Eine Dekade Counterstreit

Counterstrike wird zehn - zum Jubiläum die interessantesten Einschätzungen zum Spiel
dirk-vongehlen

I. „Zunächst einmal ist das Spiel ein taktischer Shooter. Es geht nicht um sinnloses Ballern, sondern um das Zusammenarbeiten in einem Team. Ziel ist es, gewisse Missionen zu erfüllen. Deshalb ist Counterstrike kein ,Killerspiel‘, obwohl das gerne behauptet wird.“ Martin Wehrmann, deutscher Meister im Counterstrike

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Illustration: Julia Schubert

II. „Aus vielen Begutachtungsfällen weiß ich, dass der unkontrollierte, stundenlange Konsum von solchen Filmen oder Video-Spielen wie Counterstrike zum Verstärker von Gewaltexzessen werden kann.“ Franz Joseph Freisleder, Kinder- und Jugendpsychiater III. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Egoshooter-Spiele wirklich die Gewaltbereitschaft steigern. In Japan spielen Hunderttausende Counterstrike, ohne dass es einen empirisch überprüfbaren Anstieg realer Gewalt zur Folge hat. Joachim Kersten, Gewaltforscher IV. „Junge Männer sind an sich gefährlich genug, die brauchen keine Videospiele, um verrückte Dinge zu tun. Counterstrike ist für Jungs so attraktiv, weil es deren Bedürfnis nach Extremen, Rebellion und Aufruhr bedient. Die Industrie befriedigt diese Nachfrage, und verdient gut daran. Aber das ist eine Sackgasse. Da die Branche nur mit den Phantasien einer pubertären Zielgruppe identifiziert wird, steht die Gesellschaft den Spielen skeptisch gegenüber.“ Chris Crawford, Videospieldesigner V. „Counterstrike ist eher Schach als Paintball.“ Kommentar eines Spielers in einem Counterstrike-Forum nach dem Amoklauf von Emsdetten im Winter 2006. VI. „Wenn alle Amokläufer Wasser trinken, heißt das noch lange nicht, dass alle Wassertrinker zu Amokläufern werden. Counterstrike ist Bestandteil einer ganzen Jugendkultur. Fast jeder spielt es, auch die Amokschützen.“ Ibrahim Mazari ist einer von mehreren Organisatoren der sogenannten „eSport-Bundesliga“ VII. „Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counterstrike oder Crysis lernen können. Hans-Dieter Schwind, Kriminologe und Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung über den Amoklauf von Winnenden im Frühjahr 2009. VIII. „Diese Spiele sind realistisch, aber nicht real. Das wissen die Spieler sehr, sehr genau. Es ist zum Beispiel sehr schwer, aufgrund eines Spiels wie Counterstrike die reale Handhabung einer Pistole zu erlernen. Das geht nämlich gar nicht.“ Dietrich Dörner, Psychologe IX. „Counterstrike, Markus Merk, MP3s, Courtney Love, deine Eltern, meine Eltern, Wind und Wetter, alle Eltern, Metalbands, Slipknot-Fans, der Bossa Nova, 68, 89, Ball und Platz, und natürlich Yoko Ono. Immer auf der Suche nach der Suche nach den Schuldigen.“ Kettcar, im Song „Einer“ X. „Dass ein über 16-Jähriger hierzulande Counterstrike spielt, ist ungefähr so normal, wie wenn er zu McDonalds geht.“ Petra Fröhlich, Chefredakteurin der Zeitschrift PC Games

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