"Egal, ob Erste Liga oder Kirche"

Umberto Echo macht und lebt Reggae in München. Mit jetzt.de spricht er über die Rastafari-Religion und seinen berühmten Fast-Namensvetter.
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Philipp Winter fängt mit 14 an, sich für Tontechnik zu interessieren, experimentiert mit zwei Kassettendecks, bastelt Loops und nimmt sie auf. Bis heute war er als Musiker und Produzent an über 80 Alben von Rock und Jazz bis Reggae beteiligt. Unter anderem produzierte er Jahcoustix, Luciano und Quadro Nuevo. Anfang nächsten Jahres veröffentlicht der 29-jährige Münchner sein zweites Album unter dem Pseudonym Umberto Echo. jetzt.muenchen sprach mit Umberto Echo über seinen Namenspatron, die Entstehung des neuen Albums und die Reggae-Kultur. Philipp, darf ich Umberto zu Dir sagen oder nervt Dich das? Umberto Echo: Das nervt mich überhaupt nicht. Ich finde den Namen sogar ziemlich cool. Viele meiner Freunde nennen mich mittlerweile so. Humor ist im Dub erlaubt. Es gibt auch Dagobert Dub oder Dub Spencer & Trance Hill. Gibt es eine Parallele zwischen Dir und dem Schriftsteller? Umberto Echo: Absolut. Umberto Ecos Arbeiten haben mir als Inspirationsquelle gedient, seine Arbeitsweise lässt sich auf meinen eigenen Schaffensprozess übertragen. Eco hat Zitate und Versatzstücke aus der Literatur zu etwas Neuem verarbeitet. Da gibt es zu mir eine Parallele. Auch ich zitiere Songs von anderen, und setze sie zu etwas Neuem zusammen.

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Illustration: Julia Schubert

Umberto Echo ist nicht nur eine Anspielung auf den italienischen Schriftsteller. Das Echo ist eines der wesentlichen Elemente des Dub. Wie stark identifizierst Du dich mit der Dub und Reggae-Kultur? Umberto Echo: Die Liebe zu Dub und Reggae ist aus meinem Beruf als Producer gewachsen. Ich habe zwar auch andere Sachen gemacht, aber Dub und Reggae bietet mir als Produzent schlicht und ergreifend den größten Spielraum, die meiste Freiheit. Inwiefern? Umberto Echo: Ich habe als Tontechniker viele Live-Bands gemischt und dabei die Erfahrung gemacht: Du wirst auf Festivals immer einen Haufen Rockbands sehen, bei denen der Sound im Grunde genommen scheiße ist. Rock ist ein Anachronismus. Kaum kommt die Reggae-Band, klingt es super. Die Instrumente haben Platz und du kannst sie besser aufeinander abstimmen. Ich bin durch diese Arbeit zum Dub-Spezialisten geworden, bin aber auch kein Fanatiker. Was meinst Du mit Fanatiker? Umberto Echo: Damit meine ich, dass ich nicht das Leben eines Rastafarians führen muss, um diese Musik zu machen. Ich respektiere zwar die Rastafari-Religion. Letztendlich sind wir alle auf der Suche nach etwas, egal, ob wir am Wochenende in die Kirche oder in die Erster Liga gehen. Aber ich halte nichts davon, wenn Leute das unreflektiert adaptieren. Es gibt in dieser Religion zu viele Ungereimtheiten, zu viele Lebensanweisungen, die etwas archaisch anmuten. Ich stehe dem eher kritisch gegenüber. Es stört mich wenn Künstler bestimmte Phrasen immer wieder durchkauen. Bob Marley hatte inhaltlich einen Bogen, der heute einigen Künstlern fehlt. Fühlen sich vielleicht deshalb manche Leute von Reggae überfordert? Umberto Echo: Mag sein. Ich habe aber ein Problem damit, wenn Leute Reggae und Dub prinzipiell ablehnen. Die Musikkultur wie wir sie heute kennen, – Soundsystems, DJs und MCs, auch die Remix-Kultur – das sind alles Elemente, die ihren Ursprung im Jamaika der 50er und 60er Jahre haben. Viele Leute haben das vergessen. Außerdem gibt es ja auch schlechten Rock oder schlechten Jazz. Ich glaube, dass Reggae und Dub, jeden im richtigen Moment packen kann. Und das liegt schon auch an der Verknüpfung mit Spiritualität. Man muss ja auch kein Gospel-Fan sein, aber wenn so ein riesiger Chor zu singen anfängt, kann einen das gar nicht kalt lassen. Weiß Umberto Eco eigentlich von dir? Umberto Eco ist zwar mit einer Deutschen verheiratet, ich glaube aber nicht, dass er schon mal etwas von mir gehört hat. Ich hatte immer vor, ihm eine CD von mir zu schicken, hab’s dann aber gelassen. Das liegt auf meiner Prioritätenliste, ehrlich gesagt, nicht gerade oben. Umberto Echo „Dub The World“ erscheint am 15. Februar 2009 auf dem Hamburger Dub-Label Echobeach.

Text: michael-mettke - Foto: oh

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