Das Beste am Internet ist, dass man diesen Satz nicht eindeutig beenden kann. Stets tut sich irgendwo was Besseres auf, eine Welt abseits dessen, was man zu kennen geglaubt hat. Neben dem Mainstream-Netz hat sich unter dem Dach der New Yorker Firma Tumblr eine System etabliert, das diese stete Überraschungs-Reise zum Erfolgsprinzip erhoben hat. Tumblr liefert in jedem Augenblick das nächste Beste am Internet. Dabei ist die Seite eine Mischung aus einem sozialen Netzwerk wie Facebook, einem Hinweisgeber wie Twitter und einem Bilder-Dienst wie Flickr. Verglichen wird das Angebot aber aktuell vor allem mit einem der bekanntesten Blog-Anbieter des Netzes: Tumblr hat vor ein paar Wochen WordPress in der Gesamtzahl der betriebenen Blogs überholt – wenn man den Zählungen der Anbieter glauben darf. Mehr als 20 Millionen so genannte „tumblelogs“ gibt es mittlerweile – so bezeichneten die beiden New Yorker Gründer David Karp und Marco Arment 2007 diese wilde Mischung aus Facebook-Profil und Website. Das Besondere dabei: Anfang des Jahres 2011 lag die Zahl der Tumblr-Nutzer noch bei sieben Millionen.

  Versucht man zu verstehen, worin dieses rasante Wachstum begründet liegt, findet man eine bunte Mischung aus Gründen, die alle auf die Schlichtheit des Angebots Bezug nehmen. „Die einfachste Art, zu bloggen“ hat Tumblr dies auf seiner Erklärseite genannt. Dabei ist das nicht ganz richtig, denn Tumblr ist viel mehr und viel weniger als ein klassisches Blog. Tumblr ist in erster Linie eine Teilmaschine, ein Verbreitungsinstrument: Bilder, Texte, Töne werden hier zu einem leicht teilbaren Gut, das man auf einfachste Art seinen Freunde und anderen Tumblr-Nutzern zeigen kann. Das zentrale Prinzip ist dabei das so genannte Rebloggen – eine Wiederholung eines bereits veröffentlichten Beitrags im eigenen Kontext. Nutzer durchstöbern die Tumblr-Welt und können dort mit einem Klick all das, was ihnen gefällt, in ihrem eigenen Blog wieder veröffentlichen – stets mit dem Hinweis auf die Quelle der Begeisterung. So werden Bilder oder Texte schneller als ein Schnupfen in einem hustenreichen Wartezimmer verbreitet – ganz ohne Bezahlung, aber mit dem popularitätsbringenden Hinweis auf den Urherber. 

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 So nehmen ausdrucksstarke Fotomotive durchaus erstaunliche Aufmerksamkeits-Karrieren, die in schnellem Tempo alle Referenz-Grenzen überschreiten. Die Tumblr-Nutzer stellen dabei eine Art begeisterungsfähige Festival-Öffentlichkeit dar, die sich wie vor einer sommerlichen Konzertbühne daran erfreut, einen großen Ballon auf ihren Händen in die Luft zu spielen. Doch anders als bei diesem Gruppen-Erlebnis, mit dem sich Konzertbesuch ihrer Vielzahl versichern, ermöglicht Tumblr das Unglaubliche: Hier wird der Ballon bei jeder Berührung mit einer Hand verdoppelt. Denn jeder Nutzer zeigt die Texte, Töne, Bilder (für die der Ballon metaphorisch steht) ja auch in seinem eigenen Kontext. Dadurch wird der durch die Luft fliegende Ball zu einer geradezu zauberhaften Attraktion: Er ist scheinbar überall.   Man muss kein Jurist sein um zu ahnen, dass eine solche Form der Verbreitung sich an den Rändern des Urheberrechts bewegt. Aber genau wie es kaum gelingt, den auf den Händen der Festivalbesuchern gespielten Ball von außen einzufangen, ist auch das Vorgehen mit dem reinen Gesetzestext im der Tumblr-Welt nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Die Teilmaschine läuft zu schnell, um eine klassische, lineare Verbreitung sicherzustellen.  

Tumblr ist nicht nur eine Mischung aus zahlreichen populären Instrumenten des dialoggetriebenen Netzes. Tumblr ist zudem die konsequenteste Umsetzung der digitalen Verbreitungsmechanismen, die das Internet geschaffen hat. Beim Rebloggen nutzt Tumblr die Kopie als einendes Element für seine Nutzer. Denn wo geteilt wird, wird eben auch verbunden. Der Wunsch, Bilder, Texte, Töne zu teilen, ist nämlich nichts anderes als der Wunsch nach Diskussionsanlässen: mit jedem geteilten Foto liefert man den Ansatz zu einem Gespräch und dessen kleinste Einheit ist in der Tumblr-Welt (neben den Gefallen ausdrückenden Favoriten-Sternen) eben das Rebloggen – also das erneute Teilen.   Diese Art der Kommunikation erscheint gerade enorm stimmgewaltig. Und Tumblr hat dafür – im Windschatten der aufmerksamkeitsbindenden Netze wie Facebook, Twitter oder ganz aktuell Google+ – ein Angebot zu machen, das viele für die zeitgemäße Form des Austauschs halten: das Mitteilen im Wortsinn.  

jetzt.de hat deshalb in dieser Woche auch eine Präsenz auf Tumblr eröffnet. Unter jtzt.tumblr.com teilen wir ab sofort auch mit!