jetzt.de: Ihr macht ein Getränk, das mit verschiedenen pflanzlichen Wirkstoffen die Konzentrationsfähigkeit steigern soll. Was ist da drin?
Florian Mack: Ganz einfach ausgedrückt ist das Pulver eine Kombination verschiedener Pflanzenextrakte, die gut für den Kopf sind. Angefangen hat es damit, dass wir zufällig auf den Wirkstoff der Brahmi-Pflanze gestoßen sind, die meine Mutter in einer Gärtnerei gekauft hatte. Die Blätter der Pflanze sind essbar. Sie wächst in Indien und wird auch „Gedächtnispflanze“ genannt. Bei indischen Studenten ist sie total beliebt! Hier kennt sie kaum jemand.

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Bis vergangene Woche hieß es noch Nijoz. Konnte aber kein Mensch aussprechen. Mittlerweile haben Chris Volke und (links) und Florian Mack ihr Denkgetränk deshalb in Neuronade umbenannt.
 
Welche Stoffe wirken in eurem Getränk genau?
Das ist eigentlich unser größtes Problem. Wir dürfen dazu nichts sagen, wegen der europäischen Health-Claim-Verordnung.
 
Was besagt die denn?
Im Prinzip dürfen wir aufgrund der Verordnung nicht mit den Effekten unserer Pflanzenextrakte werben, deren Wirkung noch nicht offiziell durch die EU anerkannt wurde. Es gibt eine sogenannte Positivliste, da steht beispielsweise Magnesium drauf. Man darf also sagen, dass Magnesium zu einer normalen Muskelfunktion beiträgt, nicht aber, dass es das eigene Produkt tut. Und die Wirkstoffe unseres Getränks sind noch gar nicht auf dieser Liste angekommen.

Heißt das, euer Getränk wirkt eigentlich nicht?
Es gibt schon viele Studien dazu, dass die Pflanzenstoffe, die wir verwenden, eine nachweisbare Wirkung haben. Wir dürfen das nur nicht so offensichtlich behaupten. Deshalb umschreiben wir die Wirkung so: Das Getränk verbessert die geistige Leistung und die Funktion des Gehirns, und zwar auf zwei Arten: kurzfristig beruhigend, zum Beispiel durch das Extrakt des grünen Tees. Längerfristig verbessert es die Nährstoffversorgung des Gehirns durch Antioxidantien zum Beispiel aus den Heidelbeeren.
 
Was ist der Unterschied zu Kaffee oder Energydrinks?
Neuronade kann man dauerhaft nehmen, obwohl ein Beutel am Tag eigentlich reicht. Das gute ist, dass es nicht nur für kurze Schübe die Konzentrationsfähigkeit steigert.
 
Viele Studenten klagen über Leistungsdruck.
Das haben wir auch erlebt. Wir haben Wirtschaftswissenschaften studiert, ich selbst mit einem Schwerpunkt auf Umwelt und Entrepreneurship. Der Druck während des Studiums ist hoch, weil es ständig Prüfungen gibt. Jede Note entscheidet mit, ob man einen guten Masterplatz bekommt. Wir haben viele Studenten beobachtet, die in der Prüfungszeit zu Aufputschmitteln greifen. Meistens Kaffee oder Süßigkeiten. Die sind aber nicht sinnvoll, weil sie einen kurzfristigen, künstlichen Stresszustand hervorrufen, also eigentlich kontraproduktiv sind.
 
Habt ihr das Pulver echt ganz allein entwickelt, oder hat euch jemand geholfen?
Nachdem wir die Wirkungen der Pflanzen selbst getestet hatten, haben wir uns professionelle Unterstützung gesucht. Zuerst bei der Uni Leipzig, die eine Gründungsinitiative hat. Darüber haben wir einen Kontakt zum Fraunhofer-Institut bekommen. So konnten wir dann mit einem professionellen Lebensmittelhersteller zusammenarbeiten.
 
Wollt ihr von der Produktion eures Getränkepulvers mal leben?
Es ging uns in erster Linie darum, dass die Idee funktioniert. Es hätte ja auch sein können, dass wir es nicht hinkriegen. Uns freut momentan am meisten das positive Feedback. Noch machen wir alles ehrenamtlich. Wir haben einen Büroraum in Leipzig, wo wir das Pulver von einem Lebensmittelinstitut kontrolliert lagern können. Von dort versenden wir es auch, wenn wir Bestellungen über den Online-Shop bekommen.
 
Wichtige Frage am Ende: Schmeckt das Getränk denn auch?
Ja, mittlerweile schmeckt es gut! Eigentlich sind die Pflanzenstoffe bitter. Wir haben aber an der Kombination gefeilt, also die Mengen angepasst. Jetzt haben wir ein genaues Verhältnis der Stoffe, die trotzdem zu einem leckeren und erfrischendem Getränk werden. Es schmeckt eigentlich so ähnlich wie ein Früchtetee.