Die rollenden Gärten von Big Apple

Was wäre, wenn in New York alle öffentlichen Busse mit einem Dachgarten begrünt würden? Marco will es wissen - und hat schon mal einen Prototypen bepflanzt.
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Marco Castro Cosio hat eine Vision: Er plant Dachgärten auf allen Stadtbussen in New York. Der 30 Jahre alte Mexikaner wünscht sich mehr Grün zwischen den vielen Hochhäusern. Als Abschlussarbeit seines Studiums an der New York University hat der Kommunikationsdesigner deshalb das Projekt Bus Roots entwickelt, das er nun fortführt. Ein Gartenbus-Prototyp mit einem Beet auf dem Dach ist bereits seit Sommer in der Stadt unterwegs.
 
  jetzt.de: Wie läuft es mit den Pflanzen auf dem Busdach, wachsen sie kräftig?
  Marco: Ja, denen gehts gut. Noch sind sie grün, aber bald werden sie wohl ihre Blätter abwerfen und in eine Art Winterschlaf verfallen, der schätzungsweise bis März dauern wird.
 
  jetzt.de: Welche Pflanzen hast du denn in deinem Prototypen des rollenden Gartens angepflanzt?
  Marco: Sedum (Fetthennen), das sind Dickblattgewächse. Diese Pflanzen sind sehr robust und können dem Wind auf einem fahrenden Bus widerstehen sowie hohe und niedrige Temperaturen aushalten. Außerdem brauchen sie sehr wenig Pflege, deshalb haben wir sie ausgesucht. Wir wollen die Busfahrer nicht zu Gärtnern machen. Die Pflanzen wachsen nicht auf Erde, sondern auf einer Art Filzmatte. Es ist das leichteste Dachbegrünungssystem, das es gibt von einem deutschen Hersteller übrigens. Wir wollten das geringstmögliche Gewicht, weil der Bus ja schon durch die Passagiere sehr viel wiegt.
 

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Illustration: Julia Schubert
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So könnten alle New Yorker Busse aussehen - wenn es nach Marco geht.

  jetzt.de: Was hat New York von deiner Idee?
  Marco: Die Idee ist eine Art großer Garten, verteilt auf Busdächer. Wir wissen, dass Dachgärten auf Gebäuden, wie es sie in New York immer mehr gibt, hilfreich sind für die Stadt, weil sie Regenwasser absorbieren, CO2 aufnehmen und als Dämmstoff fungieren. Wenn wir Pflanzen auf Busdächer setzen, können wir diesen Effekt der Dachgärten multiplizieren. Außerdem hat es einen ästhetischen Wert, wenn wir aus dem Fenster schauen und einen Garten vorbeifahren sehen. Es wäre doch großartig, wenn wir eines Tages verschiedene Kräutersorten auf verschiedenen Bussen haben könnten, so dass die Busse nicht mehr A-Linie oder B-Linie heißen, sondern Minz-Linie oder Lavendel-Linie. Und wenn sie vorbeifahren, würden wir den Duft des jeweiligen Krauts einatmen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Prozess, an dem wir arbeiten.
 
  jetzt.de: Man könnte das auch für eine romantische Idee eines Öko-Aktivisten halten, die niemand wirklich braucht und die nur kostet.
  Marco: Ich bin schon froh, wenn das Gespräch darüber in Gang kommt. Ich kann Leute verstehen, die glauben, dass meine Idee niemals Wirklichkeit werden wird. Ich nehme mich selbst auch nicht allzu ernst. Aber für mich ist es ein Weg zu erforschen, wie wir Pflanzen bewegen können, wie wir die Natur als Lösung nutzen und neue Transportarten entdecken können. Ich würde gern Gärten auf Busdächern sehen. Gleichzeitig komme ich auch gern mit Leuten ins Gespräch, die vielleicht noch bessere Ideen haben.
 
  jetzt.de: Der aktuelle Trend zu immer mehr begrünten Hausfassaden und Dachgärten und sogar zu Nutzgärten auf Hausdächern in New York kommt dir da sicher zupass.
  Marco: Sicher, meine Idee fällt auf fruchtbaren Boden. Das Projekt kommt zur richtigen Zeit, zusammen mit jeder Menge anderer Projekte wie den vertikalen Gärten, green houses und dem roof top farming mit Gemüse aus eigenem Anbau.
 
  jetzt.de: Deine Rechnung geht so: Die New Yorker Verkehrsgesellschaft MTA hat eine Flotte von 4500 Bussen. Wären alle Busdächer begrünt, kämen etwa 14 Hektar rollende Grünfläche zusammen. Hast du die MTA schon darauf angesprochen?
  Marco: Ich hatte kurz Kontakt mit jemandem, warte aber immer noch auf einen Termin, um mein Projekt vorstellen zu können. Ich hoffe natürlich, dass sie es gut finden, weiß aber auch, dass das Budget der MTA beschränkt ist. Ich würde mich freuen, wenn wir zumindest einen Bus mit einem Dachgarten ausstatten könnten. Der könnte durch New York fahren und die Menschen überraschen und sie für einen Moment aus ihrer Routine holen. Aber ich suche nach verschiedenen Wegen, das Projekt ins Rollen zu bringen. Es gibt verschiedene Busgesellschaften, auch in anderen Städten.
 
  jetzt.de: Der Prototyp, auf dem du bereits ein Beet auf dem Dach gepflanzt hast, ist der sogenannte BioBus. Das ist ein mobiles Labor mit Mikroskopen und anderen Geräten, das in New York und anderen Städten praktischen naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen anbietet, die nicht über eine solche Ausstattung verfügen. Wie reagieren die Schüler?
  Marco: Der Bus fährt mit Pflanzenöl, hat eine Solaranlage und jetzt auch noch das Beet auf dem Dach. Manche entwickeln gleich ganz verrückte Ideen, zum Beispiel einen Dachgarten für die Hütte ihres Hundes.
 
  jetzt.de: Du hast an der New York University Interactive Telecommunications studiert. Wie bist du auf diese Idee für deine Abschlussarbeit gekommen?
  Marco: Im Interactive Telecommunications Program spielen wir mit verschiedenen Technologien herum und schauen, wie diese unsere Umwelt auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Ich wollte einen Dialog darüber anstoßen, wie wir wieder mehr Natur in die Stadt integrieren können.
 
  jetzt.de: Wie geht es weiter?
  Marco: Der nächste Schritt ist die Umsetzung. Wir planen einen größeren Prototypen mit mehr Pflanzen, für den wir die Erfahrungen mit dem BioBus nutzen werden.

Text: nina-voigt - Fotos: privat

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