Die Behutsamen

"Mando Diao" haben den Soul entdeckt und sich mit ihrem fünften Album als "Mädchenband" wieder emanzipiert. jetzt.de sprach mit Sänger Björn Dixgård und Schlagzeuger Samuel Giers.
uli-karg

Die Rockwelt ist ja grausam. Kaum hat eine Band zwei hübsche Frontjungs und erzeugt bei den Konzerten lagenweise kreischende Mädchen, gilt sie den beleidigten Fanjungs als "Mädchenband" und damit nur noch die Hälfte. Mando Diao haben sich jetzt aber auf ihrem fünften Album als "Mädchenband" wieder emanzipiert: Swing, Hardrock und hie und da auch mexikanische Töne werden von den Style-Schrammlern in Verbeugung vor Tom Jones und Ennio Morricone zusammengeführt. Sind die Mädchen damit weg? jetzt.de sprach mit Björn Dixgård (Sänger, Gitarrist und Songwriter) und Schlagzeuger Samuel Giers. jetzt.de: "Dance With Somebody" und "The Shining", zwei Songs auf dem neuen Album, sind deutliche Bezüge zu Whitney Houston und Stephen King . . . Björn: Genauso ist es. Die Platte ist auch von Filmen inspiriert, von Tarantino-Filmen und von Stephen King - viele Texte sind von Stephen King beeinflusst. Auch "High Heels"? Björn: Weiß ich nicht so genau, weil der Song hauptsächlich von Gustaf geschrieben wurde. Aber ich glaube es geht darum, wie man plötzlich von einem Mädchen in High-Heels angetörnt wird. Ach was. Samuel: Bei "High Heels" geht's um Sex. Soviel ist mal klar. Von Stöckelschuhen abgesehen: Was muss eine Frau an sich haben, damit sie Euch auffällt? Samuel: Mir sind die Augen ganz wichtig. Björn: Das Gesicht ist wichtig. Aber ich hab da kein bestimmtes Muster. Seid ihr in festen Beziehungen? Björn: Ich bin mit meiner Frau seit sechs Jahren zusammen. Samuel: Und ich mit meiner Freundin seit fünf Jahren. Sind da Eure ausufernden Tourneen nicht relativ problematisch? Samuel: Manchmal. Aber für uns ist's auch nicht gerade leicht. Stockholm ist voller gut aussehender Typen. (lacht) Es ist hart, von jemandem getrennt zu sein, den man liebt. Es geht auch nur, wenn man sich vertraut und über alles reden kann. Björn: Man muss hie und da auch Verlockungen zugeben. Manchmal.

Wie oft passiert's, dass die Verlockung zur Verführung wird? Samuel: Verlockung ist Verlockung und dabei bleibt's. Prinzipiell. Es gibt ja auch noch andere Verlockungen, Drogen zum Beispiel, aber . . . Drogen spielen bei Mando Diao eine untergeordnete Rolle? Björn: Exakt. Keine Drogenprobleme hier. Ich hab mal dies und jenes probiert, war aber nie in Drogengeschichten verwickelt. Ich will von nichts abhängig sein. Samuel: Drogen und Musik können bisweilen eine ganz gute Kombination sein. Aber aber niemals auf Dauer. Womit wir schon mal einen Grund für die Langlebigkeit von Mando Diao hätten. Gustaf verglich das Mando-Diao-Prinzip mal mit jenem, wie es in dem Film "Der Pate" geschildert wird: Es gehe weniger um die persönlichen Fähigkeiten als um die gemeinsamen Wurzeln . . . Samuel: So ist es. Allerdings machen wir uns darum keine großen Gedanken. Während der vergangenen sechs Jahre haben wir derart oft live gespielt, dass wir jetzt besser sind als vor sechs Jahren. Beim ersten Album hatten wir's ein bisschen drauf und einen Riesenwillen, den Durchbruch zu schaffen. Mittlerweile ist musikalisch etwas mehr Substanz da. Björn: Auf gewisse Weise haben wir dadurch, dass wir unserem Innersten näher gekommen sind, den Soul entdeckt. Wir klingen auch deshalb souliger, weil wir die Fähigkeit besitzen, genau das auszudrücken, was wir ausdrücken wollen. Bei "Bring Em In" hatten wir das noch nicht drauf. Wie seid Ihr damals mit Frust umgegangen? Wie macht ihr's heute? Samuel: Frust damals bedeutete: Bandprobe. Wir sind nie zufrieden, wollen ständig weiterkommen, größer und größer werden. Und wir sind immer noch auf der Suche nach diesem perfekten Feeling. Es gibt für mich kein besseres Gefühl als auf der Bühne zu stehen. Und bei Mando Diao geht's dann darum, diesen Sekundenbruchteil zu erwischen, in dem du jemanden von der Band ansiehst und plötzlich dieses Wahnsinnsgefühl hast. Björn: Am ehesten kann man's mit einem entscheidenden Tor im Fußball vergleichen. Wenn du Fußballer siehst, die ein wichtiges Tor geschossen haben, führen sie sich völlig irre auf - sie fühlen sich wie im Himmel. Samuel: Es ist diese Elektrizität zwischen den Bandmitgliedern, die sich während des Zusammenspiels auf der Bühne ergibt; dieses perfekte Gefühl zwischen Ungewissheit und Losgelöstsein. Sind diese Momente selten? Samuel: Die kommen mindestens einmal pro Konzert vor. Björn: Wobei es auch davon abhängt, wie oft wir spielen. Zuletzt haben wir 200 Konzerte pro Jahr gespielt. Das ist vielleicht etwas zu oft, um dieses Gefühl, von dem wir gesprochen haben, dauerhaft zu wecken. Vielleicht sind 100 bis 120 Konzerte im Jahr besser. Man muss da sehr vorsichtig sein. Ein gutes Beispiel für Jungs, die's verbockt haben, sind meiner Meinung nach die Beatles. Acht Jahre waren die jeden Tag zusammen und dann haben sie sich getrennt. Das kann nur passieren, wenn du nicht ab und an Pause machst und wertschätzt, was du hast. Eure Empfehlung für eine dauerhafte Bandbeziehung? Samuel: Man muss behutsam mit den Freundschaften umgehen, die in einer Band bestehen. Uns hat die Musik zusammengebracht und dank der Musik streiten wir auch kaum. Sobald wir im Studio sind, ist es einfach nur wunderbar. Aber es gibt noch andere Dinge, die zählen. Jeder hat sein Privatleben. In den Anfangsjahren von Mando Diao verbrachten wir soviel Zeit wie möglich mit der Band und es war großartig. Jetzt sind wir auch mal froh, wenn wir uns eine Zeit nicht sehen. Wenn ihr zusammen seid: Wird da nur über Musik gesprochen? Samuel: Nein! Wir sprechen über alles Mögliche - hauptsächlich über Musik. (lacht) Björn: Und über Eishockey! Zumindest Samuel und ich, was auch daran liegt, dass wir beide Fans von Leksands IF sind . . . Samuel: . . . einem der ältesten Clubs in Schweden. 60 Jahre lang in der ersten Liga. Vor 15 Jahren sind sie abgestiegen und dann ging's ständig rauf und wieder runter. Letzte Saison hatten sie mit Ed Belfour einen NHL-Torwart - und selbst das hat nix geholfen. (lacht) Sie haben das entscheidende Spiel verloren. Björn: Man muss sich das mal vorstellen: Ed Belfour hat nur Klassespiele gemacht, er hat die komplette Saison lang kein einziges schlechtes Spiel abgeliefert - aber als es wirklich um was ging, hat er's versaut. Schon daran gedacht, die Mannschaft als Sponsor zu unterstützen? Samuel: Wir sollten ein paar Konzerte für sie spielen. Da haben wir bereits drüber gesprochen. Schön wäre doch auch ein Mando Diao-Schriftzug auf den Trikots - "Give Me Fire" oder so. Samuel: In Schweden gibt es Firmen, die nicht das ganze Team, sondern bloß einen Spieler sponsern. Bei Ed Belfour zum Beispiel hat der Sponsor den Transfer ermöglicht. Ansonsten müssen wir aber wohl noch ein paar Platten mehr verkaufen, bevor wir über sowas nachdenken. (lacht) Aber es ist ein Traum von uns und wir reden da ziemlich oft drüber. "Give Me Fire" erscheint am 13. Februar bei Universal/Vertigo.

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