Abstimmen übers Rauchen

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jetzt.muenchen: Du hast deine Kunden online über den Raucherclub abstimmen lassen. Warum? Es war mir einfach wichtig, die Gäste entscheiden zu lassen. Also haben wir die rund tausend Email-Kontakte angeschrieben, die wir zum Teil noch aus Zeiten des „Funkykitchen“ hatten und sie gefragt. jetzt.muenchen: Was stand in diesen Emails drin? Eine komplette Umwandlung in einen Raucherclub kam für uns nie in Frage. Wir haben viele Gäste, die zum Essen da sind. Und dann gibt es die Leute, die auf einen Cocktail vorbeikommen. Und an Wochenenden geht das mit dem Raucherclub einfach nicht. Bei den Mengen an Leuten, die am Wochenende hier vorbeikommen, würden wir mit den Raucherclub-Kontrollen nicht nachkommen. Deshalb haben wir in den E-Mails einen Kompromiss zur Abstimmung gestellt: Von 18 bis 22 Uhr, also in der Zeit, in der die Leute essen, wird nicht geraucht. Ab 22 Uhr, wenn auch der DJ auflegt, darf geraucht werden. Und das immer von Sonntag bis Donnerstag. Diesen Lösungsvorschlag sollten die Gäste dann mit „ja“ oder „nein“ per Email beantworten. jetzt.muenchen: Und was kam bei der Abstimmung raus? Mitgemacht haben von den rund tausend angeschriebenen Gästen in etwa 300. Am Schluss waren 70 Prozent der Leute für unsere Lösung. Nur 25 Prozent waren dagegen und fünf Prozent der Leute war es egal. In einer Woche haben wir nun etwa 250 Mitglieder aufgenommen. jetzt.muenchen: Und jetzt seid ihr ein richtiger Verein. Habt ihr schon euren Vorstand gewählt und Ehrenmitglieder auserkoren? Nein, das läuft hier anders. Ich bin mit dem „m.c. mueller“ Fördermitglied in einem übergeordneten Verein namens „Rauchen erlaubt“. Der Verein wurde von ein paar Gastronomen gegründet und setzt sich für den Erhalt der bayrischen Wirtshauskultur ein. Dieser übergeordnete Verein regelt die ganzen Vereinsgeschichten wie Versammlungen und Vorstandswahlen. jetzt.muenchen: Ihr müsst euch um nichts kümmern... Ich freue mich natürlich, dass dieser Verein uns bestimmte Aufgaben abnimmt. Dennoch müssen wir eine Mitgliederkartei führen, was bedeutet, dass wir all unsere Mitglieder registrieren und Mitgliedskarten ausgeben müssen. Für uns ist das ein Kostenfaktor: Wir haben eine Person für Registrierung und Kontrolle abgestellt. jetzt.muenchen: Bist du als Wirt zufrieden mit der bayerischen Raucher-Regelung? Die Regelung nervt uns und die Gäste kolossal. Die Wirte werden im Moment ja fast dazu gezwungen, zum Raucherclub zu werden. Es gibt Kollegen, die das machen, da sonst niemand mehr kommen würde. Und es gibt Kollegen, die wegen des Rauchverbots nachts 400 Leute vor der Tür stehen haben und sich mit Anwohnerbeschwerden herumschlagen müssen. Man kann den Leuten doch nicht verbieten, beim Rauchen vor der Tür zu reden. jetzt.muenchen: Hast du einen Lösungsvorschlag? Die beste Lösung ist in Spanien gefunden worden. Dort entscheidet der Wirt selbst, ob in seinem Lokal geraucht wird oder nicht. Und in Raucherläden dürfen dann auch keine unter 18-Jährigen rein.

Text: sascha-chaimowicz - Foto: dpa

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