Das häufigste Essen meines Lebens

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1. Eva Schulz: Müsli

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Illustration: Julia Schubert

Müsli ist schon immer eines meiner Grundnahrungsmittel. Daran hat auch die Laktoseunverträglichkeit, die vor ein paar Jahren festgestellt wurde, nichts geändert - fortan aß ich es einfach trocken, ohne Milch. In der Schule ist das sowieso praktischer, weil dann nichts mehr auslaufen oder rumkleckern kann. Meine Mitschüler wollten das allerdings nicht einsehen, sondern zogen mich lieber mit meinem "Vogelfutter" auf. Das dämpfte meine Müslilust ein bisschen, ich stieg auf konventionelle Mahlzeiten á la Butterbrot und Apfel um. Doch dann kam die Abiturvorbereitung und mit ihr die Frage nach der optimalen Lernnascherei. Ich wurde rückfällig und aß jetzt zu jeder Tageszeit Müsli: morgens, weil es so schön lange dauert und man so die Deutschlektüre noch ein bisschen vor sich her schieben kann, mittags, wenn man wegen der vielen Zonen des Ökosystems See gefrustet ist, und nach jeder überstandenen Klausur als Belohnung. Das Abi habe ich inzwischen, die Müslisucht aber bleibt. 2. Peter Wagner: Hirtensalat

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Illustration: Julia Schubert

Nordzimmer, zehn Quadratmeter, knietiefer Teppich: Das war die erste Bude meines Studiums. Kochen im kulturell überlieferten Sinne war wegen Platz und null Erfahrung ausgeschlossen. Deshalb bestanden meine Abendmahlzeiten wesentlich aus zwei Fragmenten: "Hüttenschmaus" aus der Packung und Hirtensalat aus Gemüse. Für einen ordentlichen Schmaus muss man 500 Milliliter Wasser in einen Topf gießen und zum Beispiel die Variante "Schwäbische Käse-Spätzle mit Röstzwiebeln" zugeben und rühren - fertig ist der Magenstopfer. Dazu gab es stets griechischen Hirtensalat á la Pierre: Halbe Gurke gehackt, Feta gehackt, Zwiebel gehackt, Öl und Essig drüber. Wenn ich heute durch meinen Supermarkt rolle, meide ich Schmäuse, weil ich sie den Erstsemestern nicht nehmen will. Gurke, Zwiebel, Feta gehören dagegen immer noch zu meinen Freunden. Wenn die drei als Ensemble auf meinem Teller liegen, erinnern sie mich an den Geruch von knietiefem Teppich. Und das finde ich rührend.


3. Claudia Dambacher: Schmandnudeln

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Illustration: Julia Schubert

Vor fünf Jahren stand ich ratlos mit zwei Freundinnen in einer Würzburger Küche. Wir hatten Hunger und das Gefrierfach war leer. Eine der Freundinnen hat eine Schwester, Martina, die einmal Hauswirtschaft in der Schule hatte. Weil Martina "aus fast gar nichts was kochen kann", riefen wir sie an. Tomatenmark? Ist da. Dosenpilze? Auch. Nudeln? Sowieso. "Nudeln kochen, den Rest in einen Topf mit einem Becher Schmand", wies Martina uns an. An diesem Tag stellte ich bei "Tegut" nebenan zum ersten Mal die Frage, die ich seither in jedem Supermarkt stelle: "Wo bitte ist der Schmand?" Die Becher stehen immer irgendwo anders, nie im Kühlregal. Vermutlich ist der Inhalt deshalb manchmal gekippt, wenn ich die Alufolie abziehe. Trotzdem esse ich bis heute zu fast allem Schmand. Sehr häufig in der Kombination mit Tomatenmark und Pilzen. Über andere Soßen denke ich irgendwie kaum noch nach. Wenn sich Martinas Tipp doch bewährt hat? claudia-dambacher.jetzt.de 4. Max Scharnigg: Bolognesesoße

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Illustration: Julia Schubert

Ich koche mindestens einmal pro Woche eine Soße, die gemeinhin Bolognesesoße genannt wird - wobei sie die in Bologna ja ganz anders machen. Ich habe in meinem Leben schon über 500 Töpfe voll Hackfleischsoße gemacht, ich habe auf Almhütten und an schwedischen Seen bologniert, für zehn Menschen oder für mich alleine. Es ist das einzige Essen, das bei mir garantiert eine Gemütsverbesserung bewirkt. Schon die Zubereitung versetzt mich in eine Art produktiver Meditation, die anhält, bis alles in tomatenroter Soße blubbert. Ich erfinde das Bolognese-Rezept auch jedes Mal ein bisschen anders. Man kann fast alles, was man im Kühlschrank hat, in einer Hackfleischsoße unterbringen, von Auberginen bis Zucchini, sogar Schokoladenreste. Wenn ich keine Nudeln im Haus habe, esse ich die Bolognese auch mal mit Reis oder Brot. Am nächsten Morgen schmeckt sie aufgewärmt noch viel besser, so dass ich dann nicht selten zum Frühstück gleich noch mal einen Teller nehme.


5. Judith Urban: Schokoladencookies

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Illustration: Julia Schubert

In meiner Familie beherrscht niemand die Kunst des Plätzchenbackens. Selbst das, was meine Großmutter - schon immer die beste Striezel- und Küchlebäckerin der Welt - liebevoll Lebkuchen nennt, sind in Wahrheit steinharte Objekte mit hellbraunem Zuckerguss. Umso überraschender war es für mich, dass gleich mein erster Versuch, Schokoladencookies zu backen, ein Erfolg war. Seither habe ich vorsichtshalber kein Kuchenrezept mehr angerührt - es könnte ja misslingen. Für mich gibt es nurmehr Schokoladencookies. Wenn ich nach meinem Geheimrezept gefragt werde, verkünde ich, man müsse unbedingt Natron statt Backpulver verwenden. Doch im Grunde geht es nur darum, so viele Kalorien wie möglich in einen Keks zu packen, egal ob mit Zartbitter-, Vollmilch- oder Chilischokolade, egal ob mit Haselnüssen, Walnüssen oder zerbröselten Schokoriegeln. Am Besten alles auf einmal! Ich nehme meistens zwei Cookies zum Frühstück und erspare mir so die Mensa. 6. Christina Waechter: Senfbrotzeit

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Illustration: Julia Schubert

Irgendwann habe ich die Brotzeit meiner Kindheit wieder entdeckt - nur mit den Zutaten, die ich mag. Ich nehme also ein gutes Brot mit gerade genug Körnern drin und eher feucht als trocken. Davon schneide ich zwei Scheiben ab. Dazu Butter, darauf eine dünne Schicht Feigensenf (den Guten aus dem Biomarkt). Auf die eine Brotscheibe kommt Mailänder Salami (ebenfalls Bio), auf die andere Ziegenkäse oder Gruyère. Dann wird ein Cornichon-Gürkchen längs in hauchdünne Scheiben geschnitten und diagonal über die bereits belegten Brote gelegt. Die wiederum werden in der Mitte geteilt und auf dem Teller abwechselnd angerichtet - dazwischen kommen noch ein paar Tomatenscheiben. Optional kann man mit der Pfeffermühle über den Teller gehen.

Text: jetzt-Redaktion - Illustrationen: Katharina Bitzl

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