Auf Geburtstagssendung - Teil 2

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31. Die Newcomer-Sendung „Funkraum“ gab es bis 2003. 32. Derzeit gibt es 34 Sendung im M94,5-Programmschema. 33. Unmöglichste Sendungsnamen: „Brainput – die Elektrosendung“, „Opaführer“, „Pizza Funghi“ und „Katerfrühstück“. 34. „Soulpopcorn“ klingt auch komisch.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

35. Das unbeliebteste und kleinste Ressort des Senders ist – nach Angabe der Mitarbeiter – das Politikressort. 36. Die Politikressort-Abende enden zumeist im „Paradiso“, einem Italiener mit griechischem Personal. 37. Im Mai 2001 schlug in der Musikredaktion der Blitz ein, die gesamte Festplatte war gelöscht und die Musikredakteure mussten in Schichtarbeit 2000 neue Songs reinladen. 38. Radio-Beziehungen gibt es auch bei M94,5. So bald man in der Redaktion ist, darf keiner irgendwas mitkriegen. Denn der Flurfunk sendet auf allen Frequenzen und recherchiert gründlich. 39. Anfangs war das Verhältnis zwischen Wort- und Musikredaktion unterkühlt bis kriegerisch. Das hat sich – dank der Ausnutzung persönlicher SynergieEffekte – verbessert. 40. Das Schlimmste für ambitionierte Moderatoren: Die Musikpolizei – die Redakteure, die erst dann von einer Platte überzeugt sind, wenn sie von mindestens drei anderen „amtlichen“ Quellen gelobt wurde. 41. Das Zweitschlimmste für Moderatoren: Die Webcam. 42. Das Beste für einen Radiomacher: Live im Radio gespielte Musik. Zum Beispiel 1998, als die Fans der Band Lambchop noch an einer Hand abzuzählen waren und deren Sänger Kurt Wagner im Studio gegenüber von Sebastian Zehetbauer saß. Was der damals über Lambchop wusste, war hastig angelesen. Kurt Wagner ließ sich davon trotzdem nicht stören. Während einer halben Stunde erzählte er Geschichten; etwa, dass er als Bodenleger sein Geld verdiente . Zwischendrin spielte er drei Lieder. 43. Immer, wenn etwas falsch programmiert ist, stürzt der Computer ab, dann läuft ein Havarie-Notfall-Band mit alten Liedern. Irgendwer muss dann in den Sender fahren und den Computer neu starten. 44. Die häufigste Frage an die Leitung der Musikredaktion: „Darf ich plus 1 auf die Gästeliste?“ 45. Die Funkanalyse gibt einmal jährlich aus, wie viele Hörer ein Sender erreicht. M94,5 hören demnach täglich mindestens 10 000 Münchner.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

46. Wobei die Programm-Macher von mehr Hörern ausgehen, da Studierende - die Hauptzielgruppe - nur dann erfasst werden, wenn sie den ersten Wohnsitz in München haben. 47. Für Außenstehende wirkt die junge Münchner Medienlandschaft manchmal ein bisschen verseucht von ehemaligen M94,5lern. 48. Für die, die dazu gehören, eigentlich nicht. 49. Die schwärzeste Stunde des Senders war gelb: ein Plastikenten-Rennen im Jahr 2002 sollte dem Sender Geld in die Kassen schwemmen. Leider ist das Projekt auch finanziell abgesoffen. 50. Ein unbestätigtes Gründungsgerücht: weil die kommerziellen Radiosender die Konkurrenz durch M94,5 so gering wie möglich halten wollten, gab es viele musikalisch Auflagen. So durfte M94,5 nur deutschsprachigen Hiphop spielen – dass dieser binnen kürzester Zeit so erfolgreich wurde, dürfte die Privaten sehr geärgert haben. 51. Niemals vergessen von denjenigen, die ihre harte Radio-Einführung durchmachen durften: Barbara Küchler, die mit Korken zwischen den Zähnen, Sprechunterricht gab. 52. Im Forum der Homepage m945.de fragen 90 Prozent der User nach Liedern. Die restlichen zehn Prozent beschäftigen sich mit der Webcam. 53. Die bei den Hörern wahrscheinlich unbeliebteste Sendung ist „Das Plenum“, die wöchentliche Sendung des Politikressorts am Samstagnachmittag. 54. Alle lieben Michael Krawczyk. Der B5-Redakteur war jahrelang Lehrer, Betreuer und Seelsorger für hoffnungsvolle Nachrichtenredakteure. Wer einmal mit ihm rauchend vor der Tür über Freud und Leid der Reporterexistenz philosophiert hat, hat ein kleines Stück seines Herzens für immer vergeben. 55. „Teststrecke“ heißt der Spießrutenlauf, den jeder angehende Moderator absolvieren muss, bevor er das erste Mal live sprechen darf. Das heißt: Musik vorhören, Regler hoch und runter schieben, und so genannte Kanäle per Knopfdruck öffnen. 56. Direkt neben den Redaktionsräumen gibt es drei Zimmer, die als WG-Zimmer vermietet werden. Es kommt also immer wieder vor, dass der ein oder andere verschlafene Mensch in Hausschuhen wortlos durch die morgendliche Konferenz schluft. 57. Es gibt ein ungeschriebenes Naturgesetz bei M94,5: Wer nach zwei Jahren Sendermitarbeit den Absprung nicht schafft, schafft ihn nie. „Ich komm’ einfach nicht los“, lautet die Entschuldigung der Langzeitredakteure. 58. Nicht jeder, der bei M94,5 mitarbeitet, lernt auf einmal alle Clubbetreiber der Stadt kennen: Das tun nur die Musikredakteure, die selbsterklärte Elite des Senders. 59. Gästelistenplätze gibt es auch immer nur für die Musikredaktion. Wer als Wortredakteur auch mal auf ein Konzert möchte, muss sich eine Karte kaufen. 60. Oder er wartet, bis eine unbekannte Metallband aus Trudering von M94,5 präsentiert wird. Darauf verzichten die Musikhipster dann schon mal. 61. Ansonsten verstehen sich Wort- und Musikredaktion aber ganz prima. Die nächsten M94,5-Fakten stehen hier! Fotos: Patrick Ohligschläger

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