„Eine sehr intensive Zeit“: Usama erzählt vom Fastenmonat Ramadan

Gestern begann der Fastenmonat Ramadan. Einen Monat lang verzichtet jeder Muslim von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Getränke, Genußmittel sowie auf Geschlechtsverkehr. Usama El-Ammarine, 24, ist BWL-Student und gläubiger Muslim. Er gibt uns einen kleinen Einblick in seine persönliche Zeit des Fastens.
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Warum fastest Du? Ramadan ist eine Zeit, die ich sehr intensiv erlebe. Fasten ist ein wichtiger Teil meiner Religion und gehört neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Armensteuer und der Pilgerfahrt zu den fünf Säulen des Islam. Während des Ramadan kann ich wieder eine stärkere Verbindung zu Gott aufbauen, was im Alltag oft schwer möglich ist. Es geht aber auch darum, durch das eigene Hungern sein Mitgefühl für die Armen zu stärken. Die persönliche Gestaltung des Ramadan bleibt aber jedem selbst überlassen. Bei mir bedeutet das vor allem, alles einen Gang runterzuschalten. Aber ich kann mich durchaus abends mal mit Freunden treffen und ins Kino gehen.

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Illustration: Julia Schubert

Worauf verzichtest du besonders ungern? In den ersten drei Tagen fällt mir die Umstellung, ohne Kaffee am Morgen fit zu werden, besonders schwer. Manche Gläubige bereiten sich darauf vor, indem sie bereits einen Monat vor Ramadan beginnen, sporadisch einige Tage zu fasten. Bei mir funktioniert das aber von einem Tag auf den anderen. Eigentlich freue mich schon auf den Ramadan. Wieso denn das? Ramadan bedeutet für mich, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Wenn ich abends von der Uni komme, wird dann zusammen gegessen. Danach gehen wir jeden Abend zusammen zum Gemeinschaftsgebet in die Moschee. Ist es schwer, hier in Deutschland zu fasten? Ich habe mit meiner Familie fünf Jahre in Saudi-Arabien gelebt, wo es natürlich einfacher ist zu fasten, weil sich dort das gesamte öffentliche Leben am Ramadan orientiert. So haben dann auch die Geschäfte bis spät in die Nacht geöffnet und es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. In Deutschland ist das schon etwas komplizierter, weil die normalen Arbeitszeiten ja auch während des Ramadan eingehalten werden müssen. In unseren Breitengraden ist es im Sommer besonders schwer zu fasten, weil die Tage länger sind, so dass – wenn der Ramadan beispielsweise im August ist – man bis zu 20 Stunden fastet. Wann beginnt der Ramadan denn immer und wie lange dauert er? Der Beginn des Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und beginnt mit der Sichtung des Neumondes des zwölften Monats der islamischen Zeitrechnung. Der genaue Zeitpunkt wird mit Hilfe zweier Methoden festgestellt: Zum einen durch Berechnung und zum Anderen durch Sichtung des Neumondes durch den DIWAN (Deutscher islam-wissenschaftliche Ausschuss der Neumonde). Dieses Jahr war das etwa am 24. September der Fall. Die Dauer des Ramadan orientiert sich ebenfalls am Mondkalender. Ein Mondmonat hat 29 oder 30 Tage. Muss eigentlich jeder Muslim fasten? Es gibt im Islam den Grundsatz „Gott bürdet keiner Seele mehr auf, als sie tragen kann“. Wer gesundheitlich nicht in der Lage ist (z.B. bei einer besonderen Form von Diabetes) zu fasten, hat die Möglichkeit stattdessen für jeden nicht gefasteten Tag einen Armen zu speisen. Dies gilt für chronische Erkrankungen. Im Falle einer akuten Erkrankung muss der Betroffene die nichtgefasteten Tage später nachholen. Foto: privat

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