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jetzt.de: „Body Talk“? Ist das was zwischen deinem Kopf und deinem Körper? Robyn: Ja, auch. Der Körper ist definitiv ein wichtiger Referenzpunkt für dieses Album, genauso wie Kommunikation. Es geht um Tanz, um Intellekt, um Seele – und all das kann man auf „Body Talk“ hören und fühlen. Aber es geht auch um verschiedene Formen von Widersprüchen. Es ist zum Beispiel interessant für mich, wie sich unsere Internetgesellschaft nach und nach verändert, aber dennoch diese festgefahrenen Vorstellungen davon hat, wie ihre Zukunft einmal aussehen wird. Dabei ist die Zukunft ein sehr viel organischerer Ort, als es die meisten Dystopien und Science-Fiction-Fantasien in der Vergangenheit haben vermuten lassen. Mir geht es um die Gegenüberstellung von Natur und Technologie. Denn die fasziniert mich. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat gesagt, man könne gar nicht nicht kommunizieren. Welche Form der Verständigung ist für dich denn die wichtigste? Das ist situationsabhängig. Tanzen ist in meinen Augen aber mit Abstand die spannendste Art der Kommunikation, weil man dabei so wahnsinnig viele Signale aussenden kann. Viele davon registriert man vermutlich gar nicht, weil das Gehirn sie nicht aufnehmen kann und ein Großteil unterbewusst passiert. Aber Körpersprache beeinflusst sehr stark, wie wir andere Menschen wahrnehmen und was wir über sie denken. Ich achte jedenfalls immer sehr genau darauf, wie Leute mit ihrem Körper umgehen. Robyn 'Dancing On My Own' (Official Video) Tanzen verbindet man in der Regel mit guter Laune. Im Lied „Dancing On My Own“ stellst du diesem Spaß-Element jedoch das Gefühl von Liebeskummer entgegen. Der Club ist kein Ort, den man nur dann besucht, wenn es einem gut geht. Auch Trauer, Frust, Wut oder Zorn finden dort statt, und das hat mich sowohl textlich als auch musikalisch stark inspiriert. Sämtliche Extreme sind möglich, und diese Unberechenbarkeit übt für viele Menschen eine ungemeine Faszination aus – mich eingeschlossen. Der Club ist ein eigener kleiner Mikrokosmos. Du planst, dieses Jahr gleich drei Platten zu veröffentlichen, von der jede einzelne jedoch weniger als zehn Stücke beinhaltet. Ist das die Konsequenz aus dem Umstand, dass die Leute sich kaum noch ganze Alben anhören, sondern bloß noch einzelne Songs herunterladen? Ja, genau. Ich glaube, es ist nicht mehr nötig, sich an die klassische Art und Weise der Plattenveröffentlichung anzupassen, nur weil es bestehende Strukturen gibt, die von den Major-Plattenfirmen weiterhin am Laufen gehalten werden. Die großen Labels haben für jedes Problem denselben einstudierten Lösungsansatz parat, und das kann es nicht sein. Gerade heute, wo Künstler durch das Internet einen direkten Kontakt zu ihren Fans haben und es kaum noch regulierende Filter gibt, kann man sehr viel individueller auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen. Steckt denn ein übergreifendes Konzept hinter der Album-Trilogie? Nein. Ich wollte lediglich einen Weg finden, der meiner kreativen Arbeitsweise entspricht. Das ist ein Experiment. Es geht mir vor allem darum, die Strukturen zu verändern, in denen ich arbeite, so dass ich mehrere Dinge gleichzeitig tun kann. Es hat mich in den letzten Jahren frustriert, während der Promotion und Tour zur letzten Platte nicht ins Studio gehen zu können. In Deutschland gibt es eine anhaltende Diskussion über das Tragen von Burkas. Auf dem Way Out West-Festival haben du und Lykke Li auf der Bühne Burkas getragen, während ihr den John-Deacon-Klassiker „I Want To Break Free“ gesungen habt. Gegen Ende des Liedes habt ihr euch der Burkas entledigt und darunter Hot Pants und Catsuits getragen. Was war die Idee dahinter? Um ehrlich zu sein: Wir fanden einfach, dass es gut aussieht. Burkas sind auf eine spezielle Weise wunderschöne Kleidungsstücke. Natürlich hat es auch zu dem Stück gepasst, aber ich maße mir nicht an, zu entscheiden, was andere Leute tragen sollen. Die Aktion war nicht als politisches Statement inszeniert. „Body Talk Pt. 1“ von Robyn erscheint am 18. Juni auf Konichiwa / Edel.