Säulentempel-Ambiente oder Seeblick

Alle Münchner Open-Air-Kinos haben ihre besonderen Qualitäten. Unser Überblick verrät, welche - vom Filmprogramm bis zum Popcorn-Faktor
jetzt-redaktion

Für Ästheten: Kino, Mond & Sterne
Die Örtlichkeiten: Viele sagen, das Freilichtkino im Westpark sei das Schönste in München. Nicht nur, dass man direkt am See ist, auch die Stufen des Naturstein-Amphitheaters, auf denen man sitzt, sehen einfach eindrucksvoll aus – vor allem, wenn bei manchen Vorstellungen Sternwerfer verteilt werden. Auch der Weg zum „Kino, Mond & Sterne“ durch den Park ist sehr idyllisch. Zum Glück, denn man muss sowohl von der U6-Haltestelle Westpark als auch von den Bushaltestellen noch ein gutes Stück zu Fuß gehen.

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Illustration: Julia Schubert



Das Programm: Gezeigt werden vor allem Blockbuster aus dem vergangenen Jahr und der aktuellen Kinosaison. Zwischendurch sind aber auch Filmklassiker wie „Dirty Dancing“, Arthouse-Produktionen, Doppel-Features, zum Beispiel mit Filmen aus der „American Pie“-Reihe, und Dokumentationen im Programm.
Wen du hier triffst: Die romantische Kulisse zieht viele Paare an, doch auch ohne amouröse Begleitung wird es nicht unangenehm. Zum Kuscheln ist es auf dem Stein- und Holzboden auf Dauer ohnehin zu unbequem.
So sitzt man: Ohne Decke, Isomatte oder Kissen sind die Treppen und der Holzboden für die durchschnittliche Spielfilmlänge zu hart. Polstermaterial kann man entweder selbst mitbringen oder gegen Pfand ausleihen. Wer es noch flauschiger mag, kann sein Glück beim Hauptsponsor Radio Charivari versuchen. Dort werden jeden Tag VIP-Plätze in zwei Strandkörben verlost.
Popcorn-Faktor: Essen und Getränke darf man selbst mitbringen, Glas und Porzellan müssen allerdings daheim bleiben. An den vielen Büdchen gibt es alles Essbare, was man sich nur wünschen kann, etwa Thai-Curry, gebratene Nudeln, Chicken Wings, Nachos, Eis und selbstverständlich: Popcorn. Zudem ist der Bierpreis wirklich gut: Für eine Halbe zahlt man 2,50 Euro.
Sponsorengedöns: Neben Charivari zählen unter anderem die MVG und der MGM Channel zu den Sponsoren. Zwischen Werbung und Beginn des Films werden ganz praktische Sachen wie Wohlfühl-Packages mit Decke, Sitzkissen und Snacks oder gefüllte Picknickkörbe verlost. Am Eingang werden außerdem manchmal Rivella-Proben verteilt.
Diesen Film solltest du nicht verpassen: Wenn du mutig bist, schau dir die „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“ am 26. Juli an. Allerdings gelten auf der Seebühne dann ganz besondere Regeln: Frauen sitzen links und Männer rechts, zudem sollte sich niemand in der Nähe Bekannter niederlassen. Wer weniger mutig ist, kommt einen Tag vorher vorbei: Am 25. Juli läuft „Keep Surfing“.

kathrin-hollmer



Für Locals: Das Open-Air-Kino im Viehhof
Die Örtlichkeiten: Die verwitterten Backsteingebäude des Schlachthofgeländes dienen dem Viehhof-Kino als Kulisse. Dort, wo „Pferde Eintrieb“ steht, warten nun die Kinogänger auf Einlass. Früher warteten die Viecher genau hier auf den Metzger.
Das Programm: Neben Blockbustern wie „Men in Back 3“ laufen auch kleinere Filme und eine Serie mit Lokalkolorit: Am 19. Juli werden im Viehhof-Kino die ersten vier Folgen „Zur Freiheit“ mit Ruth Drexel und Toni Berger in den Hauptrollen gezeigt. Franz Xaver Bogner hat die Reihe in den Achtzigern auf dem Gelände gedreht. Ein zweiter Abend ist geplant.
Wen du hier triffst: Die Leute aus dem Viertel. Jetzt, zur zweiten Auflage des Viehhof-Kinos, machen aber inzwischen auch die Sendlinger rüber. Nicht zuletzt, um zu sehen, wie es hinter den Mauern des alten Schlachthofs aussieht.
So sitzt man: Auf Gartenstühlen aus Kunststoff. Die kosten im Baumarkt 15 Euro das Stück, sind aber allemal bequemer als die Steinstufen im „Kino, Mond & Sterne“. Für 2 Euro (plus 3 Euro Pfand) gibt es eine Kuscheldecke dazu.
Popcorn-Faktor: Das Viehhof-Kino gibt sich bodenständig. Bratwürste gibt es für 3,50 Euro, die Halbe für 3,40 Euro. Der Biergarten ist von 18 bis 1 Uhr geöffnet. Popcorn: 2 Euro, Salzstangen: 1 Euro.
Sponsorengedöns: Im Biergarten steht der Ayinger-Doppeldecker-Bierbus, die Werbung hält sich sonst aber in Grenzen. Wer fünfmal kommt, darf beim sechsten Mal umsonst rein und nimmt an einer Verlosung teil, zu gewinnen gibt es vier gesponserte Radl.
Diesen Film solltest du nicht verpassen: „Der Knochenmann“ mit Josef Hader in seiner Paraderolle als Kommissar Brenner am 26. Juli.

thierry-backes


Für Stenz-Romantiker: Königsplatz Open Air
Die Örtlichkeiten: Sind unübertroffen in Sachen Schönheit und zentraler Lage: Wo mitten in der Maxvorstadt zwischen Glyptothek und Antikensammlung sonst die Autos über das Kopfsteinpflaster brettern, kann man jedes Jahr im Juli abends eine Woche lang Blockbuster gucken. Hier ist München ausnahmsweise einmal nicht Italien, sondern Griechenland – ganz nach König Ludwig dem I.
Das Programm: Verschiedene Kinohits der vergangenen Saison wie in diesem Jahr „Ziemlich beste Freunde“, „The Avengers“ oder „The Artist“. Was immer gleich bleibt: Der „Münchner Abend“. Jedes Jahr wird am Vortag der sommerlichen Kinowoche (diesmal vom 23. bis 30.Juli) zum großen Monaco-Franze-Gucken eingeladen – als eine Art öffentliche Generalprobe.
Wen du hier triffst: Menschen, wie man sie sonst nur auf einem Werbeplakat der Stadtwerke München sieht: adrette Jungfamilien, Mädchen mit Picknickkörben, harmlose Jungscliquen, Mittvierziger-Paare mit Trekkingschuhen. Und natürlich die Gäste der „V.I.P. Lounge“, die für Firmen-Events gemietet werden kann.
So sitzt man: Wer rechtzeitig kommt, erwischt noch einen Platz auf den Stufen vor der Glyptothek, ansonsten sitzt man auf den Wiesen davor. Auf dem Kopfsteinpflaster sind Stühle aufgestellt, die kosten allerdings auch zwei Euro mehr als ein sogenannter Rasenplatz. Für Letzteren gilt: Nur weil das Säulentempel-Ambiente so harmonisch anmutet, sollte man nicht vergessen, dass auch hier ein Film gute zwei Stunden dauert und man auf seiner Decke schnell alle Liegepositionen durch hat. Außerdem wird es irgendwann feucht. Viele Kissen und Pullis zur Polsterung empfehlen sich also. Eigene Stühle darf man nicht mitnehmen.
Popcorn-Faktor: Hoch. Das Königsplatz-Open-Air ist kulinarisch wie ein Mini-Jahrmarkt ausgestattet. Neben Popcorn gibt es sogar Crêpes und gebrannte Mandeln, außerdem Wurstsemmeln, Maiskolben und so weiter. Das muss auch so sein, denn Selbstverpflegung ist hier nicht gern gesehen. Zerbrechliches Geschirr ist verboten und die Getränkemitnahme auch – egal ob Thermoskanne, Plastikflasche oder Vinho Verde im Boxbeutel. Getränke aller Art gibt es im Plastikbecher mit Pfand zu kaufen. Leider sind die Preise nicht sehr studentenfreundlich und die Warteschlangen vor und nach dem Film unerträglich lang. Die Bier-und-Essen-Holer des Freundeskreises stehen meistens an, bis der Film längst begonnen hat. Nach dem Abspann warten sie mit der Pfand-Erstattung noch mal mindestens genau so lang.
Sponsorengedöns: Ist hier sehr, sehr ausgeprägt. Schon zum Monaco Franze am Vorabend des ersten Open-Air-Tages werden vor Filmbeginn so lange die namhaften Geldgeber angesagt, dass man erstens ziemlich schlechte Laune ob der langen Warterei bekommt und sich zweitens irgendwie über den Tisch gezogen fühlt, für eine Werbeveranstaltung namens „Generalprobe“ fünf Euro Eintritt gezahlt zu haben.
Diesen Film solltest du nicht verpassen: Sponsorenärger hin oder her: Wenn der Franzl und das Spatzl in den lauen Münchner Abendhimmel dröhnen, dann macht das selbst Nicht-Münchnern ein so rührendes Zuhausegefühl, dass man aufstehen und laut rufen möchte: „Froh und dankbar müssen wir sein, dass wir dabei sein dürfen.“

mercedes-lauenstein


Für Menschen, die auch ein Tretboot mieten würden: Kino am Olympiasee
Die Örtlichkeiten: Zwischen Schwimmhalle und Olympiasee sitzt man hier von Wasser umgeben, ziemlich lauschig und übersichtlich. Den Turm hat man direkt im Rücken, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Bei Nacht ist es sehr dunkel und ruhig hier.
Das Programm: Ziemlich unspektakuläres Mainstream-Kino, allerdings wird von Mai bis September Programm gemacht – es gibt also viel Auswahl.
Wen du hier triffst: Die Menschen, die tagsüber durch den Olympiapark joggen und Inline-Skaten, aber auch viele, die eine Radtour durch die ganze Stadt gemacht haben, um hier ihr Lager aufzuschlagen. Insgesamt eher ruhiges Publikum.
So sitzt man: Der Veranstalter stellt säuberlich nette Liegestühle in Reihen auf und man kann dann sogar zwischen Parkett und Rang wählen. Auch „Loveseats“ für Pärchen werden angeboten. Eigene Stühle sind nicht erlaubt, aber man kann einfach nur auf einer eigenen Decke sitzen – das ist auch am billigsten.
Popcorn-Faktor: Hinten gibt es einen kleinen Kino-Biergarten, der auch ein paar andere Dinge als die üblichen Standardgerichte bietet.
Sponsorengedöns: Nicht so auffällig. Da die Stadtwerke hier mitmachen, ist allerdings mit der M-Card derzeit 50 Prozent Ermäßigung auf den Ticketpreis drin.
Diesen Film solltest du nicht verpassen: Puh, hier kann man die Blockbuster nachholen, für die man nie in ein normales Kino gehen würde. Leicht zu merken: Am 1. August kommt „Türkisch für Anfänger.“

max-scharnigg



Text: jetzt-redaktion - Foto: Kino, Mond & Sterne

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