Die allerneueste deutsche Welle: Pop von der Provinz bis zum Polarkreis

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Anajo Woher: Sammelten bisher Provinzfame in Augsburg und benachbarten Großstädten, spielten viele, viele Juze-Konzerte ohne rechten Fortschritt, so dass die Band im Sommer 2006 erschöpft und ausgebrannt entschied: Zwangspause. Termine wurden abgesagt und die Veröffentlichung des Albums "Wer kennt hier eigentlich wen?" verschoben. Wohin: Mit neuer Kraft wanderten Anajo 2007 gleich aufs "Intro"-Cover und dank Stefan Raab auch in die Charts. Zu Recht: Der Lausbub-Pop ist absolut mehrheitsfähig - ohne es zu wollen. Klingt nach: Das Fröhlichste, was deutscher Pop vermag. Tele Woher: Aus Freiburg. Seit der ersten Single im Jahr 2004 sind die sechs Jungs unentwegt als Geheimtipp im Gespräch und mit ihrem sleazy Uptempo-Pop auch in vielen DJ-Koffern gelandet. Wohin: Wenn nächste Woche das zweite richtige Tele-Album "Wir brauchen nichts" erscheint, ist für einige das deutsche Musikjahr schon wieder zu Ende. Was Besseres kommt nicht nach, heißt es - und zumindest die ersten fünf Lieder der Platte lassen keinen Widerspruch zu. Klingt nach: Funkpop mit schlauen Texten oder Schlaupop mit Funktexten, stark stimulierend jedenfalls. Geschmeido Woher: Quasi aus dem Grab, denn das Schweigen dieser, weiteren, Freiburger Band während der letzten sechs Jahre klang schon sehr endgültig. Auch die bis dahin vorgelegten zwei Alben hatten ihren Popglitter längst zerstreut. Wohin: Mit dem überraschenden 2007-Album "Auf Wiedersehen" ist die Band auf dem allerbesten Weg, endlich die allererste Reihe des deutschen Indiepop zu besichtigen. Und vielleicht auch einen Teil des Blumfeld-Erbes zu verwalten. Klingt nach: Maritimer Melancholie und ernsthaft durchdachter Hörästhetik - sehr gut für nachdenklich Verliebte.


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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Polarkreis 18 Woher: Aus dem Tal der Ahnungslosen am Dresdner Elbhang sind diese fünf Jungs nahezu isoliert von der deutschen Indieszene auf- und prompt gleich über sie hinausgewachsen. Wohin: Mit dem monumentalen Debüt "Polarkreis 18", eine Art Edel-Weltraum auf Platte, könnte alles passieren: Die Dresdner könnten internationale Aufmerksamkeit à la Notwist verbuchen oder aber auch hochattraktiv an den Ohren vorbei musizieren. Klingt nach: Der Art Musik, die vor sehr langer Zeit mal Postrock genannt wurde - nur in modern und wirklich sehr, sehr schön. Locas In Love Woher: Quartett aus Köln rund um den Sänger Björn Sonnenberg, der sich mit Bassistin Stefanie Schrank den Gesangspart teilt und mit der Zweitband Karpatenhund samt Majormacht im Rücken auf dem Weg in die Hitparaden ist. Wohin: Locas In Love werden mit dem neuen Werk "Saurus" von manchen schon jetzt als beste hiesige Popband dieses Jahrtausends gefeiert und Björn Sonnenberg als neuer Frank Spilker oder Jochen Distelmeyer gehandelt. Klingt nach: Reduzierter Bombast aus leisen Momenten und großen Gesten. Eine Band, die Worte findet, wie sie einem selber nie einfallen würden. Ich jetzt täglich Woher: Als Ich-AG von Lutz Kratzer und Mark Matthes in Hamburg gegründet und mittlerweile zu viert unterwegs. Wohin: Der nächste Deutschpop-Hype in den Fußstapfen von Kettcar - ein Indie-Geheimtipp. Klingt nach: Zu ihren Myspace-Freunden zählen Sport und Delbo - die Verwandtschaft lässt sich nicht leugnen.

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