Der Napster-Nachruf

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Sie haben auf den Moment gewartet. Sie haben gedacht, wenn es nur endlich so weit ist, sei das Problem gelöst. Sie haben sich getäuscht: Napster ist tot, die Probleme jedoch sind größer als zuvor.

Im Frühjahr 1999 erfand der  damals 18-jährige Shawn Fanning eine Website, die den Umgang mit Musik grundlegend verändern sollte. Das nach seinem Online-Pseudonym nappy benannte Napster wurde die Mutter aller Tauschbörsen und das Logo des kleinen bösen Männchens mit Kopfhörern zum Alptraum aller Musikmanager. Fannings Idee machte Musik so frei wie Luft zum Atmen. Plötzlich konnte man Lieder von überall auf der Welt mit einem Mausklick laden. Das klingt in Zeiten von YouTube, Spotify und iTunes selbstverständlich. Im Jahr 1999 war es eine Revolution. 

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Illustration: Julia Schubert



Diese Revolution wurde vor Gerichten verhandelt und brachte Shawn Fanning zweifelhaften Ruhm. Die Idee, die er in die Welt gebracht hatte, lies sich jedoch nicht mehr einfangen.  In diesen Tagen verschwindet nun das Napster-Logo von der Bildfläche, weil das Angebot, das als legaler Streaming-Dienst mittlerweile zum amerikanischen Best Buy Konzert gehört, in die Website Rhapsody integriert wird. Der Musik-Download hingegen verschwindet nicht. Nach dem juristischen Sieg über Napster entstanden dezentrale Tauschbörsen, die anders als das zentrale Napster-Programm eine Verfolgung für die Rechteinhaber sehr schwer machten. BitTorrent entstand und One-Click-Hoster entdeckten das Geschäft mit dem (illegalen) Download.

Deshalb wollen die Rechteverwerter nun die Internet-Provider in die Pflicht nehmen, um Urheberrechtsverletzungen einzudämmen. Diese sollen künftig mithelfen, illegales Downloaden zu unterbinden. Doch während die Politik diese durchaus umstrittenen Vorschläge diskutiert, wird im Netz bereits eine MafiaaFire genannte Erweiterung für den Browser herumgereicht. Damit können Nutzer ihre Herkunft verschleiern und so regionale Sperren im Netz umgehen. Der Gründer der schwedischen Piratenpartei, Rick Falkvinge, feiert MafiaaFire bereits als Rettung der Meinungsfreiheit im Kampf gegen Netzsperren.  

Dieser Einschätzung muss man nicht folgen. Man kann aber feststellen, dass der Geist, den Shawn Fanning damals aus Flasche lies, sich kaum einfangen lässt. Immer wieder entstanden neue Angebote, die die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen erschwerten. Menschen wie Rick Falvinge ziehen daraus den Schluss, dass es besser sei, Lösungen zu entwickeln, die mit dem Download arbeiten statt dagegen. In der Woche, in der Napster gestorben ist, lohnt es sich vielleicht, darüber nachzudenken.

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