Charli XCX klingt ein bißchen wie M.I.A. und Kate Nash und war in Großbritannien die Sensation des vergangenen Sommers: Mit 14 Jahren nahm die heute 16-Jährige ihre ersten Songs auf und dank Myspace und iTunes ging alles schnell; der Song über ihre Klassenkameradin Francesca avancierte zum Partyhit, unter anderem wegen des recht leicht mitsingbaren Songtextes ("Franchesckaar!"). Charli XCX (die Bedeutung des zweiten Teils des Namens, sagt sie, könne sich jeder selbst ausdenken) singt sonst auch von ihrer imaginären Freundin Emmeline, von Dinosauriersex und dass sie gern wäre wie Darth Vader. Am heutigen Montag den 5. Januar 2008 tritt Englands jüngster Pop-Export in München auf dem Festival Queer Beats auf - ihr erstes Konzert außerhalb Großbritanniens, die Eltern begleiten sie. jetzt.de: Die meisten Teenager spielen Luftgitarre vor dem Spiegel, aber du stehst wirklich auf der Bühne - wie kam es dazu? Charli XCX: Vor ein paar Jahren wollte ich aus meinen Songs ein Album aufnehmen - wobei die noch nicht ganz fertig waren, vor allem Songideen und so. Da war ich in einem Studio, und die sagten, ich solle das weiter verfolgen. Dann haben sie mich auf ihr Label gepackt. So ging alles los. Es ist seltsam, denn meine Musik von damals ist so anders als das, was ich jetzt mache. Das war mehr Gitarrenmusik, viel mehr Singer-Songwriter-mäßig. Ich wollte immer etwas mit Beats machen, aber ich hatte nie eine Ahnung wie. Also hab ich mir einfach Zeit genommen und mich inspirieren lassen. Wovon? Hauptsächlich von Kinderversen, Kunst und den Leuten um mich rum. Ich schreibe über Sachen, die in meinem Kopf passieren. Ich kritisiere mit meinen Liedern. Ich mache alles durch sie, das sind eben meine Gefühle, gefesselt in Kinderversen und Beats. Was kritisierst du denn? Vor allem die Sachen, die mich nerven oder die Leute - ja, eigentlich sind es vor allem die Leute, mit denen ich viel zu tun habe, die ich also analysieren und durchschauen kann. Aber es geht auch nicht nur um Kritik, ich sehe meine Songs eher als Feier oder Freudenfest. Es ist wie das Zelebrieren von Kindheitsspaß, von Jungsein, weißt du? Deswegen mag ich auch Kinderverse so gern. In einem Song singst du, dass du wie Darth Vader sein willst. Warum? Er ist so sexy! Warum sollte man nicht wie Darth Vader sein wollen? Naja, er hat schlechten Atem, einen Roboterkörper und trägt die ganze Zeit eine Maske. Und er ist böse. Macht ihn das sexy? Der Roboterkörper auf jeden Fall! Roboter sind klasse, findest du nicht?

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Fühlst du dich nun eigentlich anders als deine Freunde oder Klassenkameraden? Ich fühle mich gar nicht so anders. Ich gehe ja noch zur Schule und hänge mit meinen Freunden rum und so. Und wenn ich einen Auftritt habe, kommen sie und gucken sich das an. Meine Freunde sind alle cool und seltsam. Wie ich. Wir haben eine Art kreative Energie in unserem Freundeskreis. Meine beiden besten Freunde sind großartige Maler - also ja: wir verstehen uns total gut. Ich habe gelesen, dass du angeblich MP3s nicht magst. Stimmt das wirklich? Ich kann mit Computern nicht gut umgehen; ich verstehe Technologie nicht, das ist so künstlich und plastikartig, und die Leute sind so fasziniert davon, das finde ich ziemlich lustig. Also: Ich weiß nicht, wie man etwas downloadet oder so. Sollte ich wahrscheinlich bald lernen, ha, weißt du? Aber machst du deine Musik denn nicht mit Computer? Nein, ich hab' eine Art Mini-Aufnahme-Ausrüstung, ich stöpsel' die einfach ein und spiele live. Also sind in meinem Demozeug gar keine Computer mit drin. Jetzt trittst du zum ersten Mal in Deutschland auf. Was haben deine Eltern dazu gesagt? Ich glaube, sie haben sich wie ich auch sehr gefreut, dorthin fahren zu können. Sie haben mich immer sehr unterstützt, also ist es auch für sie total cool! Ist Popstar zu sein dein großer Traum? Hm, ich würde es nicht Popstar nennen . . . Ich will nur, dass die Leute meine Musik hören und dazu abgehen! Es geht nicht darum, berühmt zu sein und so was. Ich finde es gut, so wie es gerade ist. Erfolg wäre super, aber ich will nichts ändern, nur um Erfolg zu haben. Dein Song "Emmeline" handelt von deiner imaginären Freundin. Warum hast du sie? Ich weiß gar nicht. Ich hab' mir das nicht ausgesucht, sie ist einfach irgendwie da. Sie lässt mich Böses tun und denken. Aber jetzt gerade ist sie nicht da. Ich weiß nicht, wo sie ist - im Haus ist sie, glaub' ich, nicht. Macht Emmeline zusammen mit dir Musik? Haha, nein, das bin ich selbst. Sie zwingt mich auch zu gar nichts. Ich glaube, sie weiß, dass Musik die wichtigste Sache für mich ist, und wenn sie da reinpfuschen würde, könnte das sie selbst zerstören - weil sie durch meine Musik viel lebendiger wurde als sie es je zuvor war. Interview: malte-goebel.jetzt.de Musik von Charli XCX findest du unter anderem online auf www.myspace.com/charlixcx