Die Schnaps-Barbie

Kneipen-Kunst, Folge 3: Die Vodkarella im Café Kosmos pinkelt Hochprozentiges.
mira-kleine

Hinter der Bar zwischen Schränken, die aussehen als stammten sie aus Omas Küche, hängt sie fest installiert an der Wand: Die Vodkarella. Sie ist zu einem Markenzeichen des Café Kosmos geworden. Vor vier Jahren haben Andreas Rehm und Florian Schönhofer das Café im retroartigen Stil eröffnet. Es liegt in der Marsstraße, in der Nähe des Hauptbahnhofs und war damit einer der Vorbotenen der Bars und Szenelocations, die in letzter Zeit in das Viertel rund um den Hauptbahnhof gezogen sind. Die Vodkarella war Anfang an dabei.



Die Figur ist beides, Kunstobjekt und Automat. Der Name der Puppe verrät ihre Mission: Für nur einen Euro pinkelt die Vodkarella Hochprozentiges in einen kleinen Schnapsbecher, den man ihr zwischen die Beine stellen muss. Der Münchner Künstler Jörg Loose hat sie kontruiert, über ein Jahr lang hat der studierte Architekt an ihr gearbeitet. Jetzt steht sie breitbeinig im Café Kosmos, indirekt angeleuchtet und gut beschützt hinter einem Glas. Sie wirkt leicht verrucht.

Auch die Mechanik in dem geheimnisvollen Kasten hat Jörg Loose eigens ausgetüftelt. Wirft ein Gast eine Münze in das Zählwerk, wird automatisch eine Pumpe ausgelöst. Von außen nicht erkennbar läuft der Wodka dann von oben durch die Figur hindurch und fließt schließlich zwischen den Beinen heraus in den Becher.

Früher war die Vodkarella eine ganz normale Barbiepuppe. „So wie der Maler Acrylfarbe verwendet, benutze ich Barbiepuppen für meine Kunst“, erklärt Jörg Loose. „Die Barbie ist deshalb so geeignet, weil sie an sich schon eine Persiflage ist.“ Schon oft hat er den Spielzeugklassiker zweckentfremdet, zum Beispiel für einen Kondomautomaten mit Peep-Show-Einlage.

Für die regelmäßige Pflege der Vodkarella ist vor allem Frank Apel verantwortlich. Er teilt sich mit Loose ein Atelier, nebenher arbeitet er im Café Kosmos und kann die Vodkarella so regelmäßig mit ihrem Lebenselixier auffüllen. Und hin und wieder lebt der studierte Modedesigner Apel an der Figur seine Kreativität aus, indem er sie neu einkleidet. Momentan trägt sie ein Weltraum-Space-Outfit mit einem speziellen Astronautenhelm, der im ersten Moment an eine Fönhaube für ihr blondes Haar erinnert. Die amerikanische Flagge im Hintergrund deutet an, dass Vodkarella auch bei der ersten Mondlandung dabei gewesen sein könnte. Um ihren Bauch ist eine Schlange gebunden. „Einmal war sie auch schon als österreichisches Madel eingekleidet“, erinnert sich der Künstler. Aber der aktuelle Universum-Style passe einfach ideal zur Atmosphäre des Café Kosmos.

Das Unikat ist unter den Gästen sehr beliebt. „Viele fragen nach, ob sie uns die Vodkarella abkaufen können“, erzählt Rehm, während er hinter der Bar steht. Sogar Leute aus Hamburg und Berlin hätten schon von ihr gehört und seien bei ihren Besuchen in München extra ins Café Kosmos gekommen, um sich von der Wodka-Lady einen Kurzen ausschenken zu lassen. Mittlerweile hat die Figur sogar eine eigene Facebook-Fanseite.

„Die Kunst liegt neben der spannenden Gestaltung am meisten darin, was das Ding auslöst“, meint Loose. Mit diesem speziellen Automaten habe er bloß angefangen eine Geschichte zu erzählen. Den Rest machen dann die Menschen, die sie nutzen und sich darüber freuen: „Die geben der Vodkarella dann ihre eigentliche Geschichte.“