Die Botschafter des gefrorenen Joghurts

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Wer diesen Sommer auf der Suche nach einer Erfrischung ist, kommt an Frozen Yogurt nicht vorbei. Aus den Metropolen dieser Welt ist die kalorienarme Softeisvariante nun auch nach München übergeschwappt. Die Vorreiter Nicole und Norbert Michalke eröffneten im Mai vergangenen Jahres in der Heiliggeiststraße am Viktualienmarkt ihre kleine Frozen Yogurt Bar „Top it“. Beide lebten lange Zeit in New York und holten den leichten Joghurt Genuss nach München. „Wir wollten eine gesunde Variante und keine Pulvermischungen, wie sie in den USA weit verbreitet sind“, sagt Nicole Michalke. Aus diesem Grund verwenden die Eis-Kredenzer auch nur griechischen und deutschen Bio-Joghurt, sowie Bio-Toppings. „Es wird noch eine Weile dauern, bis Frozen Yogurt in ganz Deutschland populär wird“, nimmt Nicole Michalke an. Einen weiteren Popularitätsschub bekommt Frozen Yogurt in München durch den 26-jährigen Johannes Hoyos. Er hat kürzlich zwischen Englischem Garten und Uni die Frozen-Yogurt-Bar „I Love Leo“ eröffnet – und uns mal erklärt, warum München Frozen Yogurt braucht.

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Illustration: Julia Schubert


"I love Leo" in der Kaulbachstraße/Ecke Veterinärstraße München

jetzt.de: Wer ist eigentlich dieser Leo, den ihr so liebt?
Johannes Hoyos: Der Name soll die Leute neugierig machen. Viele Leute fragen, ob der Name eine Anspielung auf die Leopoldstraße sein soll – diese Vermutung kann ich
verneinen. Mein Bruder heißt Leo – eventuell habe ich daher eine Affinität zu diesem Namen. Es soll aber keine Liebeserklärung an meinen Bruder sein.
 
Was ist Frozen Yogurt genau?
Das ist ein kulinarischer Trend, der gerade um die Welt geht: Eine kleine süße Mahlzeit auf Joghurtbasis. Ähnlich wie Eis, aber es hat kaum Fett und nur wenig Zucker, und wird mit vielen Früchten, Nüssen und Süßigkeiten individuell noch besser gemacht. Angefangen hat alles in Süd-Korea. 2005 hat dann der erste Laden in Los Angeles aufgemacht, von da aus ist die Frozen-Yogurt-Welle übergeschwappt nach Israel, England und in den gesamten asiatischen Raum. Und nun eröffnen langsam die ersten Läden in Deutschland.

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Illustration: Julia Schubert


Die Topping-Theke im "I love Leo".
 
Hast du deine Idee auch aus dem Ausland mitgebracht?
Ja. Vor einem Jahr bin ich von meinem Studienjahr aus Kalifornien zurückgekehrt und hatte die Idee im Kopf. Frozen-Yogurt-Läden gibt es dort an jeder Ecke. Ich hatte schon immer große Lust, etwas auf die Beine zu stellen. Die Idee mit Frozen Yogurt kam genau richtig. Das Ende des Studiums nahte, und es musste was passieren.
 
Und warum musste es in München passieren?
Auch wenn ich einen internationalen Trend aufgegriffen habe, soll mit meinem Laden ein Stück Lokalität und Heimat entstehen. Ich möchte eine Brücke schlagen zwischen Internationalität und Heimatverbundenheit. Ich bin von Bangkok nach Bali gewandert, bin Motorrad gefahren, gesurft und habe einige Berge bestiegen und Städte gesehen. Während des Studiums bin ich ein Jahr in die USA gegangen. Während dieser Reisen habe ich aber immer mehr gemerkt, wie wichtig eine klare persönliche Identifikation mit einem Ort ist. Daher hat mich schon lange die Frage beschäftigt, wie man vermitteln kann zwischen Heimatbedürfnis und weiter Welt. Diese Brücke möchte ich auch mit meinem Laden schlagen. Ein Produkt, das gerade die Welt begeistert, an einer Straßenecke in München.

Warum braucht München denn Frozen Yogurt?
Nun, Bedürfnis ist relativ – eigentlich braucht der Mensch nur Wasser und Brot. Aber eine Stadt wie München pocht am Puls der Zeit. Ich würde sagen die Münchner zeichnen sich durch eine smarte Lebensfreude aus. München ist sehr lebensbejahend, aber lässt sich dabei nie gehen.Und auch Frozen Yogurt ist etwas sehr Genußvolles, aber gleichzeitig etwas sehr Smartes, weil Gesundes. Zuletzt das kosmopolitische Argument: Wenn in allen Metropolen der Welt Frozen Yogurt genoßen wird, dann darf das auch in München natürlich nicht länger fehlen!
 
Hast du im Ausland noch andere Entdeckungen gemacht, die dir in der Heimat fehlen?
Von den Kaliforniern kann sich München noch das ein oder andere abschauen. Beispielsweise das mexikanische Essen – man bekommt an jeder Ecke leckere Burritos, Tortillas, Enchiladas und so weiter. Auch die Kontaktfreudigkeit und Offenheit der Kalifornier, die wahnsinnig hilfreich bei der Entwicklung jeglicher Idee sind, fehlt mir in München ein bisschen.
 

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Illustration: Julia Schubert


Frozen Yogurt Kreationen im "Top it"

Es gibt einen Konkurrenten in der Stadt. Siehst du darin ein Problem, oder seid ihr beide Botschafter des Joghurt?
Du meinst „Top it“ am Viktualienmarkt. Nein, das sehe ich nicht so dramatisch. Aufgrund unserer Lage kommen wir uns nicht ins Gehege. Und Leute, die zu uns kommen, gehen auch zu „Top It“. Wir profitieren also beide voneinander. Es gibt ja auch an jeder Straßenecke eine Eisdiele. Das funktioniert nur, weil jeder weiß, was Eis ist.


Text: uli-schuster - Fotos: Juri Gottschall und Ulrike Schuster

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