Der Hoodie-Psychotest - die Ergebnisse

Seit ein paar Tagen diskutieren Medienmenschen über Kapuzenpulliträger. Das zeigt mal wieder: Kaum ein Kleidungsstück ist so mit Bedeutung aufgeladen, die sich unweigerlich auf Hoodie-Träger überträgt. Die Frage ist nur: Welcher der vielen möglichen Hoodie-Träger bist du? Der jetzt.de-Psychotest verrät es dir. Hier die Ergebnisse
jakob-biazza

Der Radikale

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Illustration: Julia Schubert


Mode? Welche Mode? Ein Hoodie hat für dich doch nichts mit Kleidung, Stil oder gar Statement zu tun. Er ist Kampfmontur. Die Uniform des kleinen Soldaten für die große Sache. Denn das bist du: Politisch radikal. Wobei das bloße Tragen des Kapuzenpullovers zunächst mal nichts über die Richtung deines Kampfes aussagt. Man kann aus der Kapuze ja schließlich gleichermaßen nach links wie rechts schauen. In beiden Fällen schützt er dich aber vor der Hitze brennender Barrikaden, wärmt bei nächtlichen Sit-ins und bietet trotzdem perfekte Bewegungsfreiheit bei Fahnenschwenk, Steinwurf und Wasserwerferflucht. Außerdem ist er mit einem Handgriff wieder zurückverwandelt: vom blickdichten Vermummungs-Utensil zum braven Freizeit-Look. Ganz wie Carlos Marighella es im „Minihandbuch des Stadtguerilleros“ empfiehlt. Gell.
 
Die Führungskraft mit Understatement

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Illustration: Julia Schubert


Das „Du“ ist dir besonders wichtig. „Du Mark/Dirk/Stefan/Chris, haste mal ne Minute“, (manchmal auch mit dem Zusatz „Keule“ oder „Digga“) ist die Formel, mit der deine Angestellten jederzeit nicht an die Bürotür klopfen können, weil du die ausgehängt hast, als du auf den Chefposten gerückt bist. Keine Türen, keine Geheimnisse, keine Hierarchien, keine Hemmungen. Der letzte Mensch, der dich gesiezt hat, war dein Lateinlehrer. Abgesehen von dem Sackos tragenden, bärtigen Chef des Mutterunternehmens natürlich, der dich immer nur „der Kapuzentyp“ nennt, und zwar mit einem Blick, der nicht darauf hindeutet, dass das bewundernd gemeint ist. Du bist mehr Freund als Boss, und das soll auch jeder sehen können. Alt sind die anderen schon genug! Das letzte Mal ein Tränchen verdrücken musstest du trotzdem, als die Praktikantin dir sagte: „Du warst ein bisschen wie ein Vater für mich.“
 
Der Solidaritätsträger

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Illustration: Julia Schubert


Hoodies sind nicht deins. Passen nicht gut zu den Hugo-Boss-Anzügen (optional: Kleider von Marc O’Polo oder Escada), die du sonst trägst. Nicht mal zum Drykorn, obwohl die Verkäuferin dir den als „ein bisschen frech“ verkauft hat. Aber deinen Chef, der immer in Kapuzenpulli durch die Gänge schlurft und als erste Amtshandlung die Tür zu seinem Büro ausgehängt hat („Keine Türen, keine Geheimnisse, keine Hierarchien, keine Hemmungen!“), den magst du schon ganz gerne. Wie du dir überhaupt ein Herz bewahrt hast für Menschen, nicht viel auf Äußerlichkeiten geben. Oder geben können wegen Geld und so. Deshalb bist du unter den ersten, die ein Hoodie-Selfie posten, um ihre Solidarität auszudrücken: Mit dem gemobbten Kollegen oder dem verlachten Bekannten aus dem Tennisverein. Auch für Trayvon Martin hast du natürlich gleich die geliehene Kapuze übergezogen: Hat ja schließlich viel mehr Gewicht, wenn das jemand tut, der sonst gut angezogen ist.  

Der Bequeme

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Illustration: Julia Schubert


Kleidung ist für dich eine Notwendigkeit, etwas, womit man den nackten Körper bedeckt – und ganz sicher nichts, mit dem man irgendein Statement abgibt. Bloß, dass man ja auch mit Kleidung nicht nicht kommunizieren kann. Darum spricht jede Faser, die du am Körper trägst: „Klamotten sind mir egal, Klamotten sind funktional.“ Das funktionalste Stück in deinem Schrank: der Hoodie. Er ist auch das zweit-, dritt- und viertfunktionalste Stück, denn mindestens so viele Hoodies besitzt du. Du kaufst halt immer wieder einen nach, wenn dir ein ehrlicher Freund vorsichtig sagt, dass deiner mittlerweile schon ein bisschen verwaschen sei, wirfst die alten aber nicht weg. Wieso auch? Sind ja noch keine Löcher drin, außer die vier, die drin sein müssen, damit du ihn anziehen kannst. Durch die schlüpfst du täglich und fühlst dich danach perfekt gewappnet für alles da draußen. Der Hoodie hat eine Kapuze gegen Regen und für Privatsphäre, er hat beutelartige Bauchtaschen für Kleinkram und deine schutzsuchenden Hände, er ist schön weit geschnitten, sodass man darin verschwinden und die Luft zirkulieren kann. Warum, denkst du, sollte ich jemals was anderes tragen, wenn es doch dieses praktische Kleidungsstück gibt? Und wenn du beobachtest, wie der Hoodie zum Protest- oder Solidaritätsobjekt wird, dann freust du dich, weil du dich zum ersten Mal in deinem Leben ein bisschen wie ein Trendsetter fühlen kannst: „Ich hab den Hoodie schon getragen, als er noch nicht cool war!“

Der Jugendkulturelle

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Illustration: Julia Schubert


Du bist jung (oder wärst es noch gern). Und als junger Mensch (oder einer, der es gerne noch wäre) möchte man natürlich Teil einer Jugendbewegung sein. Einer Jugend- oder Subkultur, eines Undergrounds, einer Szene. Du hast dein Glück im Hip-Hop (weil du gut mit Rhythmus und Sprache kannst) oder beim Skaten (weil du gut mit Gleichgewicht und kaputten Knien kannst) gefunden und ein Hoodie gehört da eben zur Uniform. Du kombinierst einen sehr großen, langen zu Baggys oder einen schmaleren zu ausgetragenen Jeans, und am liebsten nicht irgendeinen, von einem akzeptierten Label sollte er schon sein. Darf auch gerne groß vorne draufstehen. Großer Unterschied zu vielen anderen Hoodieträgern: deine Hoodies sind nicht schwarz. Oder auch mal schwarz. Du hast sehr viele in sehr vielen Farben. Du hast eine ganze Sammlung auffälliger, raffinierter Stücke und vor einer Neuerwerb verbringst du viel Zeit mit der Auswahl. Das ist zwar alles weniger lässig als dein sonstiges Auftreten suggeriert, aber das macht nichts, Hauptsache, man erkennt hinterher auf den ersten Blick, wo du hingehörst.

Text: jakob-biazza - und nadja-schlueter; Illustrationen: Vi Pham

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