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Die Welt ist eine Scheibe

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"Frisbee spielen wir schon, seit wir uns alle vor etwa sechs Jahren kennengelernt haben. Vor vier Jahren im Winter fanden wir schließlich, dass uns die kalte Jahreszeit nicht davon abhalten sollte, die Scheiben fliegen zu lassen. Unterführungen bieten sich als Winterspielfeld gut an. Dort ist es windgeschützt, wärmer als draußen und vor allem gibt es Licht. Und das ist besonders wichtig, da wir meist erst nach Feierabend zum Spielen kommen.

Unsere erste Station war damals die Fußgängerunterführung an der Maximilianstraße. Leider sind die verschiebbaren Schwingtüren dort ein kleines Problem. Sie grenzen den Bereich ab, der für Kunstinstallationen genutzt wird. Unter diesen Türen ist ein Spalt, der gerade groß genug ist, dass die Frisbeescheibe auch mal darunter verschwinden kann. Wir wagten uns an Alternativen. Mittlerweile spielen wir abwechselnd am Thomas-Wimmer Ring, an der U-Bahn Haltestelle Universität im Zwischengeschoss und am Petuelring in einem abgelegenen Arm vom Seitenausgang. Der eignet sich gut, weil er wenig genutzt wird. Die Unterführung am Englischen Garten nutzen wir auch gern. Sie ist schön weitläufig.

 

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

 

 Ärger mit Passanten oder der Polizei gab es bisher noch nie. Im Gegenteil ist unser Spiel oft sehr amüsant für alle Beteiligten. Die Leute reagieren mit einem Lächeln, fangen die Scheibe auch gerne mal ab und werfen sie zu uns zurück. Dabei fürchteten wir gerade an der Uni, dass jeden Moment die U-Bahn-Wache vorbeikommt und uns rausschmeißt.
Eigentlich spielen wir immer in derselben Konstellation. Im Sommer sind wir fast täglich ab sieben Uhr abends draußen und spielen. Aber nie mit den Profis am Monopteros im Englischen Garten. Die sind uns ein wenig zu zielstrebig. Wir sehen das ja bloß als nettes Hobby. Frisbee ist übrigens nicht nur aufgrund seiner Einfachheit ein toller Sport, sondern vor allem, weil es so sympathisch ist: Es ist nämlich die einzige Mannschaftssportart, die ohne Schiedsrichter auskommt. Den Punktestand machen die Spieler ganz eigenverantwortlich unter sich aus.
Nachahmer oder Gleichgesinnte, die ebenfalls im Winter für das Frisbeespiel in den Unterführungen Zuflucht suchen, haben wir bisher noch keine getroffen. Dabei liegt es so nahe.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert



Übrigens haben wir uns mit unseren Frisbees auch schon durch ganz Paris gespielt. Der Mike lebte nämlich ein Jahr lang in Paris und fand dort partout keine Frisbeespieler. Und das in einer Zwölf-Millionen-Stadt! Als das Jahr vorbei war, beschlossen wir ihn abzuholen, um die Stadt Paris zu viert mit der Frisbee bekannt zu machen. Wir kauften einen Kasten Bier, klemmten die Scheiben unter den Arm und spielten an allen Orten der Stadt: Unter dem Invalidendom, wo Napoleon begraben ist, unter dem Eiffelturm, an der Notre Dame und zum Sonnenuntergang schließlich vor dem Centre Pompidou.

In diesem Winter haben wir uns übrigens noch einem zweiten Gemeinschaftshobby angenommen. Wir nennen es: "Bildungsreisen in Bayern oder: Trinken und Kultur - Untertitel: Auf der Suche nach dem besten Schweinebraten in Altbayern." Zu Weihnachten haben wir unsere erste Reise unternommen: Mit dem Zug nach Landshut, die Burg besichtigen. Glühwein und Tassen im Gepäck liefen wir zur Burg hinauf, machten eine Führung mit, schauten uns die Wunderkammer an und tranken in der Schlosschenke ein Bier. Dann ging es weiter zur St. Martinskirche und schließlich ab in die Wirtschaft. Der Schweinebraten war hervorragend. Frank hielt uns zum Schluss noch einen Vortrag über die Martinskirche: Die gotische Baukunst der Landshuter Martinskirche aus Sicht eines atheistischen Harzers."

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert




Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Juri Gottschall

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