Eine E-Mail mit Happy End

Simon Riggers, 26, ist ein großer Fan von „Fleisch ist mein Gemüse“. Jetzt gibt es das Buch als Film – der Fan hat als Ko-Produzent mitgearbeitet
dirk-vongehlen

jetzt.de: Am 17. April kommt die Verfilmung von „Fleisch ist mein Gemüse“ ins Kino. Was hast du gedacht, als du gehört hast, dass das Buch verfilmt wird? Simon Riggers: Ich war geschockt. Ich bin ein großer Fan des Buches, ich mag den Humor von Heinz Strunk und ich habe immer gesagt: „Wenn ich mal ,groß’ bin, will ich das machen.“ Aber dann ging es viel schneller als ich gedacht habe. Wie meinst du das? Als ich von den Filmplänen gehört habe, das war vor etwa zwei Jahren, habe ich einfach eine Mail an Heinz Strunk geschrieben und ihm gesagt, dass ich gerne dabei wäre, wenn das Buch verfilmt wird. Kurz danach hat er mich angerufen. Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Kumpel von mir, der mich verarschen will: „Ja, hallo hier ist Heinz Strunk . . .“ Er war es aber wirklich? Genau. Er hat mich dann zum Regisseur Christian Görlitz vermittelt. Und der hat mich dann mit der Produzentin, Susanne Freyer von der ndF (neue deutsche Filmgesellschaft), in Kontakt gebracht. Und jetzt tauchst du sowohl im Abspann des Films als Ko-Produzent auf . . . . . . und ich habe eine kleine Komparsen-Rolle, in der Szene, in der Silvester Groth ins Krankenhaus gebracht wird. Da gibt es einen, der rennt um die Ecke, reißt die Tür auf und bringt ihn ins Krankenhaus. Das bin ich. Ein Weg von der Mail direkt in den Film. So einfach war das aber sicher nicht. Nee. Ich hatte zwar Film studiert und gedacht, ich wüsste viel über Film, aber dann hat mir Susanne klar gemacht, dass ich erstmal am Set einer Produktion miterleben sollte, wie Film wirklich gemacht wird. Und so war ich zunächst mal sechs Wochen der Set-Runner bei einer Produktion, also das kleinste Rädchen. Du kommst als Erster und gehst als Letzter, aber du siehst die Abläufe beim Film. Das ist unerlässlich.

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Illustration: Julia Schubert

Simon Riggers. Was war das für ein Film? Das war bei der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ mit Fritz Wepper. Ich musste immer hin- und herlaufen, beim Aufbau helfen, absperren und so weiter. Dabei habe ich viel über die unterschiedlichen Jobs am Set gelernt und schnell gemerkt: Ich will Producer werden. Dann wurde ich Volontär bei der ndF und kann seitdem mit Susanne Freyer an weiteren Stoffen arbeiten und so viel dazulernen. Ist das anders als du es erwartet hattest? Klar, ich hatte zwar auch Dramaturgie-Kurse belegt, aber in der Praxis ist das dann doch anders. Man merkt, dass man die Figuren sehr viel ernster nehmen muss. Die Figuren brauchen eine eigene Biografie, mit Hobbys, Sehnsüchten, Fehlern und Schwächen. Das weiß man zwar alles irgendwie, in der Praxis fühlt es sich aber dann doch anders an. Das hatte aber alles noch nichts mit „Fleisch ist mein Gemüse“ zu tun? Nee, das ging erst Anfang 2007 los. Da saß ich dann zwei Monate mit Christian, dem Regisseur, und seinem Assistenten in einem Raum und durfte an der letzten Fassung des Drehbuchs mitwirken. Wer sich damit nicht auskennt, denkt vermutlich: Das Buch ist doch schon da. Im Nachhinein ist das ein bisschen peinlich für mich. Genauso bin ich nämlich auch rangegangen. Zum Glück hat mich Christian ernst genommen in meiner Naivität. Und so habe ich direkt miterleben können, wie sich Szenen verändern, welche Rolle das Budget spielt und wie sich die Geschichte somit entwickelt. Das war quasi eine Art Regie-Praktikum bei Christian Görlitz. Für mich selber war diese Stoffentwicklung mit ihm zusammen sehr wichtig, weil ich live erfahren habe, wie das funktioniert. Ich bin zwischen Regie und Produktion unterwegs gewesen und habe Sachen gelernt, die man in keinem Studium lernen kann. Wie zum Beispiel auch beim Casting, also der Besetzung der Rollen . . . . . . die ndF hat dafür ein Castingbüro, das Ursula Danger leitet. Sie macht Besetzungsvorschläge und stellt den Kontakt zu den Schauspielern her. Bei Maxim Mehmet, der im Film die Hauptrolle, also Heinz spielt, war es so, dass er Christian in einem kurzen Werbespot aufgefallen war. Und wie läuft dann das Casting? Maxim stand bereits fest und hat selbst Szenen mit den jeweiligen Kandidaten gespielt. So kann man am besten sehen, ob die auch zusammenpassen. Konntest du auch Einfluß nehmen und sagen: „Meine Anja aus dem Buch ist ganz anders als diese Schauspielerin“? Ja, das war super. Christian hat sich meine Vorschläge angehört. Ich musste begründen, warum ich das so oder anders sehe. Wie war es am Set? Es gibt einige Szenen auf Schützenfesten. Man könnte annehmen, das geht sicher lustig zu. Bei so einem Dreh hast du oft eine Sechstage-Woche und das sind immer superlange Tage. Du stehst um sechs Uhr auf, bist um sieben am Set und drehst so bis acht oder neun am Abend. Danach ist nicht mehr viel, da wird dann ganz selten am Abend noch ein Bier getrunken. Da ist einfach keine Kraft für große Feiern. Außerdem: Wenn da einer morgens verpennt, bringt das den ganzen Drehplan durcheinander. Und diesen Drehplan im Auge zu behalten ist die Aufgabe eines Produzenten? Jeder Produzent hat einen Herstellungsleiter, der genau kontrolliert, wie das Budget steht und wie man in der Zeit liegt. Der Herstellungsleiter steht in engem Kontakt mit dem Produzenten, der am Ende die Verantwortung trägt. Das klingt anstrengend. Warum willst Du trotzdem Produzent werden? Weil es super vielfältig ist. Du hast die Chance, von Anfang an dabei zu sein. Du kannst Geschichten erzählen, kannst dir überlegen, welcher Regisseur das am besten umsetzen kann und bist auch im Anschluß noch mit dem Projekt beschäftigt. Das finde ich sehr reizvoll. Erzähl mal, wie es mit „Fleisch ist mein Gemüse“ dann weiterging? Nach Drehschluss ist erstmal ein bisschen Leere. Du bist ein Vierteljahr mit Leuten zusammen und dann fällt man – so kitischig das klingt – in ein Loch. Danach geht es in den Schnitt. Da habe ich auch nochmal wahnsinnig viel gelernt. Die erste Fassung habe ich im Mai oder Juni gesehen. Das war ein Rohschnitt und hatte noch wenig mit dem fertigen Film zu tun. Es folgen dann noch Post-Produktion und Mischung. Und dann kommt der Film ins Kino. Genau. Dafür ist dann der Verleih zuständig. Die entwickeln ein Marketingkonzept, das die Promotion für den Film betrifft und natürlich auch die Kopienstreuung beinhaltet, sprich in welchen Städten der Film anläuft. Und dann gibt es sozusagen als krönenden Abschluss die Premierenparty. Genau, die ist morgen in Hamburg-Harburg. Darauf freu’ ich mich natürlich. Es kommen so 500 Leute und das wird sicher großartig. Der Film ist nämlich super geworden, dem Buch absolut angemessen. Und das sag ich nicht nur, weil ich mitgearbeitet habe, sondern als Fan. Mehr über den Film gibt es hier, auf jetzt.de außerdem: ein Interview mit Autor Heinz Strunk, der im Hamburger Wahlkampf als Spitzenkandidat der Partei "Die Partei" kandidierte.

Text: dirk-vongehlen - Foto: privat

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