Tanzen hinter Bunkerwänden

Wo die Münchner früher Schutz vor Bomben suchten, können sie heute feiern. Thomas Manglkammer hat einen Bunker in den Party- und Ausstellungsort namens "Herr Hotter" verwandelt.
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Illustration: Julia Schubert


Feiern in einem Bunker, mitten in der Münchner Innenstadt – das gibt es nicht? Doch, gibt es. Vor wenigen Wochen hat Herr Hotter eröffnet, in einem ehemaligen Bunker im Hackenviertel. Dicke, schwere Stahltüren, dahinter spärlich beleuchtete Räume. Treppen und Sitzmöbel sind zum Teil von Gittern umgeben, die Durchreiche zur Bar ist ein Loch, das offenbar mit roher Gewalt in den Beton geschlagen wurde. Es herrscht eine raue Untergrundatmosphäre, wie man sie in München selten findet. Geöffnet hat Herr Hotter von Mittwoch bis Samstag, allerdings nur für drei Monate. Betrieben wird er von einem Team um den Macher der ehemaligen Bar Kreuz 16, Thomas Manglkammer.
 
jetzt München: Der Bunker in der Hotterstraße ist ein auffälliges Gebäude. Trotzdem stand er bisher leer, oder?
Thomas: Ja, die letzten 27 Jahre war er leer. Davor war ein Hotel drinnen. Das sieht man auch noch, unter dem Efeu an den Außenwänden ist noch die alte Schrift des Hotels zu erkennen.
 
Wie bist du auf den Bunker aufmerksam geworden?
Ich bin vor Jahren mal mehrere Wochen durch München gelaufen, habe in alle Hinterhöfe geschaut und nach interessanten Gebäuden und Räumen Ausschau gehalten, in denen man vielleicht so ein Projekt aufziehen könnte. Den Bunker hier habe ich als erstes entdeckt. Ich kenne locker 15 leer stehende Gebäude in München. 

Trotzdem machen in München ja nicht ständig neue Clubs auf.
Das Problem ist, dass es nach dem Herumlaufen erst richtig los geht, und zwar mit stunden- und tagelangem Herumtelefonieren. 99 Prozent aller Gebäude bekommt man dann sowieso nicht. An dem Bunker hier bin ich auch schon seit vier Jahren dran, an anderen Locations schon seit fünf Jahren. Dass es jetzt doch geklappt hat, war ein Riesenglück, weil ich jahrelang keinen Ansprechpartner gefunden habe. Ich hatte eigentlich schon gar nicht mehr dran geglaubt, dass das noch was wird.
 
Ganz schön viel Aufwand dafür, dass ihr den Club jetzt nur drei Monate betreiben könnt.
Ja, eigentlich ist das absoluter Wahnsinn. Wir haben ein halbes Jahr auf die drei Monate hingearbeitet.
 
Was passiert nach den drei Monaten?
Dann wird das Gebäude umgenutzt, aber wohl nicht als Gastronomie. Ist ja auch klar, hier werden gegenüber teure neue Wohnungen gebaut. Wir würden natürlich gerne länger hier bleiben, auch mit einem anderen Konzept. Wir hätten gerne noch einen Skatepark hier reingebaut. Aber es gibt ja noch ein paar andere Objekte, an denen wir dran sind. Vielleicht haut dann ja wieder was anderes hin.
 
Auf eurer Internetseite ist von einem „Tanzlokal“ die Rede, drinnen sieht es aus wie in einem Club. Was ist Herr Hotter denn nun?
Eigentlich wollen wir mit der Gastronomie hauptsächlich coole Ausstellungen ermöglichen, vor allem im Bereich der Fotografie, aber auch der bildenden Kunst. Das gleichzeitig zu machen, hat leider nicht geklappt, weil wir nur zwei Stockwerke bespielen dürfen. Jetzt nutzen wir diese Fläche für beides – tagsüber Ausstellungen, abends Tanzen. Aber wir verstehen uns nicht als Club, sondern eher als Tanzlokal mit einer Galeriefläche.
 
War es kompliziert, den Bunker umzugestalten?
Schon. Die Umrüstungen, die für die Genehmigung nötig sind, waren ziemlich aufwendig und kostspielig. Die Türen mussten wir seitlich und nach oben um 20 Zentimeter verbreitern, wir brauchten ein ganz spezielles Notstromaggregat, und so weiter. Aber ich muss schon sagen, dass alle Auflagen einen Sinn hatten. Es gab aber viele Momente, in denen ich dachte: Die Leute, die mich davor gewarnt haben, hatten Recht.

Ist ein Bunker als Feier- und Ausstellungsfläche für dich etwas Besonderes?
Natürlich. Ich war vorher in meinem ganzen Leben noch nie in einem Bunker. Das ist halt einfach etwas, das einen die Zeit spüren lässt. Das Gebäude hat eine Geschichte, aber die Welt dreht sich weiter. Und es ist gut, wenn da was Zeitgenössisches stattfindet.
 
Und in einem Bunker gibt es wohl keine Lärmprobleme.
Nein, das Gebäude hat zwei Meter dicke Wände. Die Musik ist also schon mal kein Problem. Aber wir haben auch aus den Erfahrungen aus dem Kreuz 16 sehr viel in Sachen Nachbarschaft gelernt. Damals haben wir es verpasst, auf die Nachbarn zu zu gehen. Hier haben wir nach der Eröffnung gleich einen Tag der offenen Tür gemacht und die Nachbarn eingeladen. Wir sind hier ja in einem wahnsinnig ruhigen Gebiet, da ist es enorm wichtig, die kurze Zeit hier friedlich zu verleben und gleich am Anfang Kontakt zu den Anwohnern zu suchen und den auch aufrecht zu erhalten. Wenn keiner uns sagt, wann es laut war und wo es Probleme gab, können wir es nicht wissen und versuchen es zu ändern. Wir stehen zwar draußen, können aber nicht aus deren Perspektive aus ihrer Wohnung horchen.
 
Wie lange wird es Herr Hotter geben?
Bis zum 31. April. Wir hoffen, dass wir dann noch ein bisschen Verlängerung bekommen, aber das weiß man natürlich jetzt noch nicht.


Text: christian-helten - Foto: münchenblogger.de

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