Deutschland, deine Backstage-Dörfer

Für drei Tage sind sie der Nabel der Popwelt: eine Übersicht über die Dörfer hinter den wichtigsten Sommerfestivals
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Illustration: Julia Schubert

Melt! Festival: 13.-15. Juli, 15 000 Besucher Einwohner: 7 569 Muss man wissen: In der Region wurde ausgiebig Kohle gefördert. Davon ist inzwischen kaum noch etwas übrig, die Landschaft allerdings ist immer noch karg. Muss man sehen: Ferropolis, die „Stadt aus Eisen“. Riesige, ausrangierte Braunkohlebagger drängen sich um ein geflutetes Tagebaurestloch. Dort findet neben dem Melt! unter anderem ein Chorfest, ein Fahrradgottesdienst und das „Böhse Onkelz Fantreffen 2007“ statt. Promi: Paul Gerhardt. Er war im 17. Jahrhundert Theologe, pflegte das Zwiegespräch mit Gott und schrieb in seiner Freizeit Kirchenlieder. Steht bis heute im Schatten Martin Luthers. Wird auf die Bühne geworfen: Stückchen Braunkohle


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Illustration: Julia Schubert

Hurricane Festival: 22.-24. Juni, 50 000 Besucher Einwohner: 12 868 Muss man wissen: Scheeßel ist ein „staatlich anerkannter Erholungsort“ und liegt zwischen Hamburg, Bremen und Hannover. Die wichtigste Veranstaltung neben dem Hurricane-Festival ist das „Internationale Beeke-Trachtenfest“, für das der Ort alle zwei Jahre zum Weltzentrum der Folklore ausgebaut wird. Muss man sehen: In Scheeßel steht einer der ältesten Bäume Deutschlands. Die „Gerichtslinde“ hat sechshundert Jahre Wachstum hinter sich und ist nicht als Ersatz für die Festivaltoiletten geeignet. Promi: Friedhelm Rathjen, Literaturwissenschaftler, hat Joyce und Melville übersetzt. Wird auf die Bühne geworfen: Akkordeon und Triangel, die vom letzten Trachtenfest liegen geblieben sind.


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Illustration: Julia Schubert

Immergut Festival: 1.-2. Juni, 5 000 Besucher Einwohner: 22 275 Muss man wissen: Seine Existenz hat die Kleinstadt an der Mecklenburgischen Seenplatte Herzog Adolf Friedrich III. zu verdanken. Als dessen Residenz in Strelitz zu Beginn des 18.Jahrhunderts abbrannte, ließ er ein neues Schloss bauen und errichtete bei dieser Gelegenheitgleich einen neuen Ort: Neustrelitz. Muss man sehen: Das barocke Residenzschloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im idyllischen Schlosspark kann man aber auch heute noch entspannen und der „Indiehölle“ (Thees Uhlmann) entfliehen. Promi: Heinrich Schliemann, Archäologe. Ging in Neustrelitz zur Schule, buddelte später das alte Troja aus. Wird auf die Bühne geworfen: Ein Virginia-Jetzt!-T-Shirt.


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Illustration: Julia Schubert

Southside Festival: 22.-24. Juni, 38 000 Besucher Einwohner: 3 878 Muss man wissen: Der Ort wechselte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder den Besitzer. Mehrere Jahrhunderte lang stritten sich Österreicher, Württemberger und die Kirche, wem der Ort gehört. Muss man sehen: Der Ausblick ins Tal dämpft die Wut, wenn deine Freundin wieder die Heringe für das Zelt vergessen hat. Promi: Keiner, aber die Bezeichnung von „ob eck“ ist weltweit einzigartig. Neuhausen liegt auf einem 800 Meter hohen Plateau, das in der Region als „die Eck“ bekannt ist. Wird auf die Bühne geworfen: Die teuren Wandersandalen, die man auf dem hügelöigen Gelände braucht, echte Schwaben sammeln sie aber hinterher wieder ein.


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Illustration: Julia Schubert

Haldern Pop Festival: 2.-4. August, 5 000 Besucher Einwohner: etwa 5 000 Muss man wissen: Liegt am „Reeser Meer“, wo es weniger Strand als an der Ostsee gibt, aber auch weniger FKK-Touristen. Muss man sehen: Das Rheinpanorama. Promi: Das bekannte Haldern-Lied: „Was die alten Linden rauschen / mir ins frohe Herz hinein / Immer wieder möcht' ich lauschen / Lindendorf am Niederrhein.“ Wird auf die Bühne geworfen: Kuhdung.

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