzecke einzunehmen. Vorbei an alten Süßwarenautomaten und Fernsehern, die aussehen, als hätte sie jemand vorm Sperrmüll gerettet und seitdem wahnsinnig liebgewonnen.
Wie läuft’s ab? Das Zimmer im ersten Stock kann man gratis mieten, nur die Getränke muss man bezahlen. Ansonsten ist man in der Gestaltung seiner Feier frei. Wer will, kann sogar die befreundete Indiekapelle aufspielen lassen.
Kapazität: Im ersten Stock ist Platz für 30 Freunde.
Wer hier feiert, trägt Jutebeutel und Seitenscheitel
und geht danach in die Rote Sonne.



Rationaltheater
Hesseloherstr. 18, Schwabing
Wo bin ich? Das Rationaltheater ist eines der ältesten Privattheater in München und seit über 40 Jahren Schaffensort für subversive Querdenker. Eine Zeit lang gaben sich hier all jene die Klinke in die Hand, die gerne ein wenig Sand ins Rädle der staatlichen Obrigkeit streuten: Rainer Werner Fassbinder inszenierte hier ebenso wie Herbert Achternbusch, und Ingrid Caven gab im Rationaltheater ihr erstes Konzert. Auch heute noch hält das Theater die Türen offen für junge Kreative, seien es Musiker, Filmemacher oder Poetry Slammer.
Wie läuft’s ab? Zwei Mal im Monat kann man das Rationaltheater für 550 Euro mieten. Die Getränke gibt’s an der Bar. Für das Essen kann man einen Catering-Service nutzen oder Selbstgekochtes mitbringen. Es ist ausdrücklich erwünscht, die Bühne zu nutzen, etwa zum Auflegen. Sogar für Schellack steht der passende Plattenspieler bereit.
Kapazität: für 70 bis 90 Freunde.
Wer hier feiert, hätte am liebsten Gerhard Polt als Ministerpräsidenten
und geht danach ins Vereinsheim.

Pimpernel
Müllerstr. 56, Glockenbachviertel
Wo bin ich? Ums Pimpernel ranken sich viele Anekdoten: dass es in den 30er Jahren ein Puff war, später dann Freddie Mercurys zweites Wohnzimmer und dass es früher überhaupt brutal wild zugegangen sei. Sicher ist, dass man hier immer noch Spaß hat. Ein Hauch der rotlichtigen Vergangenheit weht einem entgegen, wenn man an die Tür klopft, um eingelassen zu werden in den schummerigen Raum mit den Softpornos an der Wand.
Wie läuft’s ab? Im Pimpernel ist jeder willkommen, deshalb wird der Club generell nicht vermietet. Ist man jedoch früh genug vor Ort, kann man eine oder mehrere der Sitzecken besetzen, um abseits der Tanzfläche zu feiern. Und das von 22 bis 6 Uhr morgens, sieben Tage die Woche. Am besten funktioniert das natürlich werktags.
Kapazität: für bis zu 160 Freunde.
Wer hier feiert, nimmt's mit der Regelstudienzeit nicht so genau
und geht danach in die Uni.

Südstadt
Thalkirchnerstr. 29, Schlachthofviertel
Wo bin ich? In einem der sympathischsten Live-Clubs der Stadt. Für einen Musikfreak feiert es sich nirgendwo passender: Die Südstadt ist bis unter die Decke mit alten NME-Covern tapeziert.
Wie läuft’s ab? Man kann Tische reservieren oder den ganzen Laden mieten. In zweitem Fall gibt es einen Mindestumsatz. Wer mag, kann sein eigenes Bierfass zapfen lassen. Kuchen, Knabberkram und eigene Musik dürfen mitgebracht werden.
Kapazität: für 70 bis 120 Freunde – oder kleinere Tischgesellschaften.
Wer hier feiert, hat „Crooked Rain, Crooked Rain“ von Pavement im Plattenschrank stehen
und geht danach ins Substanz.



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Illustration: Julia Schubert



Zur Gruam
Thalkirchnerstr. 114, Sendling
Wo bin ich? My home is my Boazn: Jahrzehntelang war die Gruam der Inbegriff einer Absackerkneipe. Egal, wie spät, hier brannte immer noch Licht. Seit der Neueröffnung 2011 trifft hier Wirtshaus auf Elektro, wobei neben dem DJ-Pult auch die Musicbox nach wie vor zum Einsatz kommt.
Wie läuft’s ab? Die Gruam kann nicht exklusiv gemietet werden. Vor 22 Uhr findet man aber auf jeden Fall noch Platz. Ansonsten läuft alles nach Absprache: ob man Essen mitbringt oder kochen lässt, ob man selbst auflegt oder die Musicbox anschmeißt und ob man die Getränke zum Geburtstagspreis bekommt.
Kapazität: für 30 bis 50 Freunde
Wer hier feiert, freut sich, wenn sein Weißbier im Sechskantglas serviert wird
und geht danach besser heim.


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Illustration: Julia Schubert



Rennsalon
Baldestr. 13, Glockenbachviertel
Wo bin ich? In einer alternativen Wohnzimmerkneipe für Leute jeglichen Schlags. Zwischen Gummisauriern, Kuckucksuhren und Manneken Pis-Figuren treffen hier Ingenieure, Musiker und Modemacher aufeinander. Wenn dabei ein 65-jähriger Taxifahrer vorbeischaut und sich rührend freut, mal wieder seine alten Platten auflegen zu können, ist das nur konsequent.
Wie läuft’s ab? Sonntags und Montags kann der Rennsalon für 600 Euro Mindestumsatz gemietet werden, an anderen Wochentagen kann man reservieren. Zu essen gibt es die hauseigenen Rennsemmeln (gegrillte Sandwiches), Kuchen darf mitgebracht werden. Spezielle Musikwünsche oder eigene Platten sollten mit dem Barpersonal abgeklärt werden.
Kapazität: für 50 Freunde.
Wer hier feiert, hat "Die drei ???" auf Kassette
und geht danach in die Niederlassung.




Text: josef-wirnshofer - Fotos: Josef Wirnshofer, warmaster666 / photocase.com

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