"Standardsound im Club spielen kann jeder"

Schlachthofbronx haben der elektronischen Musik den Munich Bass geschenkt. Dieser Tage erscheint das zweite Album der Münchner. Zeit für ein Gespräch.
andrea-wieczorek

Wenn Jakob und Bene alias Schlachthofbronx hinterm DJ-Pult stehen, herrscht auf der Tanzfläche verlässlich der Exzess. Kein Wunder also, dass die Münchner für Clubgigs auf der ganzen Welt gebucht werden. Ein Interview über Tourerlebnisse, bayerische Wurzeln und Hähnchen in Schokosoße.
  
Jetzt München: Ihr wart in den vergangenen Jahren viel auf Tour und seid fast überall auf der Welt gewesen. Wie fühlt es sich für euch an, wenn ihr mal wieder nach München kommt?
Jakob: München ist unsere Heimatstadt, da haben wir schon viele Leute, die kommen, wenn wir spielen. Wir treten ja auch nicht so oft hier auf. Dadurch ist es immer totaler Wahnsinn, in München zu spielen.
Bene: Wir wurden neulich gefragt, ob München einen Einfluss hat auf die Musik, die wir produzieren: Total. Aber nur insofern, dass wir hier unsere Ruhe haben. Hier kommt niemand im Studio vorbei, hier nervt niemand rum, man muss auf keine verdammt coole Party... Hier kann man gut arbeiten, man ist nicht abgelenkt.
  
Aber ihr habt eurer Musik doch das Label Munich Bass verpasst! War die Stadt also nicht mehr als ein Namensgeber?
Jakob: "Munich Bass" war angelehnt an Miami Bass. Das macht halt Sinn, wenn man aus München kommt und Clubmusik macht.
Bene: Es gibt viele Leute, die das mit dem Munich Bass geschrieben haben. Wir würden jetzt aber nicht sagen, dass das ein von uns kreiertes Genre ist. Sondern wir wollten damit zum Ausdruck bringen, dass wir Clubmusik machen, die von mehr beeinflusst ist, als von Kraftwerk Detroit und Chicago.
  
Als euer erstes Album 2009 rauskam, war das ein völlig neuer Sound. 
Bene: Wir haben angefangen Musik zu machen, damit wir Sachen spielen konnten, die sich signifikant von dem abheben, was es sonst so gibt. Standardsound im Club zu spielen kann jeder und macht auch jeder – und dementsprechend langweilig ist es dann. Unser Motto ist: Wenn etwas zum einfachen, funktionierenden Rezept wird, dann machen wir da nicht mehr weiter. Auf unserem neuen Album wollten wir deshalb nix mit Dubstep, Dutchhouse oder Balkan Beats machen.
  
Dafür greift ihr bayerische Volksmusik auf. Das ist doch auch momentan ein ziemlicher Hype.
Bene: Auf dem neuen Album gibt es keinen Track mit bayerischem Einschlag. Es gibt da aber natürlich sauinteressantes Zeug! Wir haben gerade was mit G.Rag & Die Landlergeschwister in der Mache. Mit denen haben wir auch schon auf dem ersten Album zusammen gearbeitet. Das ist eine Blaskapelle, aber eben nicht so eine Seppelhut-Lederhosen-Kombo, sondern das sind coole, normale Leute. Bis das rauskommt, dauert es aber noch eine Weile.
  
Ist das eine bewusste Rückkehr zu euren bayerischen Wurzeln?
Jakob: Das war jetzt nicht so direkt als Konzept angedacht. Aber man muss sich jetzt auch nicht für einen Bayern-Bezug schämen, finde ich.
 
Klassische Frage zum neuen Album: Warum habt ihr es "Dirty Dancing" genannt? 
Bene: Das hat mit dem Film nichts zu tun, der Name ist für das Album Programm.
Jakob: Ich glaub, ich hab’s nie ganz geschafft den Film zu sehen, weil ich dabei immer eingeschlafen bin. Das ist schon der mit dem Hochhalten, oder? Genau an der Stelle wurde ich immer geweckt. Aber ich hab den Soundtrack.
  
Lasst uns noch ein bisschen übers Tourleben plaudern! Ihr habt bestimmt viel erlebt, oder?
Bene: Wir erleben ständig relativ krasse Sachen, das ist so, wenn man viel reist. Man trifft auch viele Prominente. Wir führen so eine Liste "Folgende Leute haben uns am Flughafen nicht Hallo gesagt": Berti Vogts und Ralph Siegel stehen schon drauf.
Jakob: Wir schauen auf Tour auch, dass wir immer Kollegen treffen, damit wir aus so einem Tourtag so viel wie möglich rausholen können und nicht in fremden Ländern nur so typische Touri-Sachen machen.
Bene: Nee, sowas machen wir aber schon auch. Fotos vom Touri-Programm inklusive.
 
Wo war es denn besonders schön? Gab es ein Highlight unterwegs? 
Jakob: Das ist schwer, sich da festzulegen. Eines der Highlights von letztem Jahr war Mexico. Wir waren dort vier Tage und haben drei Festivals in der Nähe von Mexico City gespielt. 
Bene: Wir hatten nur noch an dem Sonntag frei und da hatten wir dann viel Programm. Erst sind wir mit einem Bus voller skandinavischer Tänzerinnen nach Mexico City gefahren, die auch auf einem der Festivals aufgetreten sind. Dann zum Lucha Libre, diesem mexikanischen Wrestling mit den Masken. Und dann auf den Mariachi-Strich!
  
Was ist denn das? 
Bene: Da stehen lauter Bands auf einem Platz und buhlen um Aufträge. Die spielen also alle gleichzeitig, weil sie gebucht werden wollen. Das ist ein infernaler Lärm, Leute stehen davor und tanzen. Da gibt's dann auch eine Bar mit einer zwei Meter langen Tequila-Karte. Das kann ich nur empfehlen – sowohl die Bar, als auch die Karte. Das Essen ist allgemein hervorragend.
Jakob: Am Schluss in Mexiko bin ich früher aufgestanden, um ein bis zwei Stunden frühstücken zu können. 
Bene: Dieses Hähnchen in Schokosoße, da hätte ich mich reinlegen können.

Text: andrea-wieczorek - Foto: Edward Beierle

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