Welcher Horror-Urlaub passt zu dir? Die Ergebnisse

Mit den Eltern in Südtirol, unter Prollos auf Malle oder mit Fieber im Bergdorf: Was blüht dir diesen Sommer noch? Die Ergebnisse.
jakob-biazza

Der Mitläufer

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Illustration: Julia Schubert


Wären die anderen nur nicht so schrecklich laut. Und so dominant. Himmel überfordert dich das. Schon in ihren Körperabmessungen scheinen dir alle so verflucht breit und sperrig, seit ihr unterwegs seid. Und grob. Und randvoll mit robuster Energie und Drang. Meistens Richtung Strand. Da werden sie dann noch lauter und robuster und dominanter. Und du? Du wogst zwischen ihnen eher nur sehr korkig hin und her, wie von einer mittelstarken Strömung geschaukelt. Dabei magst du den Strand an sich schon nicht besonders, und noch weniger die Baila-Baila-Attitüde, die an diesem speziellen Abschnitt überall herumblökt. Berge sind dir näher. In die wolltest du ja auch eigentlich fahren. Also, wahrscheinlich. Anden vielleicht mal. Alleine vielleicht mal.
 
Aber ganz sicher warst du dir halt wieder nicht. Und als der Paul dann gesagt hat, dass du jawohl schon mitkommst, auf die Balearen mit den Jungs, und dir dazu so fest auf die Schulter gehauen hat, dass dir deine Erdbeermilch zur Nase herausgekommen ist, da hast du eben ein „Denk schon“ hervorgehustet. Und dann bist du aus der Nummer nicht mehr rausgekommen. Weil: nein sagen – nicht dein Steckenpferd. Noch nie. Ja sagen aber eigentlich auch nicht. Entscheidungen allgemein. Wenn also mal was passiert in deinem Leben, dann mit dir. Sehr selten deinetwegen. Das Leben stößt dir eher zu und das gilt in diesem Urlaub jetzt eben wieder besonders, in dem alle immer dann Quad fahren, Banane reiten oder noch mehr Bier trinken wollen, wenn du dich gut mit einem Buch zurückziehen könntest. Also, wahrscheinlich. Was weißt du schon? Halt doch, eines weißt du: Den nächsten Urlaub, den planst du aus eigener Kraft. Und wenn der Paul dann wieder mit seinen großen Pranken zum Rückenklopfen ausholt, dann sagst du, dass du leider schon Peru gebucht hast. Also, wahrscheinlich.

Die Pragmatikerin

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Illustration: Julia Schubert


War ’ne einfache Entscheidung. Wie immer. Das kannst du nämlich: Dinge entscheiden. Bauch aus, Kopf an – Liste, Kosten, Nutzen, fertig. Hieß in diesem Fall auf der Pro-Seite: Wellnesshotel vier Sterne plus, Vollpension, wahrscheinlich ein paar Spa-Behandlungen mit nachmittags schon Gurke auf den Augen und im Gin and Tonic. Mutti betüdelt dich außerdem rundum sorglos und besorgt bestimmt wieder dieses Knsupermüsli, das du für zwischendrin so gerne magst. Und Matcha-Tee wahrscheinlich auch. Du magst Matcha-Tee. Bezahlen tun die Eltern eh alles. Das magst du auch. Hieß auf der Contra-Seite lediglich: die Eltern. Eigentlich magst du die ja auch. Klares Ergebnis also. Und dann wird bei dir nicht lang gehadert sondern zugepackt: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!“ Alter Spruch von dir. Sollen die anderen sich in Indien doch was mit Karma und Darmkrankheiten einfangen. Hier in Südtirol ist der Bio-Sprossensalat sauber und knackfrisch. Und die Sprache kannst du auch.
 
Leider funkt seit ein paar Tagen dein Bauch immer deutlicher Störsignale durch die wohlfrisierte Rationalität. Sitzt du abends wirklich so gerne an der Hotelbar mit dem Alleinunterhalter, der „With a Little Help From My Friends“ konsequent als Song von Joe Cocker ankündigt? Warum mäkelt Vati dauernd an deinem Job, deinem neuen Freund und deiner (Zweck-)WG rum? Und warum sucht Mutti jedes Mal vertrauliche Gespräche über „Frauendinge“, wenn er das Mäkeln mal einstellt, um an der Bar zu laut mit seinem Glas zu wedeln und „Kannste da mal die Luft rauslassen“ zu rufen? Wie ist es gekommen, dass du mit beiden in sehr funktionaler Outdoor-Kleidung täglich zum Nordic-Walking ausrückst? Und warum bist du ab 21 Uhr so müde, dass du dich aufs Zimmer zurückziehst, um noch vor „Markus Lanz“ einzuschlafen? Große Fragen, auf die auch der rationalste Kopf keine Antworten mehr findet. Und so bleibt vorerst nur eine Gewissheit: So lang, wie die ersten vier Tage sich gedehnt haben, werden die verbleibenden zweieinhalb Wochen zäh.


Die Affekt-Urlauberin


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Illustration: Julia Schubert


 Na gut, vielleicht hättest du es ahnen können. Zum Beispiel, als Jens dir per SMS schrieb: „okay marie, bin dabei! lets do this, auf nach marseille!!!!“ Dabei heißt du ja Sabine. Aber, nun ja, so lange kennt ihr euch halt auch noch nicht. Und Jens ist echt mal süß. Schon als du ihn am Vorabend in der Garderobenschlange angesprochen hast, wegen seinem Sponge-Bob-Tattoo auf dem Handgelenk, wusstest du: Der hier ist nicht so wie der Rest. Der ist nett! Und das war er dann auch noch beim Frühstück. Also hast du endlich mal das getan, was deine Mutter und deine Mitbewohnerin dir immer raten: hast dich festgelegt. Hast Jens per SMS gefragt, ob er spontan ist, hihi: Eine Woche Marseille, jetzt, sofort? Bist heim, paar Sachen in den Koffer, und ab in den TGV.
 
Und jetzt sitzt du da, in dem schwindligen Hotel, in das euch dieser Kerl am Bahnhof Saint-Charles gelotst hat. Und hast keine Ahnung, wo Jens gerade ist. Das letzte Mal gesehen hast du ihn gestern Abend. Da wollte er „nur mal kurz runter zum Hafen in die eine Kneipe da, wo es WLAN gibt“. Und kurz wolltest du schon fragen, warum er dafür seine ganze Reisetasche braucht. Aber irgendwie warst du auch zu erschöpft. Das zweitägige Streiten und Zicken und Schweigen, das hinter euch liegt, hat dich ausgelaugt. Nein, harmonisch ist es nicht mit euch. Jens findet es scheiße, dass du dein Handy nachts grundsätzlich eingeschaltet lässt. Du findet es scheiße, dass er grundsätzlich bis zwölf schlafen will. Und wenn ihr euch endlich auf ein Café zum Frühstücken geeinigt habt, streitet ihr dort über die Frage, ob Franzosen Butter auf dem Croissant essen oder ob Café au lait jetzt dasselbe ist wie Cappuccino oder nicht. Wenn du ehrlich bist, bist du ganz froh, dass Jens sich mal alleine beschäftigt. Dann kannst du auch mal alleine zum Shoppen zu gehen! Apropos: Wo ist eigentlich dein Geldbeutel? Lag der nicht gestern noch neben Jens’ Reisetasche?

Der Misanthrop

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Illustration: Julia Schubert


Wer hätte das gedacht? Dass du, ausgerechnet du dich mal nach Menschen sehnst, die deine Sprache sprechen. Oder auch nur nach einer Packung Breitbandantibiotikum. Eigentlich ist es ja lustig. Genau, so muss man’s nämlich sehen: als Witz! Weil jeder Witz ja auch eine Lektion ist. Ganz allein in einem mauretanischen Bergdorf Geburtstag feiern, mit 41 Grad Fieber – das soll dir erstmal einer nachmachen. Am besten einer von den Lemmingen, den Vollspießern aus der Uni. Als die dich gefragt haben, ob du mit ihnen in die Toskana willst, hättest du dich fast an deinem Mate-Trinkhalm verschluckt. Seriously? Im überpackten Kombi als Teil eines Trosses gelangweilter Familienväter über den Brenner zuckeln, um dort von dreisprachigen Speisekarten eine „Pizza Wurstel“ zu bestellen und sich unter deutschen Hackfressen zu „erholen“?! Lieber würdest du ein ganzes Spiel der Fußballnationalmannschaft anschauen oder Sigmar Gabriel die Hand schütteln.
 
Also bist du, wie es dir der walisische Tauchlehrer letztes Jahr im Rongpu-Kloster in Tibet empfohlen hat, per Anhalter nach Marrakesch. Und von dort 19 Stunden mit dem Bus nach Nouakchott. Und dann rauf in die Hochebene, zu diesem Nomadenstamm, für den du extra ein paar Brocken Hassania-Arabisch gelernt hast. Gut, der Fahrer hat dich dann wohl doch gelinkt. Jedenfalls liegst du jetzt mit Keuchhusten in einer Lehmhütte, die garantiert keinem Nomadenstamm gehört, dein Rucksack ist weg und damit deine Reiseapotheke. Und kein Mensch versteht die Brocken Hassania-Arabisch, die du raushustest, wenn die zwei alten Frauen in dein Zimmer kommen, um dir bitteren Wurzelsud einzuflößen. Das sind die kurzen Momente, in denen das Wort „Fuck“ durch dein Bewusstsein flackert. In denen du dich bei dem Gedanken an die gemütliche Rückbank im Kombi deines Vaters ertappst. Aber dann driftest du wieder schnell in Fieberträume ab und kämpfst gegen windmühlengroße Pizza Wurstels.

Text: jakob-biazza - und jan-stremmel; Illustration: daniela-rudolf

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