Schön da draußen

Wer sich die Münchner Innenstadt nicht leisten kann, zieht raus in vermeintlich uncoole Gegenden. Aber ist es da wirklich so schlimm, wie oft behauptet wird? Fünf weniger hippe Viertel im Kurzporträt
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1. Nordhaide

In der neuen Wohnsiedlung Nordhaide hat man sich für Straßennamen wie „Sandbienenweg“ oder „Graslilienanger“ entschieden. Und diese Harmonie trifft auf eine adäquate Wirklichkeit. Auf den ersten Blick ist die Nordhaide zwar nur eine Neubausiedlung. Auf den zweiten aber eine sehr durchdachte.

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Hier sieht es unglaublicherweise genau so aus, wie es sonst nur in idealtypischen Architekturmodellen simuliert wird: Auf den hier und dort eingestreuten Tischtennisplatten, Schachfeldern, schwingenden Bänken, Karussellen und Liegewiesen sitzen oder liegen Menschen. Es sind überdurchschnittlich viele Kinder sind unterwegs und ihr Gekrähe wirkt hier gar nicht krähig, sondern kommt eher dem frühlingshaften Vogelzwitschern gleich. Eine Frau und zwei Männer vom Baureferat spielen in ihrer Mittagspause eine Partie Rundlauf, daneben sitzt ein grauhaariger Mann auf einer Bank und liest in aller Ruhe ein Buch. Aus der U-Bahn schlendern von der Sonne geblendete Mädchen in Zebraleggins über die „Diagonale“ – so heißt ein quer durch das Viertel führender Fußgängerweg.

Das „Mira“, ein etwas zu grell glänzendes Einkaufszentrum, schafft mit seinen Wasserspielen und seinem McDonalds-H&M-Deichmann-Angebot einen ziemlich unpersönlichen, aber zentralen Ersatz für ein natürlich gewachsenes Stadtzentrum. Die authentischeren Läden findet man einige Schritte weiter die Schleißheimerstraße runter. In „Sultans Backparadies“ ist „der Kunde Sultan“ und im „ünlü Hairsalon“ gibt es günstige Haarschnitte.

Läuft man zur Panzerwiese, wo zwei Künstler eine Venedig-Hommage der Künstler in Form einer Gondelskulptur und eines Holzstegs mit Säulen geschaffen haben, atmet man dann auch wirklich noch durch, als sei man am Meer. Am Horizont funkelt neben dem beginnenden Kiefernwald die Allianz-Arena und manchmal sieht man hier die Schafe grasen, die zusammen mit ihren Schäfern das Naturschutzgebiet Panzerwiese durchqueren. Spätestens als eine Joggerin und eine alte Frau mit Kopftuch gleichzeitig stehen bleiben um für einige Sekunden in die stille Weite zu sehen, will man hier unbedingt mal wieder hin.

Wer wohnt hier?

Zum Beispiel Moritz, 21, Auszubildender Mediengestalter. Er wohnt seit zwei Jahren mit seiner Mutter hier, weil er es sich sonst nirgends leisten kann. Seine Semmeln holt er bei der Hofpfisterei, einkaufen geht er im Mira und zum Shoppen auch. Essen geht er im Mira oder zu Hause. Nach 20 Uhr noch ein Bier kriegt er aus seinem Kühlschrank und trinkt es mit Freunden auf der Dachterrasse seines Wohnhauses und schaut dabei über die Panzerwiese, den dahinter liegenden Wald und die erleuchtete Stadt. Sonntags, wenn er nicht aus dem Viertel will, geht er auf der Panzerwiese spazieren und im Sommer radelt er zum nahegelegenen Flughafen Oberschleißheim und sieht den Segelfliegern zu. Das gibt es hier, was es sonst nirgends gibt: Die Panzerwiese, gennant „die Wiese“. Er mag hier, dass das Studentenwohnheim nebenan ist und dass das Mira gute Nebenjobs bietet. Außerdem: Dass die U2 vor der Haustür losfährt und er hier nachts sogar weniger Angst hat, als wenn er allein in Schwabing unterwegs ist. Ein Taxi vom Stachus nach Hause kostet etwa 25 Euro.

 

2. Berg am Laim

Kaum jemand, der hier nicht regelmäßig etwas zu tun hat, weiß, wo Berg am Laim liegt. Das Viertel im Osten Münchens, zwischen Haidhausen und Trudering, hat mit dem Stadtteil Laim lediglich den Namen gemein – beide Gegenden waren einst Lehmabbaugebiete.

Berg am Laim ist vielleicht so etwas wie die Abstellkammer Münchens. Hierhin wird verfrachtet, was in der Stadt keinen Platz mehr findet: Verlage, Züge, Speditionen. Die S-Bahn-Station ist dort, wo an der Autobahn das SZ-Hochhaus steht und wo immer ein gelb-blauer Laster der Firma Dachser im Blickfeld ist. Berg am Laim beginnt aber schon kurz hinter dem Ostbahnhof, bei den Ten Towers der Telekom, weltstädtisch gemeinte Hochhäuser, die im 15. Stock durch Glasbrücken verbunden sind. Hier geht die Berg-am-Laim-Straße ab, sie ist breit, laut, staubig und führt vorbei an den gelben Sozialbausiedlungen der Gewofag und aneinandergeramschten Firmengebäuden, in denen sich hier ein KIK, da ein billiges Fitnessstudio und dort eine abgetakelte Cocktailbar eingemietet hat. Einziger Trost sind die Tramschienen zwischen den Fahrbahnen. Die Linie 19 bringt einen nach Haidhausen, wo die Welt wieder süß und französisch ist und wo die Häuser nicht aussehen, als bestünden sie aus mehr Beton als aus Wohnfläche.

Natürlich gibt es auch Dinge, die Berg am Laim einzigartig machen: Den russischen Supermarkt „Prima“ zum Beispiel, vor dem es schon aus der Ferne nach getrocknetem Fisch und eingelegtem Kohl riecht. Hier werden russische Biere, Liköre, Wodka und Fleisch verkauft, jede Menge Konserven mit zweisprachigen Etiketten und einzelne bunte Bonbons in Silberfolie. Eine Straßenecke weiter hat das Isareckstüberl („Im Stüberl drin und du bist in“) definitiv Hype-Potenzial. Von hier aus einmal über die Berg-am-Laim-Straße und rechts abgebogen findet man tatsächlich eine Art Ort des urbanen Savoir-vivre, der wie versehentlich aus der Innenstadt hergebeamt wirkt: Zwischen einem Containercenter und dem Magic Casino verkauft der italienische Spezialitätenladen La Cantinetta in einer alten Lagerhalle Wein, Antipasti und tolle, frische Mittagsgerichte. Die verspeist man im besten Fall bei sommerlichem Wetter im Hof, dann kann man sich ein bisschen fühlen, als wäre man im Schlachthofviertel

Wer wohnt hier?

Zum Beispiel Anja, 22, freie Autorin. Sie wohnt seit drei Jahren hier, weil sie in der Innenstadt für die Zweizimmerwohnung mit Balkon, die sie hier bei der Gewofag mietet, das Vierfache zahlen würde. Ihre Semmeln holt sie am liebsten bei der Bäckerei Aumüller, einkaufen geht sie bei Aldi, Edeka oder Tengelmann und zum Shoppen in den Flohpalast. Essen geht sie bei der Pizzeria Bella Rosa, die nicht nur eine richtig gute Pizza sondern auch einen tollen Besitzer hat, dem sie immer zu viel Trinkgeld gibt. Nach 20 Uhr noch ein Bier kriegt sie bei der Blizzeria und sonntags, wenn sie nicht aus dem Viertel will, geht sie mit ihrem Freund spazieren, durch die Echadinger Kleingärten vorbei an der Echadinger Gartenlaube in den Ostpark oder zum Michaelibad. Das gibt es hier, was es sonst nirgends gibt: Eine günstige Wohnung, die dafür eine ziemlich gute Verkehrsanbindung hat und von allen Münchner Vierteln den garantiert kürzesten Weg zu zwei Zeitungsverlagen, bei denen sie Praktika absolviert hat. Sie mag hier die Jungs-Gangs ihrer Nachbarschaft, die sie an ihre Heimat Milbertshofen erinnern und mit denen sie manchmal eine Runde quatscht. Taxipreis vom Stachus: Ungefähr 18 Euro.

 

3. Laim

Laim kennt man als die Kulisse der Stammstrecke zwischen Pasing und Donnersberger Brücke. Je nachdem, wie oft man in der S-Bahn daran vorbeigefahren ist, kann man die immer gleichen Fixpunkte irgendwann auswendig: Königreichssaal Jehovas Zeugen – Mr. Wash – Aldi – Lidl – Who’s perfect. Wer hier wohnt, muss toll Großeinkäufe, Tankfüllungen und Autowäschen erledigen können.

Was man von den Schienen aus nicht sieht: Laim hat Alpenblick, eines der ältesten Kinos Münchens (das Rex am Agricolaplatz), das sogar einen eigenen Biergarten besitzt, und die beste Tram der Stadt, die Linie 19. Außerdem gibt es zwischen den Arbeitersiedlungen und Reihenhaussträßchen mit Vorgärten sogar ein Villenviertel, den Schlosspark Laim. Na gut, besonders viele feine Menschen sieht man bei einem Viertelspaziergang nicht, zumindest nicht rund um die Fürstenrieder Straße, die konsumtechnisch Laims Stadtzentrum darstellt. Stattdessen Jungs in Spiderman-Turnschuhen, alte Damen in blumigen Polyesterblusen mit leicht invaliden Hunden an der Leine, junge Paare oder mittelalte Herren, deren Gemeinsamkeit vor allem darin besteht, dass sie alle ein bisschen weniger markenbekleidet und weniger gewienert durch die Straßen gehen als jene, die man rund um den Englischen Garten oder in der Fraunhofer Straße sieht.

Auf der Langzeitbaustelle des alten Beck steht die Zeit still, zwischen zwei hohen Wohnhäusern wächst auf einem vergessenen Minigrundstück Gras über einen ausrangierten Mercedes, einige Schritte weiter preist ein Geschäft sein unverwechselbares Ladenkonzept „Feine Weine, Fechtsport und Aktivreisen“ an. Bei gutem Wetter ragt am südlichen Ende der Fürstenrieder Straße das Alpenpanorama in den Himmel. In der Landsberger Straße gibt es zwei der besten Läden Münchens, den Papiergroßhandel Stein, der von überformatigen Pappschachteln über eine riesige Palette an Bürobedarf bis zu herzchenbedruckten Pommes-Tüten alles hat, was man aus Papier so machen kann. Und direkt gegenüber: Deco Holm. Noch größer, noch irrer, weniger Papier, dafür mannshohe Riesenschwäne, Glitzervorhänge, Litfaßsäulen, Laternen aus Kunststoff.

Wer wohnt hier?

Zum Beispiel Mirja, 27, Fotografin. Sie wohnt seit drei Jahren hier, weil sie hier eine günstige und sehr gut geschnittene Zweier-WG an der Agnes-Bernauer-Straße gefunden hat. Ihre Semmeln holt sie bei Penny oder Tengelmann, einkaufen geht sie ebenfalls dort und zum Shoppen fährt sie in die Pasing Arcaden, in denen es sich entspannter einkauft als in der Kaufinger Straße. Essen geht sie bei der Trattoria Lindengarten, wo es immer nach frischer Pizza und Pasta riecht, die noch dazu sehr gut, sehr günstig und wahnsinnig italienisch ist. Mirja muss es wissen, denn sie kommt aus Südtirol. Nach 20 Uhr noch ein Bier kriegt sie im Biergarten Hirschgarten, der nur zehn Minuten Fußweg entfernt ist, und sonntags, wenn sie nicht aus dem Viertel will, geht sie auch nur kurz über die Friedenheimer Brücke in den Hirschgarten, der teilweise sehr verwildert, aber wunderschön ist und in dem man auch einfach mal den ganzen Tag in der Sonne liegen und Bier trinken kann. Das gibt es hier, was es sonst nirgends gibt: Jeden Freitagmorgen wird Mirja von einem Mann geweckt, der auf der Straße vor ihrem Haus eine große Kuhglocke läutet und „Frische Eier“ ruft. Sie mag hier die Ruhe, das Dörfliche, den kurzen Weg ins Backstage, die schnelle Anbindung an die Stadt, die Nachttram und dass das Westbad so nah ist. Ein Taxi vom Stachus nach Hause kostet gut 16 Euro.

 

4. Moosach

Moosach will sich machen, es hat ja neuerdings neben der S-Bahn auch Anschluss an die U-Bahn, gleich doppelt, mit den Stationen „Moosach“ und dem „Moosacher St. Martinsplatz“. Neben der S-Bahn hängt ein Baustellenplakat: Studiosus3, Lifestyle-Appartements für Studenten. Das neue Bahnhofsgebäude gleicht einem Einkaufs- und Gewerbecenter, ähnlich dem Busbahnhof an der Hackerbrücke. Vielleicht gibt es die jetzt en gros zu kaufen, denn so mattschwarze Kästen, in denen eine Apotheke, ein Ärztecenter, eine Filiale einer Bäckereikette und ein Motel Platz haben, sieht man jetzt öfter. Gegenüber warten zwei für Boazn-Liebhaber vielversprechende Kneipen: Schnullis Bierstüberl und S’Krügerl.

Fährt man weiter, die Brenzlauer Straße runter, kommt man am sogenannten „Moosacher Stachus“ vorbei, der im Moment eher Großbaustelle als würdiger Hauptplatz ist. Durch die Pelkovenstraße geht es zum neuen U-Bahnhof St. Martinsplatz, und dort taucht links das Gasthaus Spiegl auf, ein über 250 Jahre alter Bauernhof. In Moosach sieht man eine Menge jener Nachkriegsbauten, deren Fenster allzu oft mit Fußballfahnen abgehängt sind und bei denen man sich fragt, wieso solche Wohnblöcke immer in verblichenen Grün- oder Ockertönen gestrichen sein müssen. Aber einige Straßen weiter stehen moderne Einfamilienhäuser mit Gärten und blank geputzten Autos davor –  man könnte denken, man sei in einer Wohngegend im Würmtal. Im Westen liegt die Kleingartensiedlung mit der schönen Adresse „In den Kirschen“, nördlich davon beginnen gleich der Hartmannshofer Park und das Kapuzinerhölzl.

Ein Highlight in Moosach ist der Kayseri Market, der unscheinbare türkische Supermarkt in der Karlingerstraße, in dem es frisches Gemüse, dicke Knoblauchwürste, Hülsenfrüchte in allen Variationen, türkische Limonaden und Gebäck gibt, und hinter dessen Fleisch- und Käsetheke der Inhaber Erhan höchstpersönlich eine erstaunliche Vielzahl vegetarischer Pasten anrührt. Mindestens 20 verschiedene Sorten hat er da und jeder, der interessiert guckt, bekommt innerhalb kürzester Zeit so viele Probierlöffel zugesteckt, dass er nach dem Kosten nicht mehr weiß, welche Paste welche war.

Wer wohnt hier?

Zum Beispiel Robert, 28, Wirtschaftsingenieur. Er wohnt seit drei Monaten mit seiner Freundin in einer hellen Neubauanlage nahe der S-Bahn, weil es hier günstiger ist als in der Innenstadt und trotzdem super angebunden. Seine Semmeln holt er bei Lidl oder Aldi, einkaufen geht er auch dort und zum Shoppen ins OEZ. Essen geht er bei Il Gambero in der Netzerstraße, wo es sowohl eine super Pizza für sechs Euro als auch feine, teurere Gerichte gibt. Nach 20 Uhr noch ein Bier gibt es am Moosacher Stachus im Alten Wirt. Sonntags, wenn er nicht aus dem Viertel will, geht er mit seiner Freundin im Kapuzinerhölzl spazieren oder zum Fasaneriebiergarten. Das gibt es hier, was es sonst nirgends gibt: Das OEZ. Er mag hier, dass es so grün ist, dass der Feldmochinger See und der Waldschwaigsee nicht weit weg sind, die Stadt aber auch nicht. Und dass er es nicht weit zur Arbeit bei einem großen Autounternehmen hat. Ein Taxi vom Stachus nach Hause kostet etwa 17 Euro.

 

5. Ober- und Mittersendling

Sendling ist nicht gleich Sendling. Schöne Straßen und alte Fassaden gibt es im beliebten Untersendling zuhauf. Aber zwischen den Siemenswerken und dem Mittleren Ring, in Ober- und Mittersendling, hat man eher das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, von dem alle immer sagen, es gebe ihn in München gar nicht: der mit den alten Industrie- und Gewerbeflächen.

Schon der U- und Busbahnhof Aidenbachstraße wirkt mit seinen Betonpfeilern eher sozialistisch monumental als münchnerisch glänzend. Dass rundherum trotzdem eine freundliche Atmosphäre herrscht, liegt an Einrichtungen wie dem Kistlerhof, einem ehemaligen Computerfirmengelände, das vor einigen Jahren zum Kreativareal umfunktioniert wurde, in denen man Lofträume, Büros, Lager und Ateliers mieten kann. Hier ist auch die Plattform 3 angesiedelt, in der noch immer einige freie Ateliers für Künstler zur Verfügung stehen und in deren Räumlichkeiten regelmäßig Ausstellungen stattfinden. Im Winter staksen hier von der kurzzeitig zum Parkplatz umfunktionierten Brachfläche nebenan lauter feine Damen herüber, die Modefirma Roeckl veranstaltet in ihren Lagerräumen im Erdgeschoss jedes Jahr einen großen Ausverkauf.

In einem Garten trocknet rote Wäsche auf einem Ständer vor sich hin. Aus den geöffneten Fenstern eines Hauses, das aussieht wie ein alter Getreidespeicher, dringen Gesang und Klavier. Auf dem Grundstück nebenan sieht es aus wie im Kindergarten: Trampolin, Klettergerüst, Pool, Fußballwiese, Go-Kart-Bahn – der Spielplatz ist tatsächlich für die Mitarbeiter einer Internetfirma.

Hier in der Zielstattstraße entdeckt man dann plötzlich noch etwas Verwirrendes: Hinter einem weißen Flachbau und einer Tankstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht kurz vor dem Gleisbett ein Gebäude vom Typ Hochadel-Landsitz, mit großzügiger Auffahrt und eigenem Biergarten: der „Augustiner Schützengarten“, ehemals das Wirtshaus „Münchner Haupt“, wurde dieses Jahr fertig saniert und gerade erst neu eröffnet.

Wer wohnt hier?

Zum Beispiel Iris, 30, die Grundschullehramt studiert. Sie wohnt seit einem Jahr in einem der rar gesäten denkmalgeschützten Mittersendlinger Altbauten, weil sie zusammen mit drei weiteren Leuten eine bezahlbare, geräumige WG mit eigenem Garten suchte. Ihre Semmeln holt sie in einem türkischen Tante Emma-Laden unter ihrer Wohnung, der auch sonntags geöffnet hat und von frischen Semmeln bis Wein alles vertreibt, was man so braucht. Einkaufen geht sie am Harras bei Edeka oder Lidl und zum Shoppen ins Internet. Essen geht sie bei Mykonos in der Schöttlstraße, dessen Besitzer Panos fast alle im Viertel kennt und immer gern auf einen Ouzo einlädt. Nach 20 Uhr noch ein Bier gibt es ebenfalls bei Panos. Sonntags, wenn sie nicht aus dem Viertel will, geht sie zum nahegelegenen Flaucher oder in den eigenen Garten. Das gibt es hier, was es sonst nirgends gibt: Eine sehr ungezwungene Atmosphäre. Im Haus leben vom Baby bis zum 100-Jährigen alle Altersschichten unter einem Dach, gegenüber steht eine versteckte Moschee und egal ob man im Bademantel oder auf Heels durch die Straßen läuft, niemand wundert sich drüber. Sie mag hier genau diese Lockerheit und dass man so schnell in der Natur ist. Und zwar in der richtigen Natur. Ein Taxi vom Stachus nach Hause kostet etwa 20 Euro.

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Juri Gottschall

Und wie wohnt es sich in München?: 

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